Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Radiologie: Die neuen Augen der Ärzte

02.05.2005


Die Radiologie macht den Körper durchsichtig, liefert Einsichten und wird zunehmend auch zur Voraussicht eingesetzt. Unsere vielfältigen Methoden sind "die neuen Augen der Ärzte", erklärt Professor Bernd Hamm, Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft.

... mehr zu:
»MRT »Radiologie »Röntgenstrahl

Am 8. November 1895 entdeckte Wilhelm Conrad Röntgen, Professor an der Universität Würzburg, die später nach ihm benannten Röntgenstrahlen - und stieß damit eine rasante Entwicklung an, welche die Diagnostik und Therapie in der Medizin nachhaltig veränderte. Schon immer hatten sich die Mediziner Bilder aus dem Körperinneren gewünscht, um Krankheiten und ihre Ursachen zu erkennen. Durch die Entdeckung von Röntgen wurde dieser Traum wahr.

Nur zehn Jahre nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen wurde in Berlin im Jahr 1905 die Deutsche Röntgengesellschaft gegründet. "Vor hundert Jahren wurde geröntgt, auch heute wird geröntgt - aber es hat sich enorm viel verändert", erklärt Professor Bernd Hamm, Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft und Direktor des Instituts für Radiologie am Universitätsklinikum Charité - Campus Mitte.

So dauerte die Röntgenuntersuchung der Hand von Frau Röntgen - nach der Aufnahme der Hand des Entdeckers selbst die zweite Röntgenaufnahme überhaupt - damals 49 Minuten. Heute dauert eine Aufnahme Millisekunden. Auch die Strahlenexposition ist bei einer konventionellen Röntgenuntersuchung signifikant gesunken. Denn technische Innovationen waren ein ständiger Begleiter der Radiologie. 1972 leitete der Brite Godfrey N. Hounsfield mit der Entwicklung der Computertomographie (CT) eine neue Aera in der Bildgebung ein. Nur ein Jahr später entwickelte der US-Amerikaner Paul Lauterbur die Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT), die ohne Röntgenstrahlung auskommt. Er wurde dafür zusammen mit dem britischen Wissenschaftler Peter Mansfield 2003 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Auch der Ultraschall wird seit den 70er Jahren in der bildgebenden Diagnostik eingesetzt. "Diese Entwicklungen haben dazu geführt", so Hamm, "dass die Diagnostik bei den Patienten schneller und deutlich schonender geworden ist."

Allerdings ist Hamm ein Punkt besonders wichtig: "Die Radiologie ist zwar ein technikorientiertes Fach aber kein technisches Fach". Radiologen, so Hamm weiter, seien in erster Linie Ärzte, die Technik für die Diagnostik einsetzen. Sie entscheiden, welches der verschiedenen Verfahren am besten geeignet ist, um möglichst schnell zur Diagnose zu kommen. Um Fortschritte zu erzielen sind daher Innovationen sowohl im medizinischen als auch im gerätetechnischen Bereich nötig.

Auch das therapeutische Standbein der Radiologie wird beständig ausgebaut. Die so genannte interventionelle Radiologie hat sich seit ihren Anfängen in den sechziger Jahren ebenfalls rasant entwickelt. Die Überwachung mit radiologischen Verfahren gestattet es den Radiologen, minimal-invasive Eingriffe beispielsweise an den Gefäßen vorzunehmen.

Früherkennung und Vorsorge - das ist der entscheidend wichtige Trend in der modernen Radiologie. Bislang wurde die Bildgebung erst dann eingesetzt, wenn der Arzt erste Hinweise auf eine Erkrankung hatte. Ebenso sind die Radiologen gefragt, um den Verlauf einer Behandlung zu überprüfen. "Demnächst wird Bildgebung zunehmend dafür eingesetzt werden, um zu untersuchen, ob Patienten möglicherweise eine noch verborgene Krankheit haben", prophezeit Hamm. Ein Beispiel dafür ist die Mammographie im Rahmen des Mammographie-Screenings. Eine anderes Beispiel ist die virtuelle Endoskopie des Dickdarms: Mit dieser Methode können Radiologen nach Polypen suchen, aus denen später ein Karzinom werden könnte. Auch Patienten mit unklaren Thoraxschmerzen können von den modernen Möglichkeiten der Radiologen profitieren: Die Untersuchung des Herzens mit bildgebenden Verfahren wie CT und MRT kann Patienten identifizieren, denen Herz-Kreislauf-Erkrankungen drohen.

Auch die Gerätetechnologie schreitet voran und gestattet inzwischen Untersuchungen, die vor wenigen Jahren nicht möglich waren. Ein Beispiel ist die Ganzkörper-Untersuchung, die Dank MRT zunehmend eingesetzt wird. Allerdings ist nicht in jedem Fall der "Ferrari" aus dem radiologischen Geräte-park erforderlich: Natürlich bieten unter den CT-Geräten die so genannten 64-Zeiler der jüngsten Generation bei Patienten mit einem Polytrauma entscheidende Vorteile. Auch eine Herzuntersuchung ist mit 64 Zeilen am besten zu bewerkstelligen. Doch für eine virtuelle Endoskopie oder eine Standard-CT-Untersuchung der Lunge tun es auch Geräte, die bei einem Durchgang 16 oder 32 Schnittbilder liefern.

Die neuesten High-Tech-Geräte, davon geht Hamm aus, werden allerdings in der Zukunft nicht mehr in jeder Klinik und Praxis aufgestellt werden können. "Der Preis ist so niedrig, dass auch der minderbemittelte Arzt in der Lage ist, sich ein brauchbares Röntgeninstrumentarium zu beschaffen" - so warb der Hersteller des "Diaphor R" Anfang des 20. Jahrhunderts für sein Gerät. Solche Versprechungen können die Hersteller der modernen Geräte nicht mehr machen. Das neueste MRT-Gerät kostet 1,5 Millionen Euro.

Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.awmf.org

Weitere Berichte zu: MRT Radiologie Röntgenstrahl

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Titandioxid-Nanopartikel können Darmentzündungen verstärken
19.07.2017 | Universität Zürich

nachricht Künftige Therapie gegen Frühgeburten?
19.07.2017 | Universitätsspital Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Im Focus: Das Proton präzise gewogen

Wie schwer ist ein Proton? Auf dem Weg zur möglichst exakten Kenntnis dieser fundamentalen Konstanten ist jetzt Wissenschaftlern aus Deutschland und Japan ein wichtiger Schritt gelungen. Mit Präzisionsmessungen an einem einzelnen Proton konnten sie nicht nur die Genauigkeit um einen Faktor drei verbessern, sondern auch den bisherigen Wert korrigieren.

Die Masse eines einzelnen Protons noch genauer zu bestimmen – das machen die Physiker um Klaus Blaum und Sven Sturm vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

Technologietag der Fraunhofer-Allianz Big Data: Know-how für die Industrie 4.0

18.07.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - September 2017

17.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

1,4 Millionen Euro für Forschungsprojekte im Industrie 4.0-Kontext

20.07.2017 | Förderungen Preise

Von photonischen Nanoantennen zu besseren Spielekonsolen

20.07.2017 | Physik Astronomie

Bildgebung von entstehendem Narbengewebe

20.07.2017 | Biowissenschaften Chemie