Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nervenzellen lernen nach Verletzung

06.08.2001


RUB-Neurophysiologen haben jetzt herausgefunden, dass Nachbarzellen die Aufgabe von zerstörten Gehirnbereiche mit übernehmen können. Doch nur für kurze Zeit nach der Schädigung erhält das Gehirn die Regenerationsfähigkeiten jugendlicher Zellen zurück.

  • Gehirn wird wieder jung
  • Nervenzellen lernen nach Verletzung
  • MedRUBIN: Zweites RUBIN-Sonderheft erschienen

Verletzungen im Gehirn oder ein Schlaganfall können einen blinden Fleck im Gesichtsfeld verursachen. Die Nervenzellen, die für diesen Sehbereich Signale aus der Netzhaut empfangen und verarbeiten, sind verloren gegangen. Neurophysiologen um Prof. Dr. med. Ulf Eysel (Neurophysiologie, Medizinische Fakultät) haben jetzt herausgefunden, dass Nachbarzellen die Aufgabe der zerstörten Gehirnbereiche mit übernehmen können. Doch nur für kurze Zeit nach der Schädigung erhält das Gehirn die Regenerationsfähigkeiten jugendlicher Zellen zurück. Dieses "Zeitfenster" wollen die Forscher nun für neue Therapien nutzen.

Gehirnarbeit sichtbar gemacht

Die Neurophysiologen haben die "Gehirnarbeit" mit der Methode des "optical imaging" sichtbar gemacht. Dabei beleuchten sie das Gehirn. Aktive und inaktive Hirngebiete reflektieren Licht unterschiedlich. Mit Hilfe eines speziellen Computerprogramms werden die Reflexionen der angestrahlten Zellen ausgewertet und die veränderten Reaktionen erfasst. Dabei stellte sich heraus, dass die an die zerstörten Zellen angrenzenden Hirnbereiche (rezeptive Felder) Die verloren gegangenen Funktionen mit übernehmen (neuronale Plastizität). Ein erwachsenes Gehirn erhält die Fähigkeiten des jugendlichen Gehirns zurück: die Nervenzellen verstärken alte Verschaltungen (Synapsen) oder bilden neue aus.

Des Rätsels Lösung: die Gene

Mit molekularbiologischen Methoden untersuchen die Forscher die Mechanismen der Selbstreparatur. Sie haben herausgefunden, dass nach einer Schädigung im Nervensystem bestimmte Wachstumsfaktoren vermehrt gebildet werden, die das Entstehen neuer Synapsen fördern. Dabei werden Gene aktiviert, die bereits nach der Geburt wirksam waren, im erwachsenen Gehirn aber ruhen. Das könnte ein Grund dafür sein, dass die Nervenzellen in der Umgebung des verloren gegangenen Gehirnbereichs wieder lernfähiger sind.

Lichtblitze am Rand des Flecks

Da sich die rezeptiven Felder am Rand einer Hirnschädigung durch Übung vergrößern lassen, haben Eysel und sein Team gemeinsam mit der Neurologischen Universitätsklinik Bergmannsheil ein Gesichtsfeldtraining entwickelt: Dem Patienten werden auf einem Monitor immer wieder Reize am Rand des ausgefallenen Sehbereichs gezeigt. Dabei werden Teile des gesunden Gesichtsfeldes und Teile des blinden Gebiets jeweils gemeinsam erregt. Nach und nach übernehmen die gesunden Nervenzellen am Rand der Schädigung auch die Bereiche des Gesichtsfeldes, die vorher von den verloren gegangenen Zellen abgebildet wurden. Schwache Zellverbindungen werden durch das "Training" gestärkt oder neue Zellverknüpfungen entstehen. Doch der Zeitraum für diese maximale Lernbereitschaft der Zellen ist begrenzt. Danach ist ein vergleichbarer Lernerfolg nur mühsam zu erringen.

MedRUBIN erschienen

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in MedRUBIN 2001, neben anderen Themen: Und immer ist der Arzt dabei (Chirurgie); Abwehr aus dem Gleichgewicht: Allergie durch Grippeviren (Allergologie); Ohne Schnitt unter die Haut (Dermatologie); Ein (Kunst-)Herz für Kinder (Herzchirurgie); Mit Blutstammzellen gegen Krebs (Innere Medizin); Parkinsongenetik: Schutz und Vorsorge im Blick (Neurologie); Endlich hinein in die Lehrpläne (Ethik und Schmerz); Weniger Stress, weniger Rückenschmerzen (Medizinische Psychologie); "Hauptsache gesund" (Humangenetik); Dicht am Herzschlag (Biomedizinische Technik); In der Bäckerhefe Erbkrankheiten auf der Spur (Zellbiochemie). MedRUBIN ist für 9 DM im Dekanat der Medizinischen Fakultät erhältlich (Tel. 0234/32-24960).

Weitere Informationen

Prof. Dr. med. Ulf Eysel, Institut für Physiologie, Medizinische Fakultät der Ruhr-Universität Bochum, Tel.: 0234/32-23849, Fax: 0234/32-14192, E-Mail: eysel@neurop.ruhr-uni-bochum.de

Dr. Josef König | idw

Weitere Berichte zu: Nervenzelle Synapse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Starkes Übergewicht: Magenbypass und Schlauchmagen vergleichbar
17.01.2018 | Universität Basel

nachricht Therapieansatz: Kombination von Neuroroboter und Hirnstimulation aktiviert ungenutzte Nervenbahnen
16.01.2018 | Universitätsklinikum Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Im Focus: Wie Metallstrukturen effektiv helfen, Knochen zu heilen

Forscher schaffen neue Generation von Knochenimplantaten

Wissenschaftler am Julius Wolff Institut, dem Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien und dem Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungen

Fachtagung analytica conference 2018

15.01.2018 | Veranstaltungen

Tagung „Elektronikkühlung - Wärmemanagement“ vom 06. - 07.03.2018 in Essen

11.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der Kobold in der Zange

17.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Mit Elektrizität Magnetismus umschalten

17.01.2018 | Physik Astronomie

Maßgeschneiderte Eigenschaften erlauben Einblicke in Quantenpunkte

17.01.2018 | Physik Astronomie