Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

25 Millionen Mark für Hepatitis-Netzwerk

06.08.2001


MHH-Professor Michael P. Manns ist Sprecher des bundesweiten Netzes

Am vergangenen Freitag fiel die Entscheidung: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert mit 25 Millionen Mark das "Kompetenznetz Hepatitis" (HEP-NET). Damit sollen ab dem Spätsommer 2001 über fünf Jahre die bundesweite Erforschung der Leberentzündungen durch Viren unterstützt sowie einheitliche Diagnose- und Therapiestandards entwickelt werden. Auch epidemiologische Daten werden im HEP-NET gesammelt. Erstmals ist es in Deutschland gelungen, alle namhaften Experten - rund 120 - auf dem Gebiet der Hepatitis zusammenzuführen. Neben den Forschern an Unikliniken werden auch Krankenhäuser, niedergelassene Ärzte und Patienten-Selbsthilfegruppen eingebunden. Sprecher des Netzwerkes ist Professor Dr. Michael P. Manns, Direktor der Abteilung Gastroenterologie und Hepatologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH); 14 Wissenschaftler aus fünf Abteilungen der MHH sind beteiligt. Dem Vorstand des HEP-NET gehören außer Professor Manns noch Professor Dr. Michael Roggendorf, Universität Gesamthochschule Essen, und Professor Dr. Hans P. Dienes, Universität Köln, an.

Die virusbedingte Leberentzündung ist eine der weltweit häufigsten Infektionskrankheiten. In Deutschland sind bis zu einer Million Menschen an einer chronischen Virushepatitis erkrankt, verursacht durch die Viren Hepatitis C, B und D. Sie schädigen die Leber und führen zu einer schwelenden Entzündung. Das Organ baut sich in narbiges Bindegewebe um, eine Leberzirrhose, und kann ohne Behandlung schließlich versagen. Eine weitere Gefahr: Es entsteht Leberkrebs - das Hepatozelluläre Karzinom (HCC).

Mit Medikamenten wie Ribavirin und dem Zellhormon Interferon-a lässt sich heute die Hepatitis C bei der Hälfte der Patienten ausheilen. Die Zerstörung der Leberzellen ist in diesen Fällen gestoppt. Für alle anderen bleibt als letzte Möglichkeit die Organtransplantation. Ein Viertel der rund 600 Patienten, die in Deutschland pro Jahr eine Spenderleber erhalten, leiden an einer chronischen Hepatitis C. Ebenfalls ein Problem ist das Hepatitis-B-Virus (HBV). Zwar gibt es einen wirksamen Impfstoff, der vor einer Ansteckung schützt. Jedoch ist bislang weder bekannt, wie viele Menschen in Deutschland davon betroffen sind, noch weiß man, welche Therapieform die optimale ist, da Erkrankte ganz unterschiedlich auf die Behandlung ansprechen.

Eine übergreifende Zusammenarbeit von Klinikern, Grundlagenforschern, der Industrie und Patientenorganisationen ist demnach dringend notwendig. Als Austauschzentrale fungiert der so genannte Central Information Officer, Dr. Klaus Adelhard von der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Hier werden später alle wichtigen Informationen eintreffen und entsprechend weitergeleitet. In einer Serum- und DNA-Bank in Essen werden die Blutproben der Patienten gesammelt, in einer Gewebebank in Köln sollen Leberproben und die Ergebnisse der feingeweblichen mikroskopischen Untersuchungen lagern. Im "Study House", einem virtuellen Forum, werden Studien geplant und durchgeführt, überwacht und ausgewertet. Dies betrifft vor allem Therapiestudien des HEP-NET.

Durch Fortbildungen, Infoveranstaltungen und regelmäßig aktualisierte Seiten auf der Homepage des Netzwerks werden die Ergebnisse der Untersuchungen an Krankenhäuser, Patienten und niedergelassene Ärzte weitergegeben. Gleichzeitig werden diese Ärzte Patienten und Daten in die Studien einbringen. Das geschieht zunächst in einer Modellregion "West" (Ruhr und Rheinland), 2002 kommt die Region "Ost" hinzu (Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg). Sollten diese Kooperationen positiv verlaufen, folgen die Regionen "Süd", "Süd-West" und "Nord".

Die BMBF-Förderung wird im Jahr 2006 auslaufen. Bis dahin möchten die Beteiligten eine Deutsche Leberstiftung gegründet haben, um das Netzwerk fortzuführen. Entsprechende Organisationen aus den USA und Großbritannien, die "American Liver Foundation" und der "British Liver Trust", wollen dabei mit Rat und Tat zur Seite stehen und eine Patenschaft übernehmen.

Fragen beantworten gern der Sprecher des HEP-NET, Professor Michael P. Manns, Telefon: (0511) 532-3305, und der wissenschaftliche Sekretär Dr. Markus Cornberg, Telefon: (0511) 532-3157, E-Mail:  hep-net@mh-hannover.de

Christa Möller | idw
Weitere Informationen:
http://www.kompetenznetz-hepatitis.de

Weitere Berichte zu: HEP-NET Hepatitis C Leberentzündung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften