Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Röntgenbilder auf der Datenautobahn

22.04.2005


Im Teleradiologie-Projekt Rhein-Neckar-Dreieck tauschen mehr als 20 Kliniken und Praxen medizinische Daten aus / Projektleitung am Universitätsklinikum Mannheim angesiedelt / Einsatz in der Notfallversorgung und für konsiliarische Dienstleistungen / Förderung durch die Landesstiftung Baden-Württemberg / Technisch anspruchsvoll, aber flexibel

... mehr zu:
»Teleradiologie-Projekt

Nach einer dreijährigen Aufbauphase ist das Teleradiologieprojekt Rhein-Neckar-Dreieck erfolgreich in Betrieb genommen worden. Über 20 Kliniken und Praxen aus dem Bereich Mannheim, Heidelberg, Karlsruhe und Ludwigshafen tauschen dabei über ein Datennetz Röntgenbilder und andere medizinische Daten aus. Die Patientenversorgung in der Großregion wird dadurch verbessert, weil auf diese Weise auch über die räumliche Distanz hinweg Experten hinzugezogen werden können. Gefördert wird das Projekt durch die Landesstiftung Baden-Württemberg. Die Projektleitung ist am Institut für Klinische Radiologie (Direktor: Prof. Dr. Christoph Düber) des Universitätsklinikums Mannheim angesiedelt, Projektleiter ist Dr. Gerald Weisser.

Das System dient beispielsweise der teleradiologischen Betreuung von Notfallpatienten. Hier bietet es Vorteile sowohl für die betroffenen Patienten, in deren Diagnostik rasch die Meinung von Spezialisten einfließen kann, als auch für die einzelnen peripheren Häuser, die beispielsweise auf die Einrichtung zusätzlicher Nacht- und Wochenenddienste verzichten können. So kann jetzt bereits in mehreren Kreiskrankenhäusern auch nachts und am Wochenende ein Computertomograph für Notfallpatienten betrieben werden, obwohl vor Ort kein Spezialist anwesend ist. Dessen Funktion übernimmt ein angeschlossenes Zentrum, in dem die Spezialisten rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Eine solche teleradiologische Anbindung an ein Großkrankenhaus muss jedoch jederzeit zuverlässig funktionieren, damit wird deutlich, dass sehr hohe Anforderungen an die technischen und organisatorischen Gegebenheiten bestehen.


Jenseits der Notfallversorgung wird die Teleradiologie unter anderem für konsiliarische Dienstleistungen, also für das Hinzuziehen eines Experten eines bestimmten medizinischen Faches wie etwa der Neurochirurgie und der Neurologie genutzt. Zudem profitieren Forschung und Lehre von solch einem Datennetz. Ein Vorteil liegt zweifellos auch darin, dass den Patienten mitunter Transporte von einem Krankenhaus zur Untersuchung in ein anderes Krankenhaus erspart werden können.

Technisch ist das Teleradiologieprojekt Rhein-Neckar-Dreieck recht anspruchsvoll, aber auch sehr flexibel: Es handelt sich um eine Hersteller-unabhängige Lösung, die verwendeten Standards sind frei verfügbar. Das bedeutet: Auch wenn die technische Ausstattung der beteiligten Häuser voneinander abweicht, können sie sich an dem Projekt beteiligen. Der Datenaustausch basiert prinzipiell auf dem Versenden beziehungsweise Empfangen von E-Mails über vorhandene Internetanbindungen. Die elektronischen Nachrichten werden dabei aus Datenschutzgründen speziell verschlüsselt und sind so für Dritte nicht einsehbar. Verschickt werden sie über drei eigens eingerichtete Mailserver im Internet. Mittlerweile ermöglichen acht verschiedene namhafte Medizintechnik-Hersteller die Verwendung ihrer Geräte für diesen Zweck, prinzipiell können alle radiologischen Workstations integriert werden. Im Auftrag der Projektgruppe sind mittlerweile auch zwei Betriebssystem-unabhängige, kostenlos erhältliche Software-Lösungen verfügbar, so dass interessierte Partner mit minimalem finanziellem Aufwand am wachsenden teleradiologischen Verbundnetz teilnehmen können. Um bei einem Ausfall der Internet-Infrastruktur die Patientenversorung sicherzustellen, gewährleisten spezielle Einwahlleitungen die Erreichbarkeit der Zentren.

Eines der weiterführenden Ziele des Projektes ist der Anschluss an die anderen Teleradiologie-Projekte in Baden-Württemberg, um auf diese Weise einen Datenaustausch zu ermöglichen, der über die Großregion hinausgeht. In projektübergreifenden Sitzungen wurde dabei das hier vorgestellte technische Konzept als die landesweite Basisarchitektur für teleradiologische Verbindungen festgelegt. Dieser Anschluss wird im Laufe des Jahres 2005 an die Regionen Freiburg, Stuttgart, Ludwigsburg, Villingen-Schwenningen und Ulm erfolgen. Voraussichtlich werden damit zum Ende des Jahres 2005 voraussichtlich über 50 Kliniken im Netzwerk miteinander verbunden sein.

Die Arbeitsgemeinschaft für Informationstechnologie (@GIT) der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG) hat eine Empfehlung für einen bundesweiten Standard zur Teleradiologie vorgestellt, der ebenfalls auf den geschilderten Techniken beruht.

Klaus Wingen | idw
Weitere Informationen:
http://www.teleradiologie-rnd.de
http://www.klinikum-mannheim.de

Weitere Berichte zu: Teleradiologie-Projekt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Schwere Infektionen bei Kindern auch in der Schweiz verbreitet
26.07.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Blattkäfer: Schon winzige Pestizid-Dosis beeinträchtigt Fortpflanzung

26.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Akute myeloische Leukämie (AML): Neues Medikament steht kurz vor der Zulassung in Europa

26.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biomarker zeigen Aggressivität des Tumors an

26.07.2017 | Biowissenschaften Chemie