Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chemotherapie: Besser als ihr Ruf

02.08.2001


Vom Status quo einer etablierten Behandlungsmethode

Chemotherapie - allein das Wort flößt vielen Menschen Angst ein. Doch dank dieser Behandlungsmethode konnten in den vergangenen Jahren die Heilungschancen bei vielen Krebsarten deutlich verbessert werden. Außerdem sind die belastenden Nebenwirkungen heute viel besser zu behandeln als früher. Wie sehr eine Chemotherapie den Patienten beeinträchtigt, ist von der Länge der Behandlung und von der Wahl sowie der Dosierung des Zytostatikums abhängig. Aber auch der eigene Umgang mit der Krebserkrankung und die Akzeptanz einer Zytostatika-Therapie haben Auswirkungen auf die Schwere der begleitenden Belastungen.

"Ich habe furchtbare Angst vor einer Chemotherapie. Sie soll doch den Körper ganz kaputt machen", schildert die leukämiekranke Ulrike P. einer Mitarbeiterin des Informations- und Beratungsdienstes der Deutschen Krebshilfe. Mit dieser Angst ist Ulrike P. nicht allein. Doch oftmals helfen umfassende Informationen, um die Furcht vor einer Chemotherapie zu lindern.

Krebszellen teilen sich ohne Kontrolle. Chemotherapeutische Substanzen hemmen das Wachstum dieser bösartigen Zellen auf unterschiedliche Weise. Eine Chemotherapie ist meist dann nötig, wenn sich ein bösartiger Tumor über Blutgefäße und Lymphbahnen im ganzen Körper ausgebreitet und Tochtergeschwülste gebildet hat. Darüber hinaus werden Zytostatika bei allen systemischen Krebserkrankungen (Leukämie oder bösartige Lymphome) verabreicht. Eine Chemotherapie kann außerdem vor einer geplanten Operation durchgeführt werden, um den Tumor zu verkleinern und damit den Eingriff zu erleichtern. Zytostatika können schließlich auch eingesetzt werden, um der Entstehung von Tochtergeschwülsten vorzubeugen. Doch die Anwendung chemotherapeutischer Substanzen gleicht meist dem Schuss mit einer Schrotflinte: Sie zerstören die Tumorzellen, schädigen aber auch gesunde Zellen. Allerdings können normale Zellen diese Schäden größtenteils wieder reparieren.

Es gibt viele verschiedene Gründe für eine Chemotherapie. Und so viele Indikationen es gibt, so unterschiedliche Behandlungskonzepte und Nebenwirkungen gibt es auch. Dr. Klaus Klingelhöfer, Facharzt für Innere Medizin in Sankt Augustin und Mitglied des Medizinischen Beirates der Deutschen Krebshilfe, berichtet: "Für viele Krebspatienten ist Chemotherapie gleich Chemotherapie - dabei ist die Behandlung einer Leukämie sehr viel belastender und langwieriger als etwa eine Zytostatikatherapie, die zur Operationsvorbereitung dient." Unbestritten ist: Die Nebenwirkungen einer Chemotherapie sind sehr unangenehm und belastend. Doch gegen begleitende Belastungen wie Übelkeit und Erbrechen kann man heute mit vorbeugenden Medikamenten etwas tun. Schleimhautentzündungen und Haarausfall treten ebenfalls häufig während der Behandlung auf. Sie sind jedoch nur vorübergehend: Werden die abgestorbenen Zellen durch neue ersetzt, klingen die Entzündungen ab und die Haare wachsen wieder nach.

Die moderne Chemotherapie hat die Behandlung bösartiger Erkrankungen erleichtert und verbessert. Aber dennoch gibt es Bedarf an Weiterentwicklung. Professor Dr. Bernd Groner, Direktor des Chemotherapeutischen Forschungsinstituts Georg Speyer Haus in Frankfurt: "Verbesserungen werden von neuen Medikamenten erwartet, welche die Wirkungsweise der herkömmlichen Chemotherapeutika ergänzen und optimieren. Dabei gilt es natürlich, die unangenehmen und unerwünschten Nebenwirkungen noch weiter zu reduzieren."

Dr. med. Eva M. Kalbheim-Gapp | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de/

Weitere Berichte zu: Chemotherapie Leukämie Zytostatikum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

nachricht Schnelltests für genauere Diagnose bei Hirntumoren
17.05.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Raumschrott im Fokus

Das Astronomische Institut der Universität Bern (AIUB) hat sein Observatorium in Zimmerwald um zwei zusätzliche Kuppelbauten erweitert sowie eine Kuppel erneuert. Damit stehen nun sechs vollautomatisierte Teleskope zur Himmelsüberwachung zur Verfügung – insbesondere zur Detektion und Katalogisierung von Raumschrott. Unter dem Namen «Swiss Optical Ground Station and Geodynamics Observatory» erhält die Forschungsstation damit eine noch grössere internationale Bedeutung.

Am Nachmittag des 10. Februars 2009 stiess über Sibirien in einer Höhe von rund 800 Kilometern der aktive Telefoniesatellit Iridium 33 mit dem ausgedienten...

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ins Herz der Blaualgenblüte: IOW-Segelexpedition „BloomSail“ geht an den Start

22.05.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Junger Embryo verspeist gefährliche Zelle

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Raumschrott im Fokus

22.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics