Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine neue weltweite Definition des Stoffwechsel-Syndroms

14.04.2005


Konsensus der International Diabetes Federation kann dabei helfen, die Zeitbombe der kardiovaskulären Krankheiten zu stoppen

Frühe Erkennung und intensiveres Management des Stoffwechsel-Syndroms zur Reduzierung der Langzeit-Risiken von kardiovaskulären Krankheiten und Diabetes sind jetzt möglich; das geht aus einer globalen Konsensus-Stellungnahme der International Diabetes Federation (IDF) hervor, welche die IDF heute erstmalig veröffentlicht hat. Die Stellungnahme enthält eine neue, klinisch zugängliche Definition des Stoffwechsel-Syndroms; dies repräsentiert die Sicht von Experten auf dem Gebiet der Diabetes, Kardiologie, Lipidologie, öffentlicher Gesundheit, Epidemiologie, Genetik, Stoffwechsel und Ernährung auf sechs Kontinenten.

Professor Sir George Alberti, letzter Präsident des IDF und Mit-Vorsitzender der Konsensus-Gruppe bestätigt: "Mit einem einzigen, universell akzeptierten Diagnose-Werkzeug können Klinik-Mitarbeiter jetzt, in der Praxis-Umgebung, Patienten mit Stoffwechsel-Syndrom schneller identifizieren. Frühe und aggressive Behandlung wird auf jeden Fall das erhöhte Risiko des Patienten reduzieren, kardiovaskulären Krankheiten und/oder Typ 2 Diabetes zu entwickeln. Einfach ausgedrückt: wir haben das Potential, die Zeitbombe der kardiovaskulären Krankheiten zu stoppen."

Beim Stoffwechsel-Syndrom handelt es sich um ein Bündel von sehr gefährlichen Risikofaktoren die zu Herzanfällen führen: Diabetes oder Vor-Diabetes, abdominale Fettleibigkeit, Änderungen beim Cholesterol und hoher Blutdruck. Während bis zu 80 Prozent der beinahe 200 Millionen Erwachsenen weltweit, die an Diabetes leiden, durch Herz-Kreislaufversagen sterben werden,(1) haben Menschen mit Stoffwechsel-Syndrom ebenso ein erhöhtes Risiko; die Wahrscheinlichkeit ist zweimal höher, dass sie an der Erkrankung sterben und dreimal höher, einen Herzanfall oder Schlaganfall zu erleiden, wenn man sie mit Patienten ohne Syndrom vergleicht.(2) Dies macht das Stoffwechsel-Syndrom und Diabetes in Bezug auf Morbidität und Sterblichkeits-Modalitäten weit gewichtiger als HIV/AIDS; allerdings wird das Problem zur Zeit noch nicht richtig anerkannt.(3) Patienten mit Stoffwechsel-Syndrom haben ein fünffach höheres Risiko Diabetes des Typ 2 zu entwickeln (wenn nicht bereits vorhanden).(4) Es liegt in der Natur der Bündelung von Faktoren, welche zu zusätzlichen Risiken führen; diese Risiken liegen weit über denen, die von jeder einzelnen Komponente zu erwarten wäre (hohes Triglizerin bei der Messung von Cholesterol zum Beispiel).(5)

Aufbauend auf früheren Definitionen die von der WHO und NCEP ATP III vorgestellt wurden, ist die neue Definition in der klinischen Praxis einfach ein zu setzen. Sie vermeidet die Notwendigkeit von Messungen, die möglicherweise nur in Forschungseinrichtungen verfügbar sind. Für die Definition, dass eine Person unter dem Stoffwechsel-Syndrom leidet, erfordert die neue Definition, dass diese Person zentrale Fettleibigkeit, plus zwei der folgenden vier zusätzlichen Faktoren aufweist: erhöhtes Triglizerin, reduziertes HDL-Cholesterol, erhöhten Blutdruck oder einen erhöhten Fasten-Plasma-Glukosewert (Anmerkung A). Geschlecht und zum ersten Mal auch spezifische ethnische Schnittpunkte für zentrale Fettleibigkeit, gemessen als Taillienumfang, gehen in die Messungen ein.

Der Einsatz unterschiedlicher Definitionen machte es bis zum heutigen Tag schwierig, die Verbreitung des Stoffwechsel-Syndroms ab zu schätzen und erschwerte den Vergleich zwischen verschiedenen Ländern; aber recht neue Daten aus Australien und den USA liefern eine grobe Schätzung: 20 - 25 Prozent der erwachsenen Bevölkerung.(6,7)

Professor Paul Zimmet, Direktor, International Diabetes Institute und Mitautor der Konsensus-Stellungnahme erklärt: "Der Schlüssel zum Umgang mit dieser Pandemie liegt in einem besseren Verständnis, früher Diagnose und Behandlung des Stoffwechsel-Syndroms. Es gibt bisher keine Einzelbehandlung für das Syndrom als Ganzes; wir wissen, dass Änderungen des Lebensstils wie veränderte Essgewohnheiten und mehr Bewegung das Fundament für eine Strategie der Behandlung bilden. Zusätzlich tauchen neue Therapien am Horizont auf, die möglicherweise mehrere der Risikofaktoren gleichzeitig adressieren und signifikante Auswirkungen auf die Todesfallrate durch Herz-Kreislaufversagen und Diabetes haben können."

Neben dem Diagnose-Werkzeug enthält die neue Konsensus-Stellungnahme des IDF Empfehlungen für weitere Kriterien, die in die Forschungen und epidemiologische Studien des Stoffwechsel-Syndroms integriert werden sollen. Während die Ursachen für das Stoffwechsel-Syndrom immer noch intensiv debattiert werden, identifiziert die Konsensus-Stellungnahme des IDF anormal abdominale Fett-Distribution und Insulin-Resistenz als potentielle, miteinander verbundene Ursachen

Anne Pierson | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.idf.org

Weitere Berichte zu: Fettleibigkeit IDF Stoffwechsel-Syndrom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome
28.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten