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Wissenschaftler erforschen psychische Folgen der Krebstherapie

06.04.2005


Carreras-Stiftung fördert umfangreiche Studie mit Leukämie-Patienten



Viele Krebskranke leiden an den belastenden Nebenwirkungen ihrer Therapie und haben auch nach Abschluss der Behandlung nicht selten mit Spätfolgen zu kämpfen. Die körperlichen Auswirkungen von Chemotherapie, Bestrahlung und Knochenmarktransplantation werden im Rahmen der Behandlung regelmäßig analysiert. Doch wie wirken sich die Therapien auf Hirnfunktion und Psyche der Kranken aus? Dieser Frage will ein Forscherteam um Prof. Dr. Uwe Koch (Institut für Medizinische Psychologie des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf) und Prof. Dr. Axel Zander (Knochenmarktransplantation am UKE) nachgehen. Auch die Klinik für Neuroradiologie des UKE und Transplantationszentren in Dresden, Kiel, Hannover und München beteiligen sich an dem Projekt. Die auf zweieinhalb Jahre angelegte Studie wird von der Deutschen José Carreras Leukämie-Stiftung e. V. mit 342.500 Euro gefördert.



In Deutschland steckt die neuropsychologische Forschung bei Krebspatienten noch in den Kinderschuhen. Bislang wurden nur kleinere, heterogen zusammengesetzte Patientengruppen untersucht - meist erst nach Abschluss der Behandlung. In der neuen Studie soll erstmals eine homogene Gruppe von 240 Leukämie-Patienten über einen längeren Zeitraum begleitet werden. Nur Patienten, die eine Transplantation mit fremdem Knochenmark erhalten, nehmen daran teil. In einem Vorläuferprojekt, das ebenfalls von der Carreras-Stiftung finanziert wurde, entwickelten die Ham-burger Wissenschaftler spezielle Testverfahren, die Aufschluss über die kognitiven Fähigkeiten bzw. Beeinträchtigungen der Patienten geben.

Diese Tests sollen bei den Patienten vor der Transplantation sowie 80 bis 120 Tage und ein Jahr danach zur Anwendung kommen. Dabei wird Variablen wie Krankheitsstadium, Ganzkörperbestrahlung, Abstoßungsreaktion des Transplantats und neurotoxische Behandlungsdosis Rechnung getragen.

"Wir wollen herausfinden, wie sich Chemotherapie und Knochenmarktransplantation auf die Hirnfunktion der Leukämie-Patienten auswirken", erklärt Prof. Dr. Uwe Koch, Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie. "Dabei interessiert uns besonders, in welchem Maß sich Konzentrationsfähigkeit, Erinnerungsvermögen, Denkgeschwindigkeit und Motorik in verschiedenen Stadien und bei diversen Varianten der Behandlung verändern. Damit möchten wir Voraussetzungen dafür schaffen, dass Beeinträchtigungen früher erkannt und gezielte Rehabilitationsmaßnahmen entwickelt werden können." Das Ausmaß von Schäden am zentralen Nervensystem hat eine große Bedeutung für die Lebensqualität der Patienten während und nach der Behandlung. Denn je weniger die Therapie ihre geistigen Fähigkeiten beeinträchtigt, desto leichter können sich die Patienten später wieder in ihr soziales Umfeld und in die Arbeitswelt eingliedern.

Dr. Marion Schafft | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hamburg.de

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