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Zentrum für die Transplantation von Stammzellen eröffnet

06.04.2005


Das neue Zentrum für Stammzell-Transplantation am Klinikum der Uni Würzburg ist in Betrieb gegangen. In ihm werden Kinder und Erwachsene behandelt, die an bösartigen Erkrankungen im fortgeschrittenen Stadium leiden und bei denen ohne diese Therapie praktisch keine Aussicht auf Heilung besteht.



Unter einem Dach führen Kinderklinik sowie Medizinische Klinik und Poliklinik II nun Transplantationen von Stammzellen durch, die aus dem Blut oder Knochenmark der Patienten (autolog) oder anderer Spender (allogen) gewonnen wurden. Die meisten Patienten haben eine längere, sehr intensive Chemotherapie hinter sich und erhalten mit der Stammzell-Transplantation eine erneute Chance auf Heilung.



Die Schwerpunkte des Transplantationsprogramms liegen bei Kindern und Jugendlichen auf der Behandlung von Hirntumoren und Leukämie-Rückfällen. Vor allem der zuerst genannte Schwerpunkt ist in Deutschland einzigartig und unterscheidet das Würzburger Zentrum von ähnlichen Einrichtungen in Erlangen, München oder Tübingen. Bei der Versorgung der Erwachsenen liegt das Hauptaugenmerk auf bösartigen Erkrankungen des blutbildenden Systems, wie akuten Leukämien, oder des Lymphsystems. Zum Einsatz kommen ausschließlich etablierte Verfahren der Transplantation adulter, also ausgereifter Stammzellen des Blutes.

Der Weg zur Verwirklichung des Stammzellzentrums begann 1994, als an der Medizinischen Poliklinik unter der Leitung von Professor Klaus Wilms das autologe Stammzell-Transplantationsprogramm startete. In den folgenden Jahren zeigte sich bei erwachsenen Patienten ein stetig steigender Bedarf für diese Therapie.

Den an der Kinderklinik der Uni Würzburg behandelten Patienten mit bösartigen Erkrankungen konnten jedoch weder autologe noch allogene Stammzell-Transplantationen angeboten werden. Für Kinder und Eltern bedeutete dies, dass sie die mehrere Monate dauernde Behandlung weit entfernt vom Wohnort durchführen lassen mussten. Auch die allogen behandelten erwachsenen Patienten mussten in heimatferne Zentren verlegt werden.

Diese Situation bildete die Grundlage für die Entscheidung des Uniklinikums, ein Stammzell-Transplantationszentrum einzurichten, in dem interdisziplinär autologe und allogene Transplantationen für Erwachsene und Kinder durchgeführt werden können. Der 1999 neu berufene Direktor der Kinderklinik, Professor Christian P. Speer, hatte dieses Ziel bereits in seinen Berufungsverhandlungen mit Nachdruck verfolgt.

Im Oktober 1999 genehmigte das Wissenschaftsministerium den neuen Schwerpunkt "Pädiatrische Stammzelltransplantation". Die Medizinische Fakultät richtete dann eine neue Professur für Stammzell-Transplantation in der Kinderheilkunde ein. Besetzt wurde sie 2001 mit Professor Paul-Gerhardt Schlegel, einem international ausgewiesenen Experten für Transplantationen bei Kindern. Zu diesem Zeitpunkt entschieden Kinderklinik und Medizinische Poliklinik, die Patienten in einem gemeinsamen Gebäude zu versorgen - man wollte Ressourcen bündeln und auch in Zukunft modernste Behandlungsverfahren gemeinsam weiterentwickeln.

Die Finanzierung des 7,3 Millionen Euro teueren Neubaus erfolgte je zur Hälfte durch das Land Bayern und die Bundesrepublik Deutschland. Die Finanzierungszusage des Freistaats wurde durch eine außergewöhnliche Spendenaktion angestoßen: Dabei leistete die "Aktion Stammzelltherapie", die von der Würzburger Geschäftsfrau Gabriele Nelkenstock ins Leben gerufen wurde, wesentliche Hilfe. In Zusammenarbeit mit der Elterninitiative leukämie- und tumorkranker Kinder Würzburg gelang es ihr, mit zahlreichen Aktionen über 500.000 Euro in der Region zu sammeln.

Die Berufung von Professor Hermann Einsele, der seit Dezember 2004 Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II ist (Nachfolge Professor Wilms), bestätigt die Wichtigkeit, die dem Schwerpunkt Stammzell-Transplantation am Würzburger Uniklinikum beigemessen wird. Einsele ist einer der erfahrensten Experten in Sachen Stammzell-Transplantation in Deutschland. Er vertritt die Transplantationszentren der Bundesrepublik im Leitenden Gremium der Europäischen Gemeinschaft für Knochenmark- und Blutstammzell-Transplantation. Außerdem koordiniert er das zurzeit größte von der Europäischen Union finanzierte Projekt zur Immuntherapie nach Stammzell-Transplantation.

So werden die Patienten vor Infektionen geschützt

Mit dem neuen Zentrum für Stammzell-Transplantationen stehen dem Klinikum der Uni Würzburg weitere 772 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. Die vergleichsweise hohen Gebäudekosten sind laut Universitätsbauamt insbesondere auf den großen Investitionsbedarf bei der technischen Ausrüstung zurückzuführen. Das hat seinen Grund: Unmittelbar vor und nach der Stammzell-Transplantation sind die Patienten hochgradig infektionsgefährdet. Um sie vor krankheitserregenden Keimen zu schützen, wurden zahlreiche technische, bauliche und organisatorische Vorkehrungen getroffen. So werden die Zimmer mit nahezu keimfreier Luft versorgt, die aufwändig gefiltert und - je nach Bedarf - gekühlt oder erwärmt, be- oder entfeuchtet wird. Zudem wird in den Zimmern im Vergleich zu den vorgelagerten Stationsbereichen ein leichter Überdruck erzeugt. So haben luftgetragene Partikel und Mikroorganismen kaum eine Chance, in die Zimmer zu gelangen. Auch das Trinkwasser wird speziell behandelt: In jeder Nasszelle sind Wasserfilter installiert, die am Waschbecken und in der Dusche praktisch keimfreies Wasser sicherstellen. Die Speisen werden gesondert zubereitet, die Kleidung für Personal, Besucher und teilweise auch für die Patienten wird separat zur Verfügung gestellt. Trotz all dieser Maßnahmen hängt der Erfolg der Hygiene entscheidend von den Menschen ab. Daher werden nicht nur Ärzte und Pflegepersonal, sondern auch Patienten und Angehörige immer wieder durch Schulungs- und Aufklärungsmaßnahmen auf die wesentlichen Aspekte der Infektionsverhütung hingewiesen.

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

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