Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Nadelstichen gegen den Zahnschmerz

05.04.2005


Erste Studie über den Weg der Akupunktur in die deutsche Zahnmedizin



Jesuiten-Mönche kannten es, Chinesen wenden es seit Jahrtausenden an: das Heilen mit den Nadeln. Als Schmerzmittel ohne Nebenwirkungen wird die Akupunktur heute von manchen Zahnmedizinern gepriesen. Moderne Mittel wie Strom, Magnetfeld und Laser verstärken möglicherweise die Wirkung der Stimulation durch die Akupunkturnadeln. Das traditionelle Heilverfahren fand vergleichsweise spät Eingang in die deutsche Zahnmedizin - erst in den 50er Jahren befassten sich Forscher mit der jahrtausendalten Methode. Studien über ihre Wirkung fehlen bis heute. Die Geschichte der Akupunktur in der deutschen Zahnheilkunde und ihren heutigen Stellenwert erforscht in einer bundesweit einmaligen Studie Dr. Eleonore Sach am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin an der Universität zu Köln.

... mehr zu:
»Akupunktur


Ein Gedicht über Gichtleiden macht die Akupunktur auf dem Alten Kontinent bekannt. Die Frau eines Geistlichen beschreibt Ende des 17.Jahrhunderts in Versen die Beschwerden ihres Ehemannes in einem medizinischen Sammelband. Die Kunst des Heilstechens, die seine Schmerzen gelindert hat, schildern die weiteren Aufsätze mit Zeichnungen der Nadel und der Wirkungspunkte. Eine Integration des chinesischen Verfahrens in die europäische Medizin findet in dieser frühen Epoche nicht statt -- zu unterschiedlich ist die östliche Tradition von den kausalanalytischen Vorstellungen des Westens.

Die Akupunktur beruht auf der mystischen Vorstellung, dass die kosmische Ordnung vom harmonischen Zusammenspiel der polaren Energien Ying und Yang beherrscht wird. Aus deren Wechselwirkung entsteht die Lebensenergie Qi, die durch den menschlichen Körper fließt. Krankheit ist eine Störung dieses Flusses, die die Ärzte durch das Einstechen an bestimmten Punkten, die den Organsystemen zugeordnet werden, beseitigen können.

Erst Mitte des 20. Jahrhunderts verbreitet sich die Heilmethode in der deutschen Zahnmedizin, stellt die Kölner Wissenschaftlerin fest. Ein deutscher Arzt ist es, der die alte chinesische Methode mit moderner Technik verbindet: der Arzt Reinhard Voll verwendet elektrischen Strom zur Stimulierung der Korrespondenzpunkte im Körper. Weltbekannt wird die Akupunktur in den 70er Jahren. Als ein amerikanischer Journalist, der den Präsidenten Nixon in China begleitet, anstatt mit herkömmlicher Betäubung mit Hilfe der feinen Nadeln schmerzfrei operiert wird, gehen die Bilder dieser Operation um die Erde. Seit diesem Zeitpunkt steht die Heilmethode bei den Schmerztherapeuten im Brennpunkt des Interesses.

Unabhängig von einem bisher fehlenden wissenschaftlichen Nachweis der Wirksamkeit, so Dr. Sach, wird die Methode auch von Schulmedizinern in Deutschland teilweise akzeptiert. 1406 deutsche Zahnärzte haben eine Grundausbildung absolviert, in der Praxis wird die Ohr- und Mundakupunktur zur Schmerzlinderung und Betäubung eingesetzt. Parallel zur steigenden Akzeptanz der Methoden wird ein gewisser Qualitätsverfall beobachtet. In wissenschaftlichen Studien über die traditionelle Methode fehlen häufig statistische Daten und klinische Erfahrungsberichte über die Anwendung und Wirkung der Nadelstiche. Daher fordert die Kölner Medizinerin Zahnärzte aus Praxis und Klinik auf, ihre Erfahrungen wissenschaftlich auszuwerten und zu analysieren, um objektive Erkenntnisse über den Erfolg der Akupunktur bei Zahnbehandlung zu erlangen.

Gabriele Rutzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-koeln.de

Weitere Berichte zu: Akupunktur

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten