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Damit aus der Infektion keine tödliche Kettenreaktion wird

05.04.2005


Sepsis-Kompetenznetz wird erneut vom Bundesforschungsministerium gefördert



162 Menschen sterben durchschnittlich jeden Tag in Deutschland an einer Erkrankung, die der Volksmund Blutvergiftung nennt. Ihr jüngstes prominentes Opfer ist Papst Johannes Paul II, der an einer Sepsis infolge einer Harnwegsentzündung (Urosepsis) verstarb. Damit ist die Sepsis hierzulande die dritthäufigste Todesursache. Dies belegen aktuelle Forschungsergebnisse des Kompetenznetzes Sepsis (SepNet), das seit der Gründung im Jahr 2002 vom Bundesforschungsministerium (BMBF) unterstützt wird. Die erfolgreiche Arbeit der über 200 Intensivmediziner und Wissenschaftler in 20 Zentren aus ganz Deutschland hat nun zu einer Verlängerung der Förderung um zwei Jahre geführt. Bis 2007 stellt das BMBF dem SepNet weitere 666.663 Euro zur Verfügung. Damit wurden insgesamt über 2,3 Millionen Euro für das Kompetenznetz bewilligt. Diese konnten bisher schon um über 1,2 Millionen Euro an Drittmitteln ergänzt werden, mit denen sich die Industrie beteiligt hat.



"Wir rechnen auch in der zweiten Förderperiode mit einer weiteren erfolgreichen Einwerbung von Drittmitteln", erwartet SepNet-Sprecher Prof. Dr. Konrad Reinhart, "da sich das Kompetenznetz mittlerweile zu einem Markenzeichen für klinische Forschung entwickelt hat". Der Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Universitätsklinikums Jena sieht aber vor allem den Forschungs- und Beratungsbedarf als Aufgabe von SepNet.

Jede Infektion kann grundsätzlich in eine Sepsis ausarten. Sie wird durch die Toxine (Gifte) der Krankheitserreger einer Entzündung ausgelöst, die sich auf alle Organe des Körpers ausbreiten. "Dies wirkt vergleichbar einer außer Kontrolle geratenen Kettenreaktion bei einer Reaktorkatastrophe", macht Reinharts Mitarbeiter Dr. Frank Martin Brunkhorst deutlich. An Sepsis erkranken etwa eben so viele Menschen in Deutschland wie an einem Schlaganfall, und von den Erkrankten sterben rd. 50 %. Diese Rate ist seit Jahren konstant, obwohl die Behandlung auch dank der SepNet-Forschungsresultate weiter verbessert werden konnte.

Durch neue Therapieverfahren kann die Sterblichkeit zwar um 6-15 % gesenkt werden, doch die Kosten für neue Medikamente sind immens. So kostet beispielsweise die Behandlung mit einem modernen Medikament, das aktiviertes Protein C enthält, etwa 10.000 Euro pro Patient. Es fallen für die Kliniken Kosten an, die durch die Budgets nicht mehr gedeckt sind, so dass nicht jeder Patient mit den neuesten Medikamenten behandelt werden kann. "Wir müssen daher intensiv forschen, um effektive Therapien und leistungsstarke, aber preisgünstigere Medikamente zu erhalten", sagt Reinhart, der auch Vorsitzender der Deutschen Sepsis-Gesellschaft ist. Parallel dazu erforscht SepNet unter Federführung der Jenaer Klinik und gemeinsam mit der Jenaer Firma SIRS-Lab auch die genetischen und molekularbiologischen Faktoren der Sepsis, um die Diagnose und gegebenenfalls neue passende Gen-Therapien zu entwickeln.

SepNet wird hier weiterhin aktiv sein und zusätzlich Aufklärungsarbeit leisten. Denn die Bedeutung der Sepsis ist bisher unterschätzt worden, da das Zahlenmaterial oft ungenau war, wie eine SepNet-Studie aus dem vergangenen Jahr deutlich gemacht hat. "Oft heißt es, der Patient sei an einer Lungenentzündung gestorben", erläutert Brunkhorst, der zugleich Studienkoordinator des SepNet ist. "Tatsächlich war aber nicht die Lungenentzündung selber die Todesursache", so der Jenaer Oberarzt weiter, "sondern eine nicht beherrschbare Sepsis, die sich aus der Lungenentzündung entwickelt hat". Daher wird SepNet auch in Zukunft weitere Studien durchführen, um genauere Daten zu erhalten und die Gefährlichkeit der "Blutvergiftung" Medizinern wie Laien deutlich zu machen.

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/

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