Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leberkrebs: Chemotherapie über die Leberarterie

30.07.2001


Minimalinvasiver Eingriff schafft direkten Zugang zur Leber

Tumoren in der Leber, auch Metastasen (Absiedelungen von Krebs anderer Organe), lassen sich oft mit zellzerstörenden Medikamenten (Zytostatika) gut bekämpfen. Üblicherweise werden diese Medikamente in eine Vene infundiert und wandern dann mit dem venösen Blut zur Leber. Manche Präparate sind inzwischen auch als Tabletten verfügbar, die über den Verdauungstrakt die Leber erreichen. Beide Arten der Zufuhr haben den Nachteil, daß die Wirkstoffe neben ihrem Zielorgan "Leber" auch Gewebe anderer Körperorgane angreifen.

Deshalb suchen Ärzte schon lange nach Verfahren, die Zytostatika direkt an den Ort der Wirksamkeit zu bringen.
Insbesondere auch deshalb, weil wissenschaftliche Studien 1995 und 1996 gezeigt haben, dass Lebertumoren besser auf Zytostatika "ansprechen", wenn man die Substanzen - statt den Umweg über die Venen zu wählen - direkt in jene Arterie injiziert, die die Leber versorgt. Eine besseres Ansprechen" läßt auch eine verlängerte Überlebenszeit erwarten. Diese Erwartung konnte bisher jedoch nicht bestätigt werden, weil all zu oft technische Probleme zum Abbruch von Infusionen in Arterien zwangen.

Nun hat eine Gruppe von Radiologen um Oberarzt und Privatdozent Dr. Jens Ricke von der "Klinik für Strahlenheilkunde" der Charité ein Verfahren eingesetzt, das technische Schwierigkeiten deutlich reduziert. Dazu führen die Ärzte unter örtlicher Betäubung einen sehr dünnen Katheter (Schlauch) mit einem Durchmesser von nur einem Millimeter von der Leiste des Patienten aus in die dort liegenden Arteria femoralis ein und schieben ihn unter Sichtkontrolle (Digitale Substraktions-Angiographie) bis in die Leberarterie (Arteria hepatica) und damit zum
Lebereingang vor. In der Leiste wird der Katheter mit einer daumennagelgroßen Kammer, einem sogenannten Port, verbunden, der unter der Haut befestigt wird. Durch die Haut hindurch kann in diesen Port dann das Zytostatikum infundiert werden und gelangt so über den Katheter direkt in die Leber.

Das Portsystem bleibt so lange liegen, wie der Patient mit den Medikamenten behandelt werden muß, in der Regel also über mehrere Wochen. Seit der ersten Anwendung des Systems vor 12 Monaten sind inzwischen 38 Patienten ambulant behandelt worden. Keiner hat die Therapie abbrechen müssen. Vielmehr scheint sogar, trotz der hohen Konzentration der Medikamente in der Leber, die Verträglichkeit der Zytostatika nach arterieller Zufuhr gegenüber venöser Infusion erhöht zu sein. Auch liegt der Port nun in der Leiste, während frühere Systeme unter dem Rippenbogen platziert wurden.

Den Erfolg ihres Vorgehens sehen die Ärzte vor allem in der Miniaturisierung der Mittel: So werden vor allem sehr dünne Katheter eingesetzt, wie sie bei Eingriffen im Gehirn Verwendung finden. "Außerdem sehen wir, was wir tun", sagt Dr. Ricke, dank der Durchleuchtungskontrolle während der Kathetereinführung, wie sie etwa auch bei Herz-Katheteruntersuchungen üblich ist. Ob sich auch die Überlebenszeit der Patienten durch die intra-arterielle Chemotherapie verlängern lässt, muss allerdings - angesichts der bisher kurzen Beobachtungszeit von im Mittel sechs
Monaten - noch abgewartet werden.
Silvia Schattenfroh
___________________________________________________

Charité
Medizinische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin
Dekanat
Pressereferat-Forschung
Dr. med. Silvia Schattenfroh
Augustenburger Platz 1
13 353 Berlin

FON: (030) 450-570-400
FAX: (030) 450-570-940
E-Mail: silvia.schattenfroh@charite.de

Dr. med. Silvia Schattenfroh | idw

Weitere Berichte zu: Chemotherapie Katheter Leberarterie Zytostatikum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Abstoßung von Spenderorganen: Neue Biomarker sollen Komplikationen verhindern
15.12.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Antibiotikaresistenzen durch Nanopartikel überwinden?
15.12.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik