Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Hilfe des "Roboters" den Speiseröhrentumor entfernen

01.04.2005


Heidelberger Chirurgen führen innovatives OP-Verfahren in Europa durch / Vorteile durch schonendes und genaues Operieren



Die chirurgische Entfernung der Speiseröhre, im Allgemeinen wegen eines bösartigen Tumors, ist trotz aller medizinisch technischen Fortschritte nach wie vor eine ausgesprochen große und gefährliche Operation. Als erste in Europa sind Chirurgen am Universitätsklinikum Heidelberg nun in der Lage, derartige Eingriffe komplett auf endoskopischem Wege mit Hilfe eines "OP-Roboters" durchzuführen.

... mehr zu:
»Roboter »Speiseröhre


"Wir möchten diesen schonenden und sehr präzisen Eingriff vor allem Patienten anbieten, bei denen bislang eine Operation zu riskant und nicht erfolgversprechend genug erschien", sagt Professor Dr. Dr. h.c. Markus W. Büchler, Geschäftsführender Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg. Das Team seines Oberarztes Privatdozent Dr. Carsten Gutt sammelt seit Frühjahr 2003 Erfahrungen mit dem OP-Roboter DaVinci, insbesondere bei der chirurgischen Behandlung des Sodbrennens.

"Der Roboter bietet einige ganz entscheidende Vorteile nicht nur gegenüber den klassischen offenen Operationsverfahren sondern auch der konventionellen minimal-invasiven Technik", erklärt Dr. Gutt. "Während bei der konventionellen endoskopischen Technik die Beweglichkeit des Operateurs durch die starren Instrumente deutlich eingeschränkt ist, ermöglichen die Greifhände des Roboters eine für endoskopisch tätige Chirurgen völlig ungewohnte Beweglichkeit. Auch schwierige und komplexe Präparationsschritte sind mit dieser Form der Schlüssellochchirurgie nun möglich."

Chirurg steht nicht am OP-Tisch, sondern sitzt an der Steuerkonsole

Bei der Computer-assistierten Operation steht der Chirurg nicht mehr direkt am OP-Tisch. Er befindet sich an einer Steuerkonsole, wobei ihm ein spezielles Sichtvisier einen dreidimensionalen Blick auf das Operationsfeld bietet. Gleichzeitig führen seine Hände Steuerinstrumente, welche die Bewegungen des Operateurs auf die instrumentierten Arme des Roboters übertragen. Diese sind, zusammen mit der Kamera, in den Bauchraum des Patienten eingeführt und vollführen dort die notwendigen chirurgische Feinarbeiten exakt so, wie es den Bewegungen des Operateurs an der Konsole entspricht.

Diese Technik soll nun auch den Patienten mit Speiseröhrenkrebs zugute kommen. Eine Entfernung des erkrankten Abschnitts kann die Erkrankung zwar nur in einem frühen Stadium heilen, doch werden Lebensqualität und Überlebenszeit durch eine Tumorresektion meist erhöht. Nach wie vor ist die herkömmliche Entfernung des Tumors und die Verbindung von verbliebener Speiseröhre und Magen jedoch ein vergleichsweise riskanter Eingriff, da neben dem Bauchraum auch der Brustkorb geöffnet werden muss. Bis zu 8 Prozent der Patienten sterben an Komplikationen dieses großen und belastenden Eingriffes. Vor allem die Lunge ist betroffen, da ein Lungenflügel während der Operation zeitweise nicht belüftet werden kann.

"Die OP mit dem Roboter hat den Vorteil, dass die Speiseröhre komplett minimal-invasiv ohne hohe Verletzungsgefahr entfernt werden kann und beide Lungenflügel permanent beatmet werden", sagt Dr. Gutt. Der dreidimensionale Einblick in das Operationsfeld und die präzisen Instrumente beschränken den Blutverlust während der Operation, ein Vorteil vor allem für Patienten mit Herz-Kreislauf-Problemen.

Die Heidelberger Chirurgen möchten nun den innovativen Eingriff an einer größeren Zahl von Patienten durchführen, um die Risiken und Chancen wissenschaftlich einschätzen zu können.

Bei Rückfragen:
Privatdozent Dr. Carsten Gutt:
E-Mail: Carsten.Gutt@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Weitere Berichte zu: Roboter Speiseröhre

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ALMA beginnt Beobachtung der Sonne

18.01.2017 | Physik Astronomie

Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

18.01.2017 | Architektur Bauwesen

Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern

18.01.2017 | Geowissenschaften