Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bessere Diagnostik von Hirntumoren - Jülicher Forscher erhöhen Trefferquote mit Bild gebenden Verfahren auf 97 %

01.04.2005


Hirnaufnahmen eines Patienten mit Hirntumor (Astrocytom Grad III), von links nach rechts in den Schnittebenen transversal (von oben gesehen), coronal (von hinten) und sagittal (von der Seite). Die obere Reihe wurde mit der neuen Methode (FET/PET) aufgenommen. Sie zeigt durch die Rotfärbung eine starke Anreicherung von FET links frontal. Nur in diesem Bereich ließ sich Tumorgewebe nachweisen. Die mittlere Reihe wurde mit der Magnet-Resonanz-Tomographie* in T1-Wichtung** mit Kontrastmittel aufgenommen und zeigt nur geringe Veränderungen ohne Anreicherung von Kontrastmittel. Die untere Reihe entstand in T2-Wichtung**; sie zeigt ausgedehnte strukturelle Veränderungen im Bereich des gesamten Frontallappens. Foto: Forschungszentrum Jülich


Einem interdisziplinären Team von Wissenschaftlern aus dem Forschungszentrum Jülich und dem Universitätsklinikum Düsseldorf ist es gelungen, eine verbesserte Diagnostik von Hirntumoren mit einem neuen Verfahren nachzuweisen. Eine im Jülicher Institut für Nuklearchemie entwickelte kurzlebige radioaktive Aminosäure erlaubt in Anwendung mit Bild gebenden Verfahren deutlich genauere Angaben über Hirntumore und deren Ausbreitung als bisher. Die Ergebnisse erschienen kürzlich in der der internationalen Fachzeitschrift "Brain" (Pauleit et al.) und im "Journal of Neurosurgery" (Floeth et al.)


Patienten mit Verdacht auf Hirntumore - speziell Gliome - wurde im Jülicher Institut für Medizin eine radioaktiv markierte Aminosäure (wissenschaftliche Bezeichnung: O-(2-[18F]Fluorethyl)-L-Tyrosin, kurz: FET) injiziert. Mit der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) konnte die Arbeitsgruppe um Prof. Karl-Josef Langen anschließend die Aufnahme und Verteilung dieser Aminosäure im Gehirn messen. Aktive Tumoranteile nehmen nämlich vermehrt Aminosäuren auf. Wissenschaftler der Neurochirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Düsseldorf nahmen dann gezielt Gewebeproben aus dem Tumorbereich. Dabei stellten sie fest, dass mit dieser Methode die Lage und Ausdehnung des Tumors bei 90 Prozent der Patienten korrekt diagnostiziert worden war. Eine vergleichende Untersuchung wurde mit der Magnet-Resonanz-Tomographie* (MRT) durchgeführt, einer Standardmethode zur Darstellung von Hirnstrukturen. Die anschließenden Gewebeuntersuchungen zeigten, dass es sich nur bei 50 Prozent der damit gefundenen Gewebeveränderungen tatsächlich um Tumorgewebe handelte.

In Kombination mit einer weiteren Methode können die Hirnforscher einen Hirntumor sogar mit einer Wahrscheinlichkeit von 97 Prozent vorhersagen. Dazu wird das neue Verfahren mit der Magnet-Resonanz-Spektroskopie (MRS) kombiniert. Ergeben beide einen krankhaften Befund, kann ein Hirntumor als gesichert gelten.


Mit dem neuen Verfahren können Biopsien und Behandlungen von Hirntumorpatienten erheblich besser geplant werden. Die Strahlenbelastung durch die kurzlebige radioaktiv markierte Aminosäure ist nicht größer als bei üblichen Röntgenuntersuchungen. Zudem kann die Aminosäure in großen Mengen hergestellt und problemlos zu den rund 80 PET-Geräten in Deutschland transportiert werden. Dadurch könnten Patienten flächendeckend versorgt werden. Wann das Verfahren zugelassen und von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannt wird, ist zurzeit noch nicht absehbar.

Erläuterungen:

* Bei der Kernspin-Tomographie wird der Patient in ein starkes, gleichmäßiges Magnetfeld gebracht. Durch Radiowellen werden dann die Kerne der im Körper vorhandenen Wasserstoffatome angeregt. Sie geraten in eine Art Taumelbewegung. Diese klingt nach dem Abschalten des Impulses ab ("Relaxation"). Dabei verhalten sich die Wasserstoffatome unterschiedlich - je nachdem, in welcher Umgebung sie sich befinden. Das unterschiedliche Abklingverhalten lässt sich zur Bildgebung ausnutzen: Es können hochauflösende Querschnittsbilder des Körpers erzeugt werden.

** Durch unterschiedliche zeitliche Wichtung des Relaxationssignals bei der Bilderzeugung können die Körpergewebe in verschiedener Weise kontrastiert werden. Im sogenannten T1-gewichteten Bild erscheint Fett immer hell, Flüssigkeit dunkel. Im T2-gewichteten Bild sieht Flüssigkeit hell aus, das Fett hat ein intermediäres Signal. T2-Bilder können Gewebsveränderungen mit hoher Sensitivität erfassen, das Signal ist jedoch sehr unspezifisch.

Peter Schäfer | idw
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de/portal/index.php?path=angebote/pressemitteilungen

Weitere Berichte zu: Aminosäure Hirntumor Wasserstoffatom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise