Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Eiweißstoff, der die Organe zerstört

22.03.2005


50. Stammzelltransplantation bei Leukämie-Patienten mit AL-Amyloidose in der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg / Amyloidosezentrum Heidelberg betreut Patienten bundesweit



Manche Patienten mit Blutkrebs bedroht nicht nur das krankhaft veränderte Blut, sondern eine zusätzliche Komplikation: entartete Immunzellen (Plasmazellen) im Knochenmark produzieren im Übermaß ein Protein, das sich als schädliches Amyloid-Eiweiss in praktisch allen Organen ablagert und ihre Funktion beeinträchtigt. Ohne Behandlung sterben sie binnen weniger Monate oder Jahre. Die Hochdosis-Chemotherapie mit Transplantation von Stammzellen bietet etwa 50 Prozent dieser Patienten eine Chance auf vollständige Rückbildung der Bluterkrankung und Besserung der Organfunktionen. Dieses führt zu einer deutlich verlängerten Lebenserwartung.



An der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg ist jetzt die 50. Stammzelltransplantation bei einem Patienten mit so genannter AL-Amyloidose erfolgreich durchgeführt worden. Vor der Transplantation wurden die kranken Plasmazellen durch eine intensive Chemotherapie vernichtet. Dadurch kann die Produktion des schädlichen Amyloids gestoppt werden; das abgetötete Knochenmark wird durch gesunde Stammzellen des Patienten ersetzt.

Stillstand der Erkrankung bei der Hälfte der Patienten

"Auch bei der Stammzelltransplantation von Patienten mit AL-Amyloidose sind wir in Deutschland führend", sagt Professor Dr. Anthony Ho, Ärztlicher Direktor der Abteilung Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg.

"Bei etwa der Hälfte der Patienten kann die Bluterkrankung mit dieser Behandlung völlig zum Stillstand gebracht werden", erklärt Prof. Hartmut Goldschmidt, Oberarzt an der Heidelberger Klinik. Die Organe erholen sich dann innerhalb der nächsten 6 bis 12 Monate. Allerdings berge die Behandlung auch lebensbedrohliche Risiken, vor allem Infektionen und Blutungen, da die Organe durch das Amyloid bereits vorgeschädigt sind.

Amyloidosen sind sehr seltene Erkrankungen. "Im Amyloidosezentrum der Universität Heidelberg haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, diese oft schwerkranken Patienten mit großem klinischem und wissenschaftlichem Engagement zu betreuen", berichtet Dr. Schönland, Arzt in der Amyloidoseambulanz der Medizinischen Klinik. "Daher suchen uns inzwischen Patienten aus ganz Deutschland zu Beratungen oder zur Behandlung auf."

Die Medizinische Universitätsklinik Heidelberg ist mit jährlich ca. 220 Stammzell-Transplantationen das größte Zentrum in Deutschland. Vor 22 Jahren fand in Heidelberg die erste Stammzelltransplantation in Deutschland statt; mittlerweile sind ca. 1.500 Patienten mit verschiedenen Blut- oder anderen Tumorerkrankungen transplantiert worden.

Die Amyloidosegruppe der Medizinischen Klinik ist eingebettet in das Amyloidosezentrum Heidelberg, das 2001 gegründet wurde und von Dr. Reinhard Singer, Oberarzt der Chirurgischen Universitätsklinik, geleitet wird.

Die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen spielt bei dieser Erkrankung eine besonders große Rolle, da das Amyloid sich in fast allen Organen ablagern kann. Auch die Transplantation von Leber oder Herz als Ersatz für das Amyloid-geschädigte Organ kann zum Behandlungsspektrum gehören. Beteiligt sind deshalb verschiedene Kliniken und Abteilungen: Hämatologie/Onkologie, Kardiologie, Nephrologie, Chirurgie, Neurologie, Gastroenterologie, Augenklinik und Pathologie. Im Amyloidosezentrum Heidelberg werden nicht nur Patienten mit AL-Amlyoidose, sondern auch mit den erblichen oder erworbenen Formen der Amyloidose behandelt.

Bei Rückfragen:
Dr. Ute Hegenbart
E-Mail: Ute.Hegenbart@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/index.php?id=15
http://www.amyloidoseinfo.com
http://www.poliklinik-hd.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Breitbandservices von DNS:NET erweitert

20.06.2018 | Unternehmensmeldung

Mit Parasiten infizierte Stichlinge beeinflussen Verhalten gesunder Artgenossen

20.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Schlüsselmolekül des Alterns entdeckt

20.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics