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Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs

22.03.2005


Selbstuntersuchung soll Teilnahmerate erhöhen



Jedes Jahr erkranken hierzulande rund 6.600 Frauen neu an Gebärmutterhalskrebs. Rechtzeitig erkannt liegen die Heilungschancen bei fast hundert Prozent. Trotzdem geht weniger als die Hälfte der Frauen regelmäßig zur Krebs-Früherkennung. Die Deutsche Krebshilfe fördert jetzt am Universitätsklinikum Jena eine Studie mit über 170.000 Euro, die untersucht, ob die Bereitschaft zur Früherkennung durch das Angebot einer Selbstuntersuchung erhöht werden kann.



"Fast alle Gebärmutterhals-Tumoren werden durch humane Papillomviren (HPV) verursacht", erklärt Dr. Peter Hillemanns, kommissarischer Direktor der Abteilung für Frauenheilkunde am Universitätsklinikum Jena und Leiter der Studie. Infektionen mit HP-Viren können im Laufe des Lebens immer wieder auftreten. Die allermeisten Infektionen verschwinden jedoch spontan wieder. Nur diejenigen Frauen haben ein erhöhtes Risiko an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, die chronisch infiziert sind.

Den Zusammenhang zwischen chronischer Virus-Infektion und Krebsentstehung machen sich die Mediziner in der Studie am Universitätsklinikum Jena zu Nutze: Die Ärzte untersuchen, ob die Abnahme eines Gebärmutterhals-Abstrichs durch die Frau selbst eine praktikable und empfindliche Methode für den Nachweis von Papillomviren ist. "Die HPV-Selbstuntersuchung wäre vor allem für diejenigen Frauen sinnvoll, die nicht regelmäßig zur Früherkennungsuntersuchung beim Arzt gehen", so Dr. Hillemanns.

"Unsere Vorstudien zeigten bereits, dass die HP-Viren bei selbst entnommenen Abstrichen, die unter professioneller Anleitung durchgeführt wurden, zuverlässig nachgewiesen werden können", erklärt Dr. Hillemanns. Im Rahmen der aktuellen Studie erhalten 1.250 Frauen, die zu einem regulären Termin in die Universitätsklinik Jena kommen, ein Selbstuntersuchungs-Set, mit dem sie zu Hause einen Zellabstrich machen können. Die von der Frau entnommene Zellprobe wird anschließend im Labor auf Papillomviren hin untersucht. Zur Kontrolle erfolgt bei allen teilnehmenden Frauen eine gynäkologische Untersuchung in der Klinik. Darüber hinaus erhalten die Teilnehmerinnen einen Fragebogen, mit dem unter anderem Daten zu Akzeptanz, Dauer, Aufwand und Durchführbarkeit der Selbstuntersuchung erfragt werden.

"Die Selbstuntersuchung auf Papillomviren könnte in Zukunft - ähnlich wie der Stuhlblut-Test beim Dickdarmkrebs - zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs dienen und die Teilnahmerate an der Früherkennung erhöhen", erläutert Dr. Hillemanns. Voraussetzung: Die Studie muss nachweisen, dass die Frauen bereit sind, regelmäßig eine Selbstuntersuchung zu machen und, dass die gefährlichen Viren dabei zuverlässig nachgewiesen werden.

Info-Kasten: Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs

Die Früherkennung des Zervixkarzinoms erfolgt durch einen Zellabstrich, bei dem der Arzt Zellen vom Muttermund und vom Gebärmutterhalskanal entnimmt und diese im Labor auf krankhafte Veränderungen untersucht. Mit diesem so genannten Pap-Test können Krebs-Vorstufen entdeckt und in einem Frühstadium behandelt werden. Dieser Test wird für Frauen ab 20 Jahren einmal jährlich im Rahmen der kostenlosen Früherkennung angeboten. Durch das gesetzliche Krebs-Früherkennungsprogramm sanken in den vergangenen Jahren sowohl die Anzahl der auftretenden Krebsfälle als auch die Sterblichkeitsrate. Dennoch liegen die deutschen Neuerkrankungsraten im europäischen Vergleich an zweiter Position. Der Nachweis von humanen Papillomviren gehört bisher noch nicht zur gesetzlichen Krebs-Früherkennung. Er wird aber als IGeL-Leistung (individuelle Gesundheitsleistung) angeboten und kostet zwischen 35 und 80 Euro. Die Deutsche Krebshilfe bietet eine kostenlose Broschüre "Gebärmutterkrebs" an. Sie kann bestellt werden unter Postfach 1467, 53004 Bonn, per Fax 0228/72990-11 oder E-Mail deutsche@krebshilfe.de.

Projekt-Nr.: 70-3327

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

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