Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zukunftsweisende Forschung zur Vermeidung von Organschäden

26.07.2001


Deutsche Forschungsgemeinschaft vergibt zentrale Aufgabenstellung an das Klinikum der Universität München

Mit einer Fördersumme von 2, 8 Millionen über drei Jahre soll unter der Leitung des Hepatologen Professor Alexander L. Gerbes die Hauptursache für die Abstoßung von transplantierten Organen erforscht werden. Nicht nur in Anbetracht des zunehmenden Mangels an Spenderorganen sind Maßnahmen zur Vermeidung des Ischämie-Reperfusionsschadens dringend erforderlich.

Die Häufigkeit von primärem Organversagen (5-15%) bzw. Organdysfunktion (ca. 30%) wie auch anderer klinisch relevanter Komplikationen nach Transplantation ist überwiegend durch die sogenannte Ischämie-Reperfusionsschäden (IRS) bedingt. Diese gefährden den Erfolg chirurgischer und internistischer Eingriffe. Die interdisziplinäre Forschergruppe hat sich daher zum Ziel gesetzt, neue Wege zur Prävention der IRS von Leber, Herz und Pankreas zu realisieren. Dabei sollen wesentliche Pathomechanismen von IRS und deren Beeinflussung durch präventive Maßnahmen erforscht werden. Die Verzahnung verschiedener Untersuchungsebenen von molekularen und zellulären Ansätzen bis zu in vivo Experimenten ist essentieller Bestandteil des Programmes der Forschergruppe. Die neuen therapeutischen Strategien fokussieren auf hormonelle bzw. ischämische Präkonditionierung sowie den postischämischen Einsatz von Glutathion bzw. Inhibitoren verschiedener Transkriptionsfaktoren.

LEBER

Bei Leberresektionen werden meist Pfortader und Leberarterie abgeklemmt, um den intraoperativen Blutverlust zu vermindern. Diese "warme" Ischämie und die Reperfusion bei Wiedereröffnen der Lebergefäße bedingt Ischämie-Reperfusionsschäden (IRS), die zu einem postoperativen Leberversagen führen können. Bei der Lebertransplantation entstehen IRS durch die hypotherme Konservierung ("kalte" Ischämie) und Reperfusion. Die wirksame Prävention von IRS könnte die Verwendung auch marginaler Spenderorgane (z.B. Fettlebern) erlauben, die derzeit nicht genutzt werden können.

HERZ

Zur Senkung der Letalität nach Myokardinfarkt sind Interventionen zur Erzielung einer frühzeitigen Reperfusion (Lysetherapie oder Angioplastie) von größter Bedeutung. Hierdurch entstehen IRS mit Beeinträchtigung der Pumpfunktion und erheblicher Morbidität der Patienten. Die Prävention von myokardialen IRS ist daher, auch angesichts der erheblichen Kosten für das Gesundheitswesen ein wichtiges Ziel.

PANKREAS

Eine Perfusionsstörung kann die primäre Ursache einer akuten Pankreatitis darstellen (Pankreastransplantation, kardiogener Schock, Herzchirurgie). Die im Lauf der Pankreatitis entstehende Störung der Organperfusion spielt eine entscheidende Rolle für die Ausprägung des Schweregrades jeder akuten Pankreatitis. Bisher gibt es keine etablierten Verfahren zur Prävention einer akuten Pankreatitis. Tierexperimentelle Untersuchungen zeigen den Effekt einer Präkonditionierung durch Hyperthermie, die zugrundeliegenden Mechanismen sind jedoch bisher nur unzureichend aufgeklärt. Daher ist die Charakterisierung dieser schützenden Mechanismen und die Erprobung klinisch praktikabler Präkonditionierungsverfahren anzustreben.

In den letzten Jahren sind erfolgversprechende neue Strategien zur Prävention von Ischämie-Reperfusionsschäden erarbeitet worden, woran die Mitglieder der Forschergruppe einen wesentlichen Anteil hatten. Diese können gegliedert werden in präischämische Maßnahmen und Interventionen zu Beginn der Reperfusion. Es handelt sich dabei um Präkonditionierung durch eine kurze Ischämiephase bzw. hormonelle Präkonditionierung mit dem atrialen natriuretischen Peptid (ANP), und um postischämische Gabe des Antioxidans Glutathion bzw. von Inhibitoren der Zell-Zell Interaktion von Endothelzellen, Leukozyten und Thrombozyten. Diese Ansätze sind vielversprechend, da sie nicht nur effizient, sondern auch klinisch einsetzbar erscheinen. Außerdem konnten wichtige Erkenntnisse über die Mechanismen von IRS gewonnen werden, insbesondere hinsichtlich Signaltransduktion, Mikrozirkulation, reaktiven Sauerstoffspezies und Zell-Zell-Interaktionen.

KLINISCHE UMSETZUNG

Besondere Bedeutung kommt der Umsetzung in die Klinik zu: Der Wert präventiver Interventionen und dabei wesentliche Mechanismen werden in drei prospektiven kontrollierten Studien am Patienten untersucht. Die Studien zur präischämischen Intervention fokussieren auf hormonelle Präkonditionierung mit dem atrialen natriuretischen Peptid bzw. ischämische Präkonditionierung. Hierdurch werden endogene Schutzmechanismen induziert, die charakterisiert werden sollen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Beeinflussung von Signaltransduktionswegen. Der zweite Schwerpunkt liegt auf Interventionen zu Beginn der Reperfusion: Die protektive Wirkung von Glutathion bzw. von Inhibitoren wesentlicher Transkriptionsfaktoren wird untersucht. Bei den der Protektion zugrundeliegenden Mechanismen konzentrieren sich die Untersuchungen auf Zell-Zell Interaktionen und Beeinflussung inflammatorischer Zytokine.

Bislang sind in Schwerpunktprogrammen der Deutschen Forschungsgemeinschaft nur Teilaspekte gefördert worden. Bei der zentralen Fragestellung handelt es sich um eine neue, zukunftsweisende Forschungsrichtung, deren Bedeutung international erkannt, in der Bundesrepublik aber bisher nur punktuell vertreten ist.


Leitung des Projektes:
Prof. Dr. med. Alexander L. Gerbes
Stellvertretender Direktor der Medizinischen Klinik II
Marchioninistraße 15
81377 München
Tel.: 089-7095-2292
Fax: 089-7095-2392
Mail: gerbes@med2.med.uni-muenchen.de

S. Nicole Bongard | idw

Weitere Berichte zu: IRS Pankreatitis Präkonditionierung Reperfusion

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften