Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geeigneter Weg zur Verbesserung der Folsäureversorgung

17.03.2005


Eine Mehlanreicherung würde die Folsäureversorgung in Deutschland flächendeckend verbessern. Das zeigt eine Simulationsrechnung, die das Robert Koch-Institut am 17. März 2005 auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Kiel vorgestellt hat. Die Berechnung wurde durchgeführt, um die Auswirkungen einer Anreicherung von Mehl mit Folsäure auf die Folsäureversorgung zu bestimmen. Die Analyse wurde auf der Basis der letzten für die gesamte Bundesrepublik repräsentativen Ernährungserhebung durchgeführt. Die Simulationsrechnung war Teil eines Forschungsprojektes, das vom Bundesinstitut für Risikobewertung im Auftrag des Bundesministeriums für Verbraucherschutz koordiniert und finanziert wurde. Auch das Institut für Kinderernährung in Dortmund war an dem Projekt beteiligt.



Jedes Jahr kommen in Deutschland 500 bis 800 Säuglinge mit Neuralrohrdefekten (z.B. einem offenen Rücken) zur Welt. Jährlich wird bei weiteren 500 Schwangerschaften diese schwere Fehlbildung bei Vorsorgeuntersuchungen festgestellt und die Schwangerschaft abgebrochen. Dies verursacht großes Leid bei den Betroffenen und ist mit hohen Folgekosten für die Gemeinschaft verbunden. Ein wirksames Mittel, die Zahl der Neuralrohrdefekte zu verringern, besteht in der Verbesserung der Versorgung mit dem Vitamin Folsäure. Verschiedene Untersuchungen sowie eigene Daten aus den Gesundheitssurveys des RKI zeigen, dass die Folsäurezufuhr selbst bei ausgewogener Ernährung, generell zu niedrig ist und deshalb supplementiert werden sollte.



Seit zehn Jahren wird Frauen mit Kinderwunsch empfohlen, folsäurehaltige Supplemente in Form von Tabletten einzunehmen. Dies hatte bislang aber weder in Deutschland noch in einem anderen Staat einen ausreichenden Erfolg. Eine Studie in München ergab, dass auch zwei Jahre nach Bekanntmachung der Empfehlung weniger als 5 % von 253 befragten Wöchnerinnen folsäurehaltige Supplemente eingenommen haben. Dies gilt umso mehr für sozial benachteiligte Frauen.

Um die Versorgungslage flächendeckend zu verbessern werden in mehreren Staaten Grundnahrungsmittel mit Folsäure angereichert. Auch in Deutschland werden viele Lebensmittel mit Folsäure angereichert, vor allem Frühstückscerealien, Milchprodukte, Multivitamingetränke und neuerdings auch Speisesalz. Da aber nicht alle Bevölkerungsgruppen diese Lebensmittel (regelmäßig) konsumieren, wäre es wirkungsvoller, ausgewählte Grundnahrungsmittel wie Mehl beziehungsweise Brot mit Folsäure anzureichern, wie dies zum Beispiel in den USA und Kanada erfolgreich praktiziert wird. Hier konnte mit einer vergleichsweise geringen Anreicherung von 140 µg Folsäure pro 100 g Mehl eine Reduktion von Neuralrohrdefekten um 20 bis 50 % erreicht werden.

Die Simulation für Deutschland zeigt, dass nur ein sehr geringer Prozentsatz der Bevölkerung die empfohlene "sichere Gesamtzufuhrmenge" überschreiten würde. Das wäre aber ausschließlich auf den gleichzeitigen Konsum hochangereicherter Lebensmittel zurückzuführen. Die bislang unkontrollierte Anreicherung anderer Lebensmittel sollte daher begrenzt werden. Für ein optimales Versorgungsniveau zur Verhütung von Neuralrohrdefekten würde allerdings auch weiterhin allen Frauen mit Kinderwunsch die zusätzliche Einnahme von Supplementen empfohlen, auch wenn das Risiko eines Neuralrohrdefektes durch die allgemeine Verbesserung des Versorgungsniveaus bereits deutlich reduziert würde.

Heidrun Wothe | idw
Weitere Informationen:
http://www.rki.de

Weitere Berichte zu: Folsäure Folsäureversorgung Neuralrohrdefekt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie