Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tumorzellen im Blut

17.03.2005


Ein empfindlicher Test für die Prognose bei Darmkrebs mit Lebermetastasen / Heidelberger Chirurgen veröffentlichen in "Annals of Surgery"


Ein Bluttest auf Tumorzellen könnte künftig darüber entscheiden, welche individuelle Krebsbehandlung ein Patient erhält, der an Darmkrebs mit Lebermetastasen erkrankt ist.

Erstmals konnten Ärzte der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg (Geschäftsführender Direktor: Prof. Dr. Dr. h.c. Markus W. Büchler) nachweisen: Die Präsenz von Tumorzellen in Knochenmark oder Blut, die vor oder während der Entfernung des Tumorgewebes verstreut werden, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass erneut Tochtergeschwülste (Metastasen) entstehen. Diese Patienten haben eine schlechtere Prognose und sollten deshalb möglicherweise eine zusätzliche Chemotherapie erhalten.


Die wissenschaftliche Arbeit wurde in der renommierten amerikanischen Zeitschrift "Annals of Surgery" veröffentlicht. Die Heidelberger Chirurgen Dr. Moritz Koch und Privatdozent Dr. Jürgen Weitz weisen darauf hin, dass schonende Operationsmethoden praktiziert werden sollten, die eine Aussaat der Tumorzellen ins Blut verhindern.

Die Hälfte der Patienten mit Darmkrebs haben Lebermetastasen

An Dickdarmkrebs erkranken in Deutschland jährlich rund 57.000 Menschen. Die Erkrankung ist heilbar, wenn es gelingt, den Tumor vollständig zu entfernen und alle Krebszellen zu beseitigen. Häufig haben sich jedoch bereits Krebszellen im Blut verbreitet, ohne dass dies erkannt wird. Bei etwa der Hälfte der Patienten kommt es zu Tochtergeschwülsten (Metastasen), die mit einer individuellen Tumortherapie aus Operation, Chemo- und Strahlentherapie behandelt werden.

Um die Tumorzellen im Blut festzustellen, benutzten die Heidelberger Wissenschaftler eine sehr empfindliche Methode, mit der einzelne Zellen, bzw. deren spezifische RNA (Cytokeratin), nachgewiesen werden können: die Polymerasekettenreaktion (PCR). Damit kann in einer Gewebeprobe aus dem Blut, Knochenmark oder Lymphknoten eine Tumorzelle unter 107 gesunden Zellen identifiziert werden.

Insgesamt 37 Patienten, deren Lebermetastasen entfernt wurden, wurden mit dem PCR-Test auf Tumorzellen in Blut und Knochenmark untersucht; ihr Krankheitsverlauf wurde im Mittel 38 Monate verfolgt. Insbesondere Patienten, bei denen nach der Operation im Blut zirkulierende Tumorzellen nachgewiesen wurden, hatten mit höherer Wahrscheinlichkeit neue Metastasen.

Schonende Operation - weniger Metastasen?

Kann mit dem Zelltest auch die Wirksamkeit einer Behandlung überprüft werden? Eine weitere Heidelberger Studie, die im vergangenen Jahr ebenfalls in "Annals of Surgery" veröffentlicht wurde, hatte bereits Hinweise darauf gegeben, dass der Bluttest dies leisten könnte: Patienten mit Enddarmkrebs haben weniger Krebszellen in Blut und Knochenmark, wenn sie vor der Operation Chemotherapie und Bestrahlung erhalten.

Eine weitere Konsequenz aus der aktuellen Studie könnte die Modifizierung der gegenwärtig praktizierten Operationsmethode zur radikalen Entfernung von Metastasen aus der Leber sein: Während der Operation werden offensichtlich Tumorzellen ins Blut ausgeschwemmt, die allerdings zum Teil wieder verschwinden. Die Heidelberger Chirurgen führen daher derzeit eine Studie mit einer schonenden Operationsmethode durch, die vermutlich zu einer geringeren intraoperativen Tumorzellaussaat führt.

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Berichte zu: Darmkrebs Knochenmark Krebszelle Lebermetastase Metastase Tumorzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Therapieansätze bei RET-Fusion - Zwei neue Inhibitoren gegen Treibermutation
26.06.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wellen schlagen

Computerwissenschaftler verwenden die Theorie von Wellenpaketen, um realistische und detaillierte Simulationen von Wasserwellen in Echtzeit zu erstellen. Ihre Ergebnisse werden auf der diesjährigen SIGGRAPH Konferenz vorgestellt.

Denkt man an einen See, einen Fluss oder an das Meer, so sieht man vor sich, wie sich das Wasser kräuselt, wie Wellen gegen die Felsen schlagen, wie Bugwellen...

Im Focus: Making Waves

Computer scientists use wave packet theory to develop realistic, detailed water wave simulations in real time. Their results will be presented at this year’s SIGGRAPH conference.

Think about the last time you were at a lake, river, or the ocean. Remember the ripples of the water, the waves crashing against the rocks, the wake following...

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Maßgeschneiderte Nanopartikel gegen Krebs gesucht

29.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wolken über der Wetterküche: Die Azoren im Fokus eines internationalen Forschungsteams

29.06.2017 | Geowissenschaften

Wellen schlagen

29.06.2017 | Informationstechnologie