Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hautkrebs-Test setzt neue Maßstäbe

16.03.2005


Früherkennungs-Projekt sehr gut angenommen - 366.000 Teilnehmer



Die wissenschaftlichen Ergebnisse des Projektes "Hautkrebs-Test" in Schleswig-Holstein sprechen für sich: In dem jetzt vorliegenden Abschlussbericht konnten die Wirksamkeit und Akzeptanz des Programms nachgewiesen werden. So war die Anzahl der früh erkannten und damit gut behandelbaren Hauttumoren des mit mehr als 366.000 Teilnehmern weltweit einmaligen Projektes viel höher als erwartet. Es spricht alles dafür, den "Hautkrebs-Test" ab dem 20. Lebensjahr bundesweit einzuführen. Die Resultate werden zurzeit in den entsprechenden bundespolitischen Gremien geprüft und diskutiert.



"Über 3.000 frühzeitig entdeckte bösartige Hautkrebserkrankungen in Schleswig-Holstein in einem Jahr, das sind 3.000 größere Chancen auf Heilung. Und über 366.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten das Projekt zur weltweit größten Studie zur Hautkrebsprävention. Das ist ein großer Erfolg und ein weiteres gesundheitspolitisches Plus sowohl für das Land als auch für die Patientinnen und Patienten. Die Konsequenz aus diesen Ergebnissen kann nur heißen: Der Hautkrebs-Test muss Kassenleistung werden", sagt Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Dr. Gitta Trauernicht. Zumal damit gerechnet werden müsse, dass es noch ein Mehrfaches an unerkannten bösartigen Hauttumoren gäbe.

Von den 3.000 bösartigen Hauttumoren sind 2.115 Basalzellkrebse, 376 Stachelzellkrebse und 568 Maligne Melanome. "Werden diese Ergebnisse berücksichtigt, liegt die bundesweite Häufigkeit von Hautkrebs wahrscheinlich wesentlich höher als bisher angenommen," so Professor Dr. Eckhard Breitbart, Zweiter Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention. Nach neuesten Hochrechnungen des Schleswig-Holsteinischen Krebsregisters erkranken jedes Jahr über 140.000 Menschen neu an Hautkrebs, davon 100.000 am Basalzellkrebs, 22.000 am Stachelzellkrebs und 22.000 am Malignen Melanom.

44 Prozent der beim "Hautkrebs-Test" entdeckten Melanome wurden so frühzeitig erkannt, dass sie problemlos durch einen kleinen operativen Eingriff entfernt werden konnten. Weitere Schäden konnten dadurch verhindert und die Gesundheit und die Lebensqualität der Betroffenen schnell wieder hergestellt werden. Langfristig wurden dadurch die Kosten für umfangreiche und aufwändige Behandlungen im späteren Stadium der Hautkrebserkrankung, wie zum Beispiel rekonstruktive Eingriffe, Chemo- und Immuntherapie, eingespart.

Für ein flächendeckendes Angebot sorgten 1.673 speziell geschulte Ärzte. Dabei bewährte sich das zweistufige Untersuchungsverfahren: Von den mehr als 366.000 Teilnehmern wurden knapp 59.000 von ihren betreuenden Ärzten (Nicht-Dermatologen) mit einem Hautkrebs-Verdacht oder einem erhöhten Hautkrebs-Risiko zum Dermatologen überwiesen. Da abklärende Untersuchungen und weitere Maßnahmen nur von diesem Facharzt durchgeführt werden durften, konnte ein hoher Qualitätsstandard gewährleistet werden.

Einmalig ist die kontinuierliche und hohe Inanspruchnahme des "Hautkrebs-Testes" über die gesamte Laufzeit von Juli 2003 bis Juni 2004. Es bleibt eine Herausforderung, die Männer in stärkerem Maße dafür zu gewinnen, denn 74 Prozent der Teilnehmer waren Frauen. Doch 99 Prozent der Männer haben den "Hautkrebs-Test" in positiver Erinnerung. Bei den Frauen waren es 92 Prozent, so die Ergebnisse der Infratest-Studie im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention.

Mit dem Projekt ist es erstmals gelungen, innerhalb eines Jahres die Inanspruchnahme der gesetzlichen Krebs-Früherkennungsuntersuchungen in Schleswig-Holstein zu steigern. Im 2. Halbjahr 2003 nahmen beispielsweise im Vergleich zum Vorjahr 51 Prozent mehr Frauen die Kombination aus Gesundheits- und Krebs-Früherkennungsuntersuchung, 38 Prozent mehr Frauen und Männer die Gesundheitsuntersuchung und 23 Prozent mehr Männer die Krebs-Früherkennungsuntersuchung in Anspruch. Diese Steigerungen sind auf die ausführliche Beratung über das Angebot der gesetzlichen Krebs-Früherkennungs- und Gesundheitsuntersuchungen beim "Hautkrebs-Test" sowie den Präventionspass zurückzuführen. Die Ergebnisse des "Hautkrebs-Testes" zeigen, dass mit zielgruppengerechter Information und direkter Ansprache durch die Ärzte das Interesse für Prävention und Gesundheitsförderung erhöht werden kann. Die ’Generalprobe’ in Schleswig-Holstein hat ebenfalls bewiesen: Der "Hautkrebs-Test" setzt neue Maßstäbe und ist bundesweit umsetzbar.

Dr. Klaus Bittmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH), formuliert nach diesen Erkenntnissen eine klare Forderung: "Das Screening auf Hautkrebs muss Kassenleistung werden." Daher werde er sich dafür einsetzen, dass sich die Akzeptanz auf der Bundesebene erhöhe, diese erweiterte Hautkrebs-Früherkennung in die normale Regelversorgung einzuführen. "Die IKK hat den Nutzen der Hautkrebs-Früherkennung schon lange erkannt", erklärt Ralf Hermes, Vorstand der IKK Schleswig-Holstein. "Die IKK bietet den Hautkrebs-Test daher ihren Versicherten weiter an und wird sich dafür einsetzen, diese Leistung in den Katalog der gesetzlichen Krankenversicherung mit aufzunehmen."

Gerd Nettekoven, Geschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, betont: "Die Deutsche Krebshilfe stellt die Prävention und Früherkennung in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Der "Hautkrebs-Test", den wir finanziell gefördert haben, zeigt, dass Screening-Aktionen von der Bevölkerung gut angenommen werden." Früh erkannt - heilbar, so lautet die Botschaft, mit der vielen Menschen die Angst vor dem Krebs genommen werden kann.

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Forscher entschlüsseln einen Mechanismus bei schweren Hautinfektionen
24.01.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mikro-U-Boote für den Magen

24.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Echoortung - Lernen, den Raum zu hören

24.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

RWI/ISL-Containerumschlag-Index beendet das Jahr 2016 mit Rekordwert

24.01.2017 | Wirtschaft Finanzen