Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kampf gegen das Virus der Ringelröteln

24.07.2001


Knapp drei Viertel aller Deutschen hatten schon einmal mit ihm Kontakt, und dennoch gibt es den Forschern noch viele Rätsel auf: Das Parvovirus B19, das typischerweise die Ringelröteln hervorruft - unter Umständen aber verbunden mit lebensbedrohlichen Komplikationen. Ein internationaler Forschungsverbund, finanziell gefördert von der Europäischen Union, möchte nun unter anderem die Infektionswege des Erregers aufklären und neue Therapiemöglichkeiten entwickeln. Auch Virologen der Universität Bonn sind beteiligt; die Bonner Mediziner werden mit 440.000 Mark unterstützt.

Das Parvovirus B19 hütet seine Geheimnisse gut: Da es sich nicht in Zellkultur züchten lässt, wissen die Mediziner nur wenig über die detaillierten Infektionsabläufe; außerdem lässt sich die Infektion bislang nur in wenigen Laboratorien zuverlässig diagnostizieren - tragisch beispielsweise deshalb, weil eine Gefahr der Ansteckung über Bluttransfusionen bestehen kann. Zudem fehlen bislang ausreichende Therapiemöglichkeiten sowie eine prophylaktische Impfung.

Ziel der Arbeiten der Bonner Arbeitsgruppe unter Leitung der Privatdozentin Dr. Anna Maria Eis-Hübinger, Virologin am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Immunologie des Universitätsklinikums Bonn, ist die Ermittlung der genauen Infektionsdosis - wichtig beispielsweise, um das Übertragungsrisiko durch Blut- und Plasmapräparate abschätzen zu können. Die Bearbeitung des Teilprojekts erfolgt in Kooperation mit Dr. Hans Herrmann Brackmann vom Institut für Experimentelle Hämatologie und Transfusionsmedizin. Die Bonner Forscher wollen außerdem neue Verfahren erproben, mit denen sich das Virus im Labor besser identifizieren lässt und verschiedene Virus-Stämme unterschieden werden können.

Das Parvovirus B19 wurde im Jahr 1975 zufällig in der Blutprobe eines ansonsten gesunden Blutspenders mit der Codenummer B19 entdeckt. Es vermehrt sich in Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen und zerstört sie; dabei kommt es zur Abnahme der roten Blutzellen (Anämie), die bei vorbelasteten Personen lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann. Die Virusvermehrung ist höchst effizient: pro Milliliter Blut treten Konzentrationen bis zu 1000 Milliarden Viruspartikel auf - so viel wie bei keinem anderen Virus. Mitunter beobachten die Mediziner nach einer Infektion chronische Gelenkbeschwerden, die über Monate bis Jahre bestehen und schmerzhaft sein können, oder schwere, z. T. transplantationsbedürftige Leber- und Herzmuskelentzündungen. Eine gefürchtete Situation ist die Infektion in der Schwangerschaft, die in 10 bis 15 Prozent der Fälle zum Tod des ungeborenen Kindes führt. In einzelnen Fällen kann allerdings durch Transfusion roter Blutkörperchen auf das Ungeborene die Erkrankung therapiert werden. Aktuelle Untersuchungen zeigen zudem, dass etwa 7% der Knochenmarkstransplantierten an einer B19-Infektion sterben.

Weitere Informationen: PD Dr. Anna Maria Eis-Hübinger, Institut für Medizinische Mikrobiologie und Immunologie der Universität Bonn, Telefon: 0228/287-5881, Telefax: 0228/287-4433, E-Mail:  eis@mailer.uniklinik-bonn.de

Dr. Andreas Archut | idw

Weitere Berichte zu: Infektion Parvovirus Ringelröteln

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aromatherapie bei COPD
12.05.2015 | Airnergy AG

nachricht Chronische Wunden können heilen
16.10.2017 | Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum - Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Im Focus: Kalte Moleküle auf Kollisionskurs

Mit einer neuen Kühlmethode gelingt Wissenschaftlern am MPQ die Beobachtung von Stößen in einem dichten Strahl aus kalten und langsamen dipolaren Molekülen.

Wie verlaufen chemische Reaktionen bei extrem tiefen Temperaturen? Um diese Frage zu beantworten, benötigt man molekulare Proben, die gleichzeitig kalt, dicht...

Im Focus: Astronomen entdecken ungewöhnliche spindelförmige Galaxien

Galaxien als majestätische, rotierende Sternscheiben? Nicht bei den spindelförmigen Galaxien, die von Athanasia Tsatsi (Max-Planck-Institut für Astronomie) und ihren Kollegen untersucht wurden. Mit Hilfe der CALIFA-Umfrage fanden die Astronomen heraus, dass diese schlanken Galaxien, die sich um ihre Längsachse drehen, weitaus häufiger sind als bisher angenommen. Mit den neuen Daten konnten die Astronomen außerdem ein Modell dafür entwickeln, wie die spindelförmigen Galaxien aus einer speziellen Art von Verschmelzung zweier Spiralgalaxien entstehen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Wenn die meisten Menschen an Galaxien denken, dürften sie an majestätische Spiralgalaxien wie die unserer Heimatgalaxie denken, der Milchstraße: Milliarden von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

bionection 2017 erstmals in Thüringen: Biotech-Spitzenforschung trifft in Jena auf Weltmarktführer

13.10.2017 | Veranstaltungen

Tagung „Energieeffiziente Abluftreinigung“ zeigt, wie man durch Luftreinhaltemaßnahmen profitieren kann

13.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ESO-Teleskope beobachten erstes Licht einer Gravitationswellen-Quelle

16.10.2017 | Physik Astronomie

Was läuft schief beim Noonan-Syndrom? – Grundlagen der neuronalen Fehlfunktion entdeckt

16.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Gewebe mit Hilfe von Stammzellen regenerieren

16.10.2017 | Förderungen Preise