Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Düsseldorfer Forschern gelang die Abbildung von Suchtdruck im Gehirn

24.07.2001


Dass nicht nur der direkte Genuss von Alkohol bei "trockenen" alkoholkranken Patienten eine körperliche Reaktion auslösen kann, sondern auch die Stimulation mit alkoholischen Duftreizen ausreicht, das haben Wissenschaftler der Heinrich-Heine-Universität jetzt gezeigt. Mit Hilfe der funktionellen Kernspintomographie wiesen sie nach, dass alkoholkranke Patienten im Vergleich zu gesunden Probanden eine ganz andere Hirnaktivierung zeigen, wenn sie alkoholische Düfte wahrnehmen. Dies geht bei den Patienten zudem mit einem erhöhten Ausmaß an Suchtverlangen ("Craving") einher. Zugleich konnte mit dieser Methode die Wirksamkeit einer kombinierten psychotherapeutischen und psychopharmakologischen Therapie nachgewiesen werden.

Macht ein alkoholkranker Patient eine Therapie, so beinhaltet dies üblicherweise die folgenden Schritte: nach dem etwa eine Woche dauernden körperlichen Entzug folgt meist eine mehrwöchige Entwöhnungsbehandlung in einer Klinik, danach eine ambulante Langzeitbehandlung. Dabei lernen die Patienten, ihr Leben ohne Alkohol zu führen. Das Problem in der Therapie ist oft, dass die Patienten auch langfristig unter einem hohen Alkoholverlangen leiden, dem Suchtdruck. Das bedeutet, dass die Patienten neben dem psychologischen Verlangen bereits bei der Erinnerung oder Vorstellung von Alkohol oder dem Konsum alkoholtypische körperliche Reaktionen zeigen, wie beispielsweise eine Erhöhung der Herzfrequenz, des Blutdrucks oder vermehrtes Schwitzen. Dieses Verlangen nach Alkohol kann sich in physischen und psychischen Reaktionen äußern und führt oft zu Rückfällen in die Krankheit. Mit Hilfe von Verhaltenstherapie und Medikamenten versuchen die Mediziner, dass Suchtverlangen zu reduzieren und zu kontrollieren.
Prof. Dr. Dr. Frank Schneider und Dr. Ute Habel von der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychiatrie der Düsseldorfer Universität und ihren Kollegen ist es nun erstmals gelungen, die regionalen Hirnaktivitäten bei Alkoholkranken während des Suchtdrucks sichtbar zu machen. Bei Untersuchungen in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Instituts für Medizin des Forschungszentrums Jülich und der Bonner Psychiatrischen Universitätsklinik konnten sie in einer gerade in den U.S.A. veröffentlichten Arbeit nachweisen, welche Hirnregionen bei dem durch alkoholische Duftreize ausgelösten Suchtverlangen bei Patienten aktiviert und damit beteiligt sind.
Dazu wurden zehn alkoholkranke Patienten einer Untersuchung mit der funktionellen Kernspintomographie unterzogen, während der wiederholt alkoholische und neutrale Geruchsreize an die Nase geleitet wurden. Bei der ersten Untersuchung fanden sich während der Stimulation mit Alkoholdüften spezifische Aktivierung in den Hirnregionen, die für die Emotionen wesentlich sind, in den sogenannten Mandelkernen. Diese Auffälligkeiten waren nach einer dreiwöchigen Therapie bei einer erneuten Untersuchung nicht mehr nachweisbar. Gleichzeitig berichteten die Patienten, die nach jeder Stimulation zusätzlich befragt wurden, anfangs auch von mehr Suchtverlangen, welches nach der Therapie abgenommen hatte. Somit lässt sich vermuten, dass sich emotionale Aspekte des Suchtverlangens in Aktivierungen der Mandelkerne widerspiegeln.

Mit diesem Nachweis ist es dem Düsseldorfer Forscherteam um Prof. Dr. Schneider gelungen, den Therapieverlauf abzubilden, zugleich können aus dieser Studie neue Ansätze für die Therapieforschung hervorgehen. Denn nach den Experimenten ist nun überprüfbar, welche spezifische Therapie bei alkoholkranken Patienten am besten auf das Suchtverlangen wirkt. Zugleich haben die Wissenschaftler einen weiteren Nachweis dafür erbracht, dass das Suchtverlangen alkoholkranker Patienten auch biologische Grundlagen hat.

Quelle: American Journal of Psychiatry (2001, Bd. 158, S. 1075-1083)

Victoria Stachowicz | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie