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Hoffnung für Millionen

24.07.2001


Für Inkontinenz-Patienten steht Hilfe vor der Tür

Die Weltgesundheitsbehörde WHO schätzt, dass es weltweit 200 Millionen Inkontinente, also Menschen mit einer akuten Blasenerkrankung gibt. Dem Gesundheitsbericht für die Bundesrepublik Deutschland ist zu entnehmen, dass bzgl. des Blasenkarzinoms mit jährlich 18.000 Neuerkrankungen gerechnet werden muss.

80 Prozent der Betroffenen kann mit konservativen Mitteln geholfen werden. 40 Millionen Menschen benötigen jedoch eine Ersatzblase, wie sie Prof. Wassermann von der Fachhochschule München mit Hilfe von Fördermitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms "Forschung und Entwicklung an Fachhochschulen" entwickelt hat.

Prof. Helmut Wassermann führt seit einer Woche an der Fachhochschule München im Labor für Sensorik des Fachbereichs Elektrotechnik und Informationstechnik seinen Studierenden vor, wie eine Harnblase durch ein Kunstorgan ersetzt werden kann. Seine Entwicklung einer künstlichen, vollständig implantierbaren, energetisch autarken, biokompatiblen alloplastischen Harnblase wurde vor kurzem durch ein europäisches Patent bestätigt. Das weltweite Patent hat Wassermann bereits beantragt.

Auf diese medizinische Innovation hat Prof. Dr. Dieter Jocham, Klinikdirektor für Urologie und Lehrstuhlinhaber an der Medizinischen Universität Lübeck lange gewartet. Mit ihm arbeitet Wassermann seit 1995 eng zusammen. Der Klinikchef möchte mit den künstlichen Blasen, die aus mehreren Modulen bestehen und damit den individuellen Erfordernissen angepasst werden können, als Erster Inkontinenz-Patienten mit neuen Therapien behandeln. Bevor die künstliche Blase in Kliniken eingesetzt werden können, muss ihre absolute Verträglichkeit noch an Tierversuchen erprobt werden. Doch die Finanzierung der Tierversuche ist bis jetzt noch ungeklärt. Wassermann und Jocham hoffen auf eine weitere Förderung durch das Bundesbildungsministerium oder die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). 1,8 Millionen DM würden beide Wissenschaftler noch benötigen bis Inkontinenz-Patienten weltweit geholfen werden kann. Das Projekt hätte mit Sicherheit nicht bis zum heutigen Stand geführt werden können, wenn nicht zusätzlich großzügige Spenden aus der Industrie geflossen wären.

Dr. Traute Schoellmann | idw

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