Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Parkinsongenetik - Vorsorge durch Früherkennung

24.07.2001


Früherkennung: Bei Morbus Parkinson besteht im Frühstadium eine erhöhte Stoffwechselrate (rot), während sich bei SND (striato-nigrale Degenration) durch Nervenzelluntergang der Glukosestoffwechsel verringert.


Lewy-Körperchen in den Nervenzellen eines Parkinson-Patienten. Die Nervenzellen entsorgen schädliche Substanzen in diese „Depots“ – die vermutlich zu einer Parkinson-Erkrankung führen.


Die Parkinson-Erkrankung kann verschiedene Ursachen haben - genetische und umweltbedingte. RUB-Mediziner am St. Josef-Hospital Bochum untersuchen die genetischen Komponenten der Krankheit. Ihr Ziel ist die Parkinsonprophylaxe durch Früherkennung.

"Schadstoffdeponien" im Gehirn Parkinsongenetik - Vorsorge durch Früherkennung MedRUBIN 2001: Zweites Sonderheft erschienen

Der kleinschrittige, vornüber gebeugte Gang oder der typische Pillendreher-Tremor, ein Zittern aufgrund erhöhter Muskelspannung, gehören zu den vielfältigen Symptomen von Parkinson-Patienten. Die Erkrankung kann verschiedene Ursachen haben - genetische und umweltbedingte. Mediziner der Neurologischen Universitätsklinik der RUB (Leitung: Prof. Dr. med. Horst Przuntek) am St. Josef-Hospital Bochum untersuchen die genetischen Komponenten der Krankheit. Ihr Ziel ist die Parkinsonprophylaxe durch Früherkennung.

Neuronensterben

Morbus Parkinson ist vor allem durch das Absterben von Nervenzellen der so genannten Schwarzen Substanz im Mittelhirn gekennzeichnet. Dabei handelt es sich um "dopaminerge Neurone", die zur Informationsübertragung den Botenstoff Dopamin benutzen. Eine Behandlung mit dem Dopamin-Vorläufer L-Dopa kann z. B. die Beweglichkeit deutlich verbessern. Heute lindern moderne Pharmaka auch im fortgeschrittenen Stadium die Krankheitssymptome, doch kein Medikament kann bislang das Absterben der dopaminergen Neurone aufhalten. Parkinson auslösen können Umweltfaktoren wie Medikamente und Gifte oder andere Einflüsse, die noch weitgehend unbekannt sind. Es gibt nicht "den einen" Morbus Parkinson - hinter einer relativ einheitlichen Symptomatik stecken viele verschiedene Erkrankungen.

In Lewy-Körperchen werden Schadstoffe "entsorgt"

Hat Parkinson auch genetische Ursachen? Diese Frage war lange umstritten. Erst in den letzten Jahren konnten die Wissenschaftler verschiedene Gendefekte nachweisen, die an der Entstehung von Parkin-son beteiligt sind. All diese Mutationen haben gemeinsam, dass sie direkt oder indirekt das Auftreten von "Lewy-Körperchen" in der Schwarzen Substanz fördern. Defekte Proteine (Eiweiße) werden mangelhaft abgebaut und quasi in die "Lewy-Körperchen" entsorgt. Das führt schließlich zum Untergang der Nervenzellen. Eine Mutation im so genannten a-Synuklein-Gen ist ein Beispiel dafür: Die Mutation, durch die das Protein a-Synuklein verklumpen kann, wird zusammen mit der Parkinson-Erkrankung "autosomal dominant" vererbt - 50% der Nachkommen eines Mutations-Trägers sind wiederum von der Erkrankung betroffen. a-Synuklein ist ein Bestandteil der Lewy-Körperchen.

Modell einer Klassifizierung der Parkinson-Erkrankung. Alle Bilder: MEDRUBIN

Fehlerhafte Proteine häufen sich

Eine weitere Parkinsonform wird autosomal rezessiv vererbt - beide Eltern tragen je eine veränderte Erbanlage im so genannten Parkin-Gen, ohne zu erkranken. Wenn in der Folgegeneration diese beiden Erbanlagen zusammenkommen (das Risiko hierfür beträgt 25 %), dann erkranken die betroffenen Nachkommen - meist schon vor dem 50. Lebensjahr. Parkin ist als ein spezielles Enzym an dem natürlichen Abbau fehlgestalteter Proteine beteiligt. Die dritte bisher entdeckte Mutation, die Parkinson verursacht, liegt auf dem Gen UCHL1 (Ubiquitin-carboxyterminale Hydrolase L1). Dieses Gen sorgt dafür, dass die Zellen Ubiquitin herstellen. Ubiquitin markiert fehlerhafte Proteine - fehlt es, weil das entsprechende Gen defekt ist, werden diese Proteine nicht mehr abgebaut und häufen sich im Gehirn an.

Pestizide: Störung in der Atmungskette

"Freie Radikale" sind hochreaktiv gegenüber allen biologischen Molekülen. Sie stören auch die Energiegewinnung der Zelle (die mitochondriale Atmungskette). Defekte in der Atmungskette, die vermutlich zu einer Schädigung der Nervenzellen führen, haben Wissenschaftler auch bei Parkinsonpatienten nachgewiesen. Daher kommen auch die vielen Gene des so genannten mitochondrialen Genoms, das die Atmungskettenproteine kodiert, als Kandidaten für eine Parkinson-Erkrankung in Betracht. Darüber hinaus können auch Gifteinflüsse (z.B. Heroinverunreinigungen, Schädlingsbekämpfungsmittel) zu einer Störung der Atmungskette führen - in Verbindung mit genetischen Komponenten, denn nicht jeder, der mit den Giften in Berührung kommt, erkrankt an Parkinson.

Parkinson-Vorsorge

Was bringt die Erforschung der genetischen Parkinson-Ursachen? Genetische Untersuchungen bieten durch die Identifizierung von Personen, die Parkinson-Mutationen tragen, aber noch gesund sind, erstmals die Möglichkeit, Anfangsstadien der Erkrankung zu erkennen und zu beobachten. Das trägt zu einem besseren Verständnis der Krankheitsursachen und -entwicklung bei. Moderne bildgebende Verfahren helfen bei der Früherkennung; so kann man mittels Positronen-Emissions-Tomographie einen gestörten Dopaminstoffwechsel nachweisen, auch wenn noch keine Krankheitssymptome aufgetreten sind. Das Ziel heißt: Schutz vor Parkinson durch Vorsorge. Die Neurologen verfolgen dabei einen interdisziplinären Ansatz, der die Vielschichtigkeit der Symptome erkennt und bei der Behandlung berücksichtigt.

MedRUBIN 2001 erschienen

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in MedRUBIN 2001, neben anderen Themen: Und immer ist der Arzt dabei (Chirurgie); Abwehr aus dem Gleichgewicht: Allergie durch Grippeviren (Allergologie); Ohne Schnitt unter die Haut (Dermatologie); Ein (Kunst-)Herz für Kinder (Herzchirurgie); Mit Blutstammzellen gegen Krebs (Innere Medizin); Endlich hinein in die Lehrpläne (Ethik und Schmerz); Weniger Stress, weniger Rückenschmerzen (Medizinische Psychologie); "Hauptsache gesund" (Humangenetik); Dicht am Herzschlag (Biomedizinische Technik); Reparaturstrategien des Gehirns: Schaden macht jung (Neurophysiologie); In der Bäckerhefe Erbkrankheiten auf der Spur (Zellbiochemie). MedRUBIN ist für 9 DM im Dekanat der Medizinischen Fakultät erhältlich (Tel. 0234/32-24960).

Weitere Informationen

PD Dr. med. Ludger Schöls, Neurologische Klinik der Ruhr-Univerität Bochum, Gudrunstr. 56, 44791 Bochum, Tel: 0234-509-2412, Fax: 0234-509-2414, E-Mail: ludger.schoels@ruhr-uni-bochum.de

Dr. Josef König | idw

Weitere Berichte zu: Atmungskette Gen Mutation Parkinson Parkinson-Erkrankung Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Allergieforschung: Weltweit erstes automatisches Pollennetz in Bayern am Start
28.09.2016 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Maßgeschneiderte Strategie gegen Glioblastome
26.09.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Der perfekte Sonnensturm

Ein geomagnetischer Sturm hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Jahrzehnte rätselte die Forschung, wie hoch energetische Partikel, die auf die Magnetosphäre der Erde treffen, wieder verschwinden. Jetzt hat Yuri Shprits vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ und der Universität Potsdam mit einem internationalen Team eine Erklärung gefunden: Entscheidend für den Verlust an Teilchen ist, wie schnell die Partikel sind. Shprits: „Das hilft uns auch, Prozesse auf der Sonne, auf anderen Planeten und sogar in fernen Galaxien zu verstehen.“ Er fügt hinzu: „Die Studie wird uns überdies helfen, das ‚Weltraumwetter‘ besser vorherzusagen und damit wertvolle Satelliten zu schützen.“

Ein geomagnetischer Sturm am 17. Januar 2013 hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Der Sonnensturm ermöglichte einzigartige Beobachtungen, die...

Im Focus: New welding process joins dissimilar sheets better

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of light metals.
Scientists at the University of Stuttgart have now developed two new process variants that will considerably expand the areas of application for friction stir welding.
Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH supports the University of Stuttgart in patenting and marketing its innovations.

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of...

Im Focus: Neuer Schalter entscheidet zwischen Reparatur und Zelltod

Eine der wichtigsten Entscheidungen, die eine Zelle zu treffen hat, ist eine Frage von Leben und Tod: kann ein Schaden repariert werden oder ist es sinnvoller zellulären Selbstmord zu begehen um weitere Schädigung zu verhindern? In einer Kaskade eines bisher wenig verstandenen Signalweges konnten Forscher des Exzellenzclusters für Alternsforschung CECAD an der Universität zu Köln ein Protein identifizieren (UFD-2), das eine Schlüsselrolle in dem Prozess einnimmt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Structural & Molecular Biology veröffentlicht.

Die genetische Information einer jeden Zelle liegt in ihrer Sequenz der DNA-Doppelhelix. Doppelstrangbrüche der DNA, die durch Strahlung hervorgerufen werden...

Im Focus: Forscher entwickeln quantenphotonischen Schaltkreis mit elektrischer Lichtquelle

Optische Quantenrechner könnten die Computertechnologie revolutionieren. Forschern um Wolfram Pernice von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster sowie Ralph Krupke, Manfred Kappes und Carsten Rockstuhl vom Karlsruher Institut für Technologie ist es nun gelungen, einen quantenoptischen Versuchsaufbau auf einem Chip zu platzieren. Damit haben sie eine Voraussetzung erfüllt, um photonische Schaltkreise für optische Quantencomputer nutzbar machen zu können.

Ob für eine abhörsichere Datenverschlüsselung, die ultraschnelle Berechnung riesiger Datenmengen oder die sogenannte Quantensimulation, mit der hochkomplexe...

Im Focus: First quantum photonic circuit with electrically driven light source

Optical quantum computers can revolutionize computer technology. A team of researchers led by scientists from Münster University and KIT now succeeded in putting a quantum optical experimental set-up onto a chip. In doing so, they have met one of the requirements for making it possible to use photonic circuits for optical quantum computers.

Optical quantum computers are what people are pinning their hopes on for tomorrow’s computer technology – whether for tap-proof data encryption, ultrafast...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

EEHE 2017 – Strom statt Benzin. Experten diskutieren die Umsetzung neuester Fahrzeugkonzepte. Call vor Papers endet am 31.10.2016!

28.09.2016 | Veranstaltungen

Folgenschwere Luftverschmutzung: Forum zur Chemie der Atmosphäre

28.09.2016 | Veranstaltungen

European Health Forum Gastein 2016 beginnt

28.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EEHE 2017 – Strom statt Benzin. Experten diskutieren die Umsetzung neuester Fahrzeugkonzepte. Call vor Papers endet am 31.10.2016!

28.09.2016 | Veranstaltungsnachrichten

Wie Blockchain die Finanzwelt verändert

28.09.2016 | Wirtschaft Finanzen

Neue Plasmaanlage - Präzise und hoch entwickelte Chips

28.09.2016 | Physik Astronomie