Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schwermetalle aus Keramikglasuren können die Gesundheit gefährden

11.03.2005


BfR empfiehlt niedrigere Höchstmengen für den Übergang von Blei und Cadmium aus Keramikgegenständen in Lebensmittel



Farbige Glasuren von Keramikgeschirr können Schwermetalle wie Blei oder Cadmium enthalten. Beim Kontakt mit Nahrungsmitteln können diese giftigen Stoffe in unterschiedlichem Maße aus der Keramik herausgelöst werden. Welche Mengen an Blei und Cadmium aus der Keramik in die Lebensmittel übergehen, hängt neben der Qualität der Glasur im wesentlichen von der Temperatur ab, mit der die Keramik gebrannt wurde, sowie von der Art des Lebensmittels und der Dauer des Kontakts. Die europäische Richtlinie, welche die Abgabe von Blei und Cadmium aus Keramik regelt, wird derzeit überarbeitet. Aus diesem Anlass hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) die geltenden Höchstmengen überprüft. "Gesundheitsgefährdungen durch extreme Bleiaufnahmen über Lebensmittel, die längere Zeit in bleilässigen Keramikgefäßen aufbewahrt wurden, können auch heute nicht völlig ausgeschlossen werden", sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. Selbst bei Einhaltung der geltenden Regelungen können unter bestimmten Umständen Schwermetallmengen aus der Keramik an Lebensmittel abgegeben werden, die insbesondere für Blei als nicht mehr sicher zu bewerten sind. Das BfR empfiehlt deshalb eine Absenkung der gesetzlichen Höchstmengen für die Abgabe von Blei und Cadmium aus Keramikgegenständen. Verbraucher sollten Lebensmittel nicht über längere Zeit in Keramikgefäßen aufbewahren.

... mehr zu:
»Blei »Cadmium »Keramik »Schwermetall


Aus Keramikgefäßen, die die erlaubte Abgabemenge für Blei ausschöpfen, können an die Lebensmittel bis zu 4 Milligramm Blei pro Liter (mg/L) abgegeben werden. Damit kann die Bleiaufnahme - je nach Berechnungsmodell - den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) abgeleiteten Wert für die vorläufige tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge (PTWI) von 0,025 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht (mg/kg KG) und Woche zum Teil erheblich überschreiten. "Auch wenn davon auszugehen ist, dass derart hohe Überschreitungen weder täglich noch lebenslang vorkommen, handelt es sich um zusätzliche und vor allem vermeidbare Belastungen", so Hensel.

Ähnliches gilt laut BfR für das Schwermetall Cadmium, wobei dort die Überschreitungen des PTWI von 0,007 mg/kg KG und Woche deutlich niedriger ausfallen. Dennoch gibt es Personengruppen, die schon aufgrund ihrer Verzehrs- und Lebensgewohnheiten den Grenzwert für Cadmium nahezu ausschöpfen. Jede zusätzliche Aufnahme, wie etwa über Keramikgeschirr, sollte deshalb vermieden werden. Das Institut kommt zu dem Schluss, dass bei einer Beibehaltung der bisherigen Höchstmengen für den Übergang von Blei und Cadmium aus Keramikgegenständen auf Lebensmittel in Einzelfällen Aufnahmemengen resultieren können, die insbesondere für Blei nicht mehr als sicher anzusehen sind. Offen bleibt zwar, wie viele Verbraucher wie häufig von solch hohen Schwermetallaufnahmen betroffen sind. Insbesondere im Hinblick auf die Empfindlichkeit von Kindern empfiehlt das BfR aber, die Höchstwerte für die Abgabe von Blei und Cadmium aus Keramik zu senken.

Blei ist ein natürlich vorkommendes Schwermetall, das in der Umwelt, nicht zuletzt durch industrielle Prozesse, weit verbreitet ist. Es gehört zu den starken Umweltgiften und reichert sich im Organismus an. Blei ist als Zusatz in zahlreichen Produkten wie Batterien, manchen Farben, Glasuren bis hin zu Kosmetikartikeln zu finden. Beim üblichen Gebrauch von Keramikgegenständen ist nicht davon auszugehen, dass täglich oder sogar lebenslang die maximal möglichen Bleimengen aufgenommen werden. Werden insbesondere saure Lebensmittel aber längere Zeit in schwermetalllässigen Keramikgefäßen aufbewahrt, kann die herausgelöste Bleimenge kritische Werte erreichen. Bleivergiftungen durch Fruchtsäfte, die in bleilässigen Keramik-Krügen aufbewahrt wurden, kommen auch heute noch vor.

Akute Bleivergiftungen äußern sich unter anderem durch Erbrechen, Darmkoliken, Verstopfung bis hin zum Nierenversagen. Kinder sind besonders gefährdet, da der Körper im Entwicklungsstadium noch empfindlicher auf Blei reagiert. Bei ihnen kann eine erhöhte Bleibelastung irreversible Nervenschäden bis hin zu Störungen der Hirnfunktionen verursachen. Chronische Vergiftungen gehen mit Schwächegefühl, Appetitlosigkeit, Nervosität oder Abmagerung einher.

Cadmium ist wie Blei ein Schwermetall, das in geringen Mengen weit verbreitet vorkommt. Cadmium und seine Verbindungen in Form von Stäuben und Aerosolen sind als krebserregende Stoffe eingestuft. Außer in Batterien wird das Metall hauptsächlich in Farbpigmenten und zur Herstellung von Kunststoffen verwendet. Auch Cadmium reichert sich über die Nahrungskette im Körper an, wo es sich in Leber und Niere konzentriert. Einmal vom Körper aufgenommenes Cadmium wird nur sehr langsam wieder ausgeschieden.

Cadmiumvergiftungen äußern sich zunächst in Form von Durchfall und Erbrechen. Sie können zu Leber- und Herzschädigungen, Nieren- und Kreislaufversagen führen. Bei geringen Dosen, die über einen längeren Zeitraum auf den Mensch einwirken, zeigen sich eher unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen und neurologische Störungen.

Dr. Irene Lukassowitz | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de/

Weitere Berichte zu: Blei Cadmium Keramik Schwermetall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Proteomik hilft den Einfluss genetischer Variationen zu verstehen
27.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE