Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie zum Gebärmutterhalskrebs: Viren-Test kann Krebs-Risiko senken

23.07.2001


In einigen Jahren könnte die Vorsorgeuntersuchung zur Frühdiagnostik bei Gebärmutterhalskrebs zuverlässiger und effizienter werden. Diese Perspektive eröffnet eine an der Frauenklinik der Friedrich-Schiller-Universität Jena durchgeführte Studie, in der die herkömmliche, zytologische Abstrich-Untersuchung mit einem anderen Testverfahren verglichen wurde. Der so genannte HR-HPV-Test weist virologisch die Existenz von Hoch-Risiko-Humanpapillomviren in der Gebärmutterschleimhaut nach. "Wir haben festgestellt, dass bei einer einmaligen Untersuchung der HR-HPV-Test wesentlich sensitiver, das heißt treffsicherer für die Erkennung von Erkrankten ist, als die zytologische Untersuchung", erklärte der Leiter der Studie, Professor Achim Schneider.

Hoch-Risiko-Humanpapillomviren sind in fast 100 Prozent aller Fälle an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt. Während die herkömmliche zytologische Untersuchung bereits bestehende Veränderungen und Entartungen der Schleimhäute nachweist, setzt der HR-HPV-Test schon bei den Mitverursachern der Krankheit, den Viren, an. In der Jenaer Vergleichs-Studie wurden zwischen 1996 und 1998 insgesamt 4.761 Frauen im Alter zwischen 18 und 70 Jahren von frei praktizierenden Frauenärzten im Rahmen der Routine-Vorsorge-Untersuchung zusätzlich auf HR-HPV getestet. Bei über 90 % der Patientinnen fielen beide Tests in der Vorsorgeuntersuchung ohne Befund aus, bei 7,8 % (371 Frauen) konnten HR-HP-Viren nachgewiesen werden, und knapp zwei Prozent (88 Frauen) hatten einen zytologisch auffälligen Abstrich, bzw. es bestand nach Lupenbetrachtung des Gebärmmutterhalses (Kolposkopie) der Verdacht auf das Vorliegen einer Krebsvorstufe.

Nach Evaluierung der Frauen die entweder einen positiven HPV-Test, ein abnormales zytologisches Ergebnis oder einen auffälligen kolposkopischen Befund hatten, wurde bei 105 Frauen Krebsvorstufen und bei neun Patientinnen Gebärmutterhalskrebs mittels feingeweblicher (histologischer) Untersuchung festgestellt. "Dass wir auch Frauen mit einem unauffälligen Befund wiederholt untersucht und die Treffsicherheit der Tests aus den vorhandenen Daten durch ein statistisches Modell berechnet haben, unterscheidet uns von den bisher hierzu veröffentlichten Untersuchungen", stellte Professor Schneider fest. Demnach erfasst der neue HR-HPV-Test bei einer einmaligen Untersuchung die Krebserkrankung bei fast 90 % der Frauen, während nur 20 % der erkrankten Frauen durch den Abstrich entdeckt werden.

Für den HPV-Experten Schneider ist dieser Befund zum gegenwärtigen Stand der Forschung nur auf den ersten Blick sensationell. Er nennt Gründe, warum der HR-HPV Test jetzt noch nicht als kassenfinanzierter Routinetest gegen Gebärmutterkrebs eingesetzt werden sollte, wie es eine "Initiative HPV-Test" und die Industrie seit einiger Zeit fordern: "Jede zweite Frau hat irgendwann einmal eine HR-HPV Infektion, die bei 80 % von allein wieder ausheilt. Entsprechend ist beim HR-HPV-Test der Anteil der Frauen, die zwar HR-HPV-positiv sind, aber keine Anzeichen von Krebsvorstufe oder Krebs haben um ein Vielfaches höher als bei der zytologischen Untersuchung." Da eine HR-HPV-Infektion zur Zeit noch nicht therapiert werden kann, möchte Schneider den falsch HR-HPV-positiv befundeten Frauen die psychischen und physischen Belastungen solange ersparen, bis für diese Infektionskrankheit ein Impfverfahren zur Verfügung steht. Darüber hinaus ist noch offen, ob die jetzt schon kommerziell einsetzbaren HR-HPV-Tests die Qualität der für die Studie im Forschungslabor durchgeführten Tests erreichen.

Dennoch sieht der Gynäkologe Schneider Perspektiven: "Wir werden in einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten prospektiven Studie prüfen, ob ein negativer HR-HPV-Test auch langfristig ein äußerst geringes Krebsrisiko bedeutet." Sollte sich diese Annahme bestätigen, könnte der Abstand der Vorsorgeuntersuchungen für negativ getestete Frauen bei gleicher oder sogar höherer Sicherheit auf drei bis fünf Jahre verlängert werden. Das Ziel heißt, in möglichst naher Zukunft die Neuerkrankungs- und Sterberate bei Gebärmutterhalskrebs weiter zu senken und gleichzeitig Aufwand und Kosten zu sparen. Bis es so weit ist, müssen Frauen, die auf HR-HPV getestet werden wollen, die Kosten dafür - 56 Mark - aus eigener Tasche bezahlen. Den besten Schutz gegen Gebärmutterhalskrebs bietet gegenwärtig aber immer noch der regelmäßige Gang zur kostenlosen Vorsorgeuntersuchung. Betina Meißner

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Achim Schneider

... mehr zu:
»Gebärmutterhalskrebs »HR-HPV

Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Tel. 03641/933063, Fax: 03641/933064
E-Mail: achim.schneider@med.uni-jena.de


Friedrich-Schiller-Universität
Dr. Wolfgang Hirsch
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Fürstengraben 1
D-07743 Jena
Telefon: 03641 · 931030
Telefax: 03641 · 931032
E-Mail: roe@uni-jena.de

Dr. Wolfgang Hirsch | idw

Weitere Berichte zu: Gebärmutterhalskrebs HR-HPV

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Therapieansatz: Kombination von Neuroroboter und Hirnstimulation aktiviert ungenutzte Nervenbahnen
16.01.2018 | Universitätsklinikum Tübingen

nachricht Europäisches Forschungsteam trickst Ebolavirus aus
16.01.2018 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Im Focus: Wie Metallstrukturen effektiv helfen, Knochen zu heilen

Forscher schaffen neue Generation von Knochenimplantaten

Wissenschaftler am Julius Wolff Institut, dem Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien und dem Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungen

Fachtagung analytica conference 2018

15.01.2018 | Veranstaltungen

Tagung „Elektronikkühlung - Wärmemanagement“ vom 06. - 07.03.2018 in Essen

11.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal mit neuem Onlineauftritt - Lösungskompetenz für alle IT-Szenarien

16.01.2018 | Unternehmensmeldung

Die „dunkle“ Seite der Spin-Physik

16.01.2018 | Physik Astronomie

Wetteranomalien verstärken Meereisschwund

16.01.2018 | Geowissenschaften