Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Frankfurter Forscher entwickeln Impfstoff gegen Vogelgrippe

10.03.2005


Das Institut für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum entwickelt in Zusammenarbeit mit Partnern aus fünf europäischen Ländern in einem EU-geförderten Forschungsprojekt den ersten Vogelgrippe-Impfstoff



Die Entwicklung eines kombinierten Influenza/ Vogelinfluenza-Impfstoffs stellt vor dem Hintergrund der hohen Wahrscheinlichkeit für eine weltweite Grippeepidemie, einer sogenannten Pandemie, eine dringende Aufgabe dar. Die letzten drei Influenzapandemien in den Jahren 1918, 1957 und 1968 zeigen das Ausmaß derartiger Seuchen. Die schwerste war die sogenannte "Spanische Grippe" 1918/19, die weltweit zwischen 20 und 50 Millionen Todesopfer forderte. 1957/58 und 1968/69 starben nach Angaben der WHO schätzungsweise jeweils eine Million Menschen. Auch das Robert-Koch-Institut warnt vor dem aktuellen Bedrohungs-potential und nennt Modellhochrechnungen mit prognostizierten 48.000 bis 160.000 Todesfällen allein in Deutschland. Der derzeit wahrscheinlichste Kandidat für den nächsten Pandemie-Virus ist der Vogelgrippe-Erreger, für den bislang noch kein Impfstoff zur Verfügung steht. An einem solchem Vogelinfluenza-Immunschutz arbeitet nun die von Professor Dr. Jindrich Cinatl geleitete Forschungsabteilung des Instituts für Medizinische Virologie am Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Die Entwicklung des Kooperationspräparats gegen die humane Influenza sowie die besonders aggressive Vogelgrippe wird in Kooperation mit einem hochkarärtigen internationalen Konsortium durchgeführt, das von dem österreichischen Biotechnologie-Unternehmen Green Hills Biotechnology koordiniert wird.



Dringender Bedarf für einen Vogelgrippe-Impfstoff

Die Gefahr einer Grippe-Pandemie besteht zum einen durch die von Influenzaviren verursachte "echte" Grippe, der Influenza. Sie ist nicht mit den gewöhnlichen Erkältungskrankheiten (grippale Infekte) zu verwechseln, die landläufig ebenfalls als "Grippe" bezeichnet werden. Verlauf und Schwere einer herkömmlichen Erkältung lassen sich mit der einer Influenzaerkrankung nicht vergleichen - so fordert letztere nach Angaben des Robert-Koch-Instituts pro Grippesaison durchschnittlich jährlich ca. 5.000 bis 8.000 Todesopfer und das, obwohl für die auslösenden Grippeviren Impfstoffe zur Verfügung stehen. Neben der menschlichen Virusinfektion besteht zudem die Gefahr der Vogelinfluenza oder "Vogelgrippe". Die Übertragung der tierischen Variante vom Tier auf den Menschen führt immer wieder zu schweren Erkrankungen und Todesfällen. In jüngster Zeit wurden aus Thailand erstmalig Übertragungen der Vogelgrippe von Mensch zu Mensch beschrieben, was die Gefahr einer Neukombination aus Influenzaviren des Menschen und des Vogels deutlich erhöht. Vermischen sich die Viren, so wird der Erreger noch gefährlicher. "Diese weiteren Kreuzungs- und Ansteckungsmöglichkeiten steigern zusätzlich die Wahrscheinlichkeit einer Grippe-Pandemie mit möglicherweise Millionen von Opfern", so Professor Dr. Hans Wilhelm Doerr, Direktor des Instituts für Medizinische Virologie.

Der Impfstoff

Gegen die humane Influenza kann trotz der ständigen Ausbildung neuer Virusvarianten (Mutation) durch Impfung ein (Teil-)Immunschutz aufgebaut werden. Die Schaffung eines Schutzes gegen die Vogel-Influenza soll dies nun ergänzen. "Basis hierzu ist ein abgeschwächtes Influenzavirus, das sich im menschlichen Organismus nicht weiter vermehrt, aber dennoch zu einer starken Immunantwort führt", erklärt Professor Dr. Jindrich Cinatl, Leiter der Forschungsabteilung am Institut für Medizinische Virologie. "In dieses Virus werden zusätzlich Vogel-influenzaantigene eingebaut, so dass die Impfung eine Immunität gegen Influenza, Vogelinfluenza und neu kombinierte Viren verleihen soll", so Professor Cinatl.

Das Projekt

Die wissenschaftliche Leitung für das auf zwei Jahre angelegte Forschungsprojekt "Chimeric Vaccines" am Institut für Medizinische Virologie liegt bei Dr. Martin Michaelis. Das Gesamtvolumen des Projekts beläuft sich auf zwei Millionen Euro, wovon 1,4 Millionen Euro durch Fördergelder der Europäischen Union finanziert werden. Im internationalen Konsortium sind neben dem Universitätsklinikum Frankfurt sechs weitere Unternehmen und Hochschulen aus insgesamt fünf verschiedenen europäischen Ländern an der Impfstoffentwicklung beteiligt. Um die entwickelten Impfstoffe möglichst schnell klinisch anwenden zu können, ist unter anderem das russische WHO-Referenzinstitut für Influenza in St. Petersburg, das große Erfahrung mit der Erprobung neuer Impfstoffe besitzt, als Partner beteiligt. Die technologische Basis und Koordination des ehrgeizigen Projektes leistet das Wiener Biotechnologieunternehmen Green Hills Biotechnology. "Erste Ergebnisse der Entwicklungsarbeit werden Ende des nächsten Jahres erwartet", so Dr. Michaelis.

Ricarda Wessinghage | idw
Weitere Informationen:
http://www.kgu.de

Weitere Berichte zu: Impfstoff Influenza Virologie Vogelgrippe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Körperenergie als Stromquelle

22.08.2017 | Energie und Elektrotechnik

Ein Quantenlineal für Biomoleküle

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Prostatakrebs: Bluttest sagt Tumorresistenz vorher

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie