Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Anzug in die Klimakammer

23.07.2001


Chemikalienschutzanzüge, die bis zu dreißig Kilogramm wiegen können, schränken unter Umständen die Leistungsfähigkeit ihres Trägers erheblich ein. Bereits 1985 wurde dokumentiert, dass derartige Anzüge die Beweglichkeit verringern und klaustrophobische Ängste hervorrufen können. Außerdem behindern sie den Wärmeaustausch des Trägers und erhöhen so die Körpertemperatur. Dr. Karl Jochen Glitz von der Poliklinik für Arbeits-, Sozialmedizin und Sozialhygiene der Universität zu Köln erstellte anhand ausgedehnter Messungen im Einsatz ein Anforderungsprofil für schwere Chemikalienschutzanzüge.

Erstellung eines Anforderungsprofils für schwere Chemikalienschutzanzüge
Chemikalienschutzanzüge, die bis zu dreißig Kilogramm wiegen können, schränken unter Umständen die Leistungsfähigkeit ihres Trägers erheblich ein. Bereits 1985 wurde dokumentiert, dass derartige Anzüge die Beweglichkeit verringern und klaustrophobische Ängste hervorrufen können. Außerdem behindern sie den Wärmeaustausch des Trägers und erhöhen so die Körpertemperatur. Dr. Karl Jochen Glitz von der Poliklinik für Arbeits-, Sozialmedizin und Sozialhygiene der Universität zu Köln erstellte anhand ausgedehnter Messungen im Einsatz ein Anforderungsprofil für schwere Chemikalienschutzanzüge.

Hierzu übten fünf Feuerwehrleute, die verschiedene belüftete und unbelüftete Anzüge trugen, auf einer Hindernisbahn einer Übungsstrecke. Schon beim aufrechten Gehen traten deutliche Belastungen der Halswirbelsäule und der Nackenmuskulatur auf, die sich bei gebückter Haltung noch verstärkten. Beim Treppensteigen fehlte der sichere Tritt und die Bewegungsfähigkeit im Schritt. Eine niedrige Tür konnte dagegen von allen Männern erfolgreich passiert werden. Auf einer Kriechstrecke kam es erneut zu Bewegungseinschränkungen, obwohl bei den fremdbelüfteten Anzügen freiwillige Helfer zuvor die Luft aus den Anzügen herausgedrückt hatten, um das Volumen zu verkleinern. Nur mit unbelüfteten Anzügen konnte ein Hindernis von fünfundsiebzig Zentimetern überwunden werden. Die gleichen Probleme traten beim Auf- und Absteigen einer Leiter auf, einen Feuerwehrschlauch mussten die Teilnehmer sich teilweise mit gestreckten Armen vor die Sichtscheibe halten, um ihn überhaupt sehen zu können.

Auf dieser "Arbeitsstrecke" wurden Puls, Körpertemperatur und Schweißfluss gemessen. Außerdem wurden die Anzüge auf ihre Passform und Handhabung geprüft. Ziel war, eine geeignete Einheitsgröße zu finden, da nicht beliebig viele Anzüge zu den Einsätzen mitgenommen werden können. Außerdem sollten die Anzüge zu Überschuhen, Preßluftatmern und Feuerwehrhelmen passen. Weitere Kriterien sind ein möglichst großes Blickfeld sowie ein schnelles Anlegen und ein sicheres Ablegen des Anzugs.

Die Auswirkungen der Anzüge auf den menschlichen Körper unter Standardbedingungen wurden in einer Klimakammer untersucht. Für diese Messungen liefen acht Feuerwehrleute, die verschiedene Chemikalienschutzanzüge trugen, auf einem Laufbandergometer. Sie trugen dabei verschiedene Meßsysteme, mit denen
Herzschlag, Körpertemperatur, Hauttemperatur, Schweißfluss und Sauerstoffverbrauch erfasst wurden.

In allen Untersuchungen wurde festgestellt, dass keiner der untersuchten Schutzanzüge vollständig das Anforderungsprofil erfüllte. Lediglich Kompromisse zwischen den hohen Schutzanforderungen und den erzeugten Einschränkungen konnten gefunden werden. Die Körpertemperatur war jedoch stets zu hoch und auch die Behinderung der Arbeitsfähigkeit zu ausgeprägt.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias
Für Rückfragen steht Ihnen Professor Piekarski unter der Telefonnummer 0221 478 4450 und unter der Fax-Nr.: 0221 478-5119 zur Verfügung.

Anneliese Odenthal | idw

Weitere Berichte zu: Klimakammer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Allergieforschung: Weltweit erstes automatisches Pollennetz in Bayern am Start
28.09.2016 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Maßgeschneiderte Strategie gegen Glioblastome
26.09.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: First-Ever 3D Printed Excavator Project Advances Large-Scale Additive Manufacturing R&D

Heavy construction machinery is the focus of Oak Ridge National Laboratory’s latest advance in additive manufacturing research. With industry partners and university students, ORNL researchers are designing and producing the world’s first 3D printed excavator, a prototype that will leverage large-scale AM technologies and explore the feasibility of printing with metal alloys.

Increasing the size and speed of metal-based 3D printing techniques, using low-cost alloys like steel and aluminum, could create new industrial applications...

Im Focus: Zielsichere Roboter im Mikromaßstab

Dank einer halbseitigen Beschichtung mit Kohlenstoff lassen sich Mikroschwimmer durch Licht antreiben und steuern

Manche Bakterien zieht es zum Licht, andere in die Dunkelheit. Den einen ermöglicht dieses phototaktische Verhalten, die Sonnenenergie möglichst effizient für...

Im Focus: Experimentalphysik - Protonenstrahlung nach explosiver Vorarbeit

LMU-Physiker haben mit Nanopartikeln und Laserlicht Protonenstrahlung produziert. Sie könnte künftig neue Wege in der Strahlungsmedizin eröffnen und bei der Tumorbekämpfung helfen.

Stark gebündeltes Licht entwickelt eine enorme Kraft. Ein Team um Professor Jörg Schreiber vom Lehrstuhl für Experimentalphysik - Medizinische Physik der LMU...

Im Focus: Der perfekte Sonnensturm

Ein geomagnetischer Sturm hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Jahrzehnte rätselte die Forschung, wie hoch energetische Partikel, die auf die Magnetosphäre der Erde treffen, wieder verschwinden. Jetzt hat Yuri Shprits vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ und der Universität Potsdam mit einem internationalen Team eine Erklärung gefunden: Entscheidend für den Verlust an Teilchen ist, wie schnell die Partikel sind. Shprits: „Das hilft uns auch, Prozesse auf der Sonne, auf anderen Planeten und sogar in fernen Galaxien zu verstehen.“ Er fügt hinzu: „Die Studie wird uns überdies helfen, das ‚Weltraumwetter‘ besser vorherzusagen und damit wertvolle Satelliten zu schützen.“

Ein geomagnetischer Sturm am 17. Januar 2013 hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Der Sonnensturm ermöglichte einzigartige Beobachtungen, die...

Im Focus: New welding process joins dissimilar sheets better

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of light metals.
Scientists at the University of Stuttgart have now developed two new process variants that will considerably expand the areas of application for friction stir welding.
Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH supports the University of Stuttgart in patenting and marketing its innovations.

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart Glasses Experience Day

30.09.2016 | Veranstaltungen

Einzug von Industrie 4.0 und Digitalisierung im Südwesten - Innovationstag der SmartFactoryKL

30.09.2016 | Veranstaltungen

"Physics of Cancer" - Forscher diskutieren über biomechanische Eigenschaften von Krebszellen

30.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Smart Glasses Experience Day

30.09.2016 | Veranstaltungsnachrichten

Materialkompetenz für den Leichtbau: Fraunhofer IMWS präsentiert neue Lösungen auf der K-Messe

30.09.2016 | Messenachrichten

Vom Rollstuhl auf das Liegerad – Mit Funktioneller Elektrostimulation zum Cybathlon

30.09.2016 | Energie und Elektrotechnik