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Ganzheitliche Betreuung bei Bluthochdruck

08.03.2005


Im Kampf gegen Bluthochdruck (Hypertonie) schlucken die meisten der vielen Millionen Betroffenen allein in Deutschland häufig über Jahre hinweg täglich Medikamente. Dabei können die erhöhten Werte oftmals allein schon durch eine Veränderung der Lebensgewohnheiten deutlich gedrosselt werden. Dass etwa durch einen Abbau überflüssiger Pfunde, sportliche Betätigung und einen anderen Umgang mit Stress in der Tat in vielen Fällen Tabletten eingespart werden können, haben erste Erfahrungen mit einem innovativen ganzheitlichen Betreuungsprogramm für Hypertoniker an der Medizinischen Klinik und Poliklinik D (Direktor: Prof. Dr. Hermann Pavenstädt) des Universitätsklinikums Münster (UKM) gezeigt: Rund 200 Bluthochdruck-Patienten sind mittlerweile in dieses Programm aufgenommen worden, und zwar, wie Projektleiterin Privatdozentin Dr. Eva Brand betont, "mit exzellenten Erfolgen".

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Der viel versprechende fachübergreifende Ansatz dieses Projektes, in das neben Nieren- und Bluthochdruck-Experten auch Kardiologen, Gynäkologen (Schwangerschafts-Hypertonie) Psychologen und Psychosomatiker sowie gleichermaßen Sport- und Ernährungsexperten einbezogen sind, hat nicht zuletzt auch das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium überzeugt. Dort wurde das Projekt jetzt ausgewählt und in den Projektverband "Gesundes Land NRW" im Europäischen Netzwerk der WHO "Regionen für Gesundheit" aufgenommen. In der Auszeichnung durch die Ministerin wird die Strategie in Münster als "beispielgebend und als eine Bereicherung für das Gesundheitswesen des Landes" bewertet. Positive Auswirkungen hat das ganzheitliche Versorgungskonzept inzwischen auch auf die Hypertoniker-Betreuung in Stadt und Region: So arbeiten heute immer mehr ambulante Praxen bei der Versorgung ihrer Bluthochdruck-Patienten eng mit der Medizinischen Klinik D des UKM zusammen.

Ziel des von Privatdozentin Dr. Eva Brand und Prof. Dr. Hermann Pavenstädt, entwickelten Programms ist eine individuell zugeschnittene Behandlung bei Hypertonie auf der Grundlage des genetischen Risikoprofils der einzelnen Patienten. Denn immerhin wird der Blutdruck bis zu 65 Prozent durch Erbfaktoren bestimmt. Das von Eva Brand geleitete genetische Forschungslabor am UKM ist eines von bundesweit erst ganz wenigen Einrichtungen, wo entsprechende genetische Untersuchungen durchgeführt werden können. Wichtig ist die Bestimmung typischer Erbfaktoren etwa im Hinblick auf die Entstehung und den Verlauf der Erkrankung. Zukünftiges Ziel ist die Auswahl und Dosierung der einzelnen Medikamente in Abhängigkeit vom erblichen Profil (Pharmakogenetik). Denn besondere Genvarianten können dazu führen, dass die einzelnen Präparate schneller oder langsamer im Körper verstoffwechselt werden und die Standarddosis dann entsprechend erhöht oder reduziert werden muss, um die gewünschte Wirkung zu erzielen und Nebenwirkungen zu vermeiden.


Die Erwartungen in das ganzheitliche Versorgungskonzept am UKM, von dem sich die Medizin und Gesundheitspolitik nicht nur eine Verbesserung der Behandlung, sondern auch der Prävention der Volkskrankheit Bluthochdruck versprechen, sind hoch. Denn erhöhte Bluthochdruckwerte schädigen auf Dauer die Gefäße und die Funktion wichtiger Organe wie Herz, Gehirn und Nieren. Die meisten Schlaganfälle und viele Herzinfarkte gehen auf das Konto einer über Jahre hinweg nicht optimal behandelten Hypertonie.

Jutta Reising | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenster.de

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