Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

So hat Radon keine Chance - BfS empfiehlt Maßnahmen zur Verringerung von Radon in der Raumluft

08.03.2005


Wir haben zuviel Radon in unseren Innenräumen. Dabei lässt sich das radioaktive Edelgas - die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs - meist mit einfachen, preiswerten und wenig aufwändigen Maßnahmen deutlich reduzieren. "Beton-Plattenfundamente und Abdichtungen gegen Bodenfeuchte bieten einen wirkungsvollen Schutz gegen das Eindringen von Radon", erläutert ein Sprecher des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS). Besonders wichtig ist auch das Abdichten von Leitungsdurchführungen im Mauerwerk im erdberührendem Gebäudebereich. Sinnvoll kann auch die Installation eines Zu- und Abluftsystems sein. Der Einbau einer dicht schließenden Kellertür trägt dazu bei, die Ausbreitung von Radon in höhere Etagen zu verhindern. Über die vielfältigen technischen Maßnahmen - wie den Einsatz von Folien, dichtenden Anstrichen bis hin zu lüftungstechnischen Maßnahmen informiert auch das zusammen mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) vom BfS herausgegebene "Radon-Handbuch".

... mehr zu:
»BfS »Radon »Radonkonzentration

Nachhaltig und kostengünstig sind Maßnahmen zur Radonverminderung, wenn diese vorsorglich bereits beim Neubau von Häusern ergriffen werden. "Die Kosten liegen dann in vielen Fällen bei maximal 2.000 Euro für ein Haus mit 100 m2 Grundfläche", so heißt es aus dem BfS. Das BMU bereitet deshalb einen Gesetzentwurf für Radon in Aufenthaltsräumen vor. Grundlage ist die wissenschaftliche Erkenntnis, dass es ab einer Radonkonzentration von 100 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m3) zu einer signifikanten Erhöhung des Krebsrisikos kommt. Aber auch in bestehenden Häusern kann die Radonkonzentration meist mit geringem finanziellen Aufwand reduziert werden. So kann in vielen Fällen mit Hilfe eines in die Keller-Außenwand eingebauten kleinen Ventilators ein Über- oder Unterdruck erzeugt werden, der das Radon am Eindringen in das Haus oder seine Weiterverbreitung im Haus verhindert. In Deutschland und einigen anderen Ländern haben sich auch sogenannte "Radonbrunnen" bewährt. Dabei wird, ähnlich wie bei Überläufen zum Abpumpen von Grundwasser, ein quadratischer Schacht im Boden angelegt, in dem sich das Radon sammelt und dann unter der Bodenplatte abgesaugt. In gleicher Weise wirken Drainagerohre unter der Bodenplatte, an die ein leichter Unterdruck angelegt wird. "Mit solchen lüftungstechnischen Maßnahmen kann man oft schon für geschätzte 1.000 Euro gute Ergebnisse bei der Radonminimierung erzielen", so der BfS-Sprecher. Maßnahmen zur Reduzierung der Radonkonzentration lassen sich übrigens auch kostensparend mit ohnehin fälligen Renovierungsarbeiten verbinden. Das Thema Radon sollte beispielsweise berücksichtigt werden, wenn der Keller gegen Feuchte besser isoliert werden soll.

Einen Überblick über die Verteilung der Radonkonzentration in einem Meter Tiefe im Erdboden in Deutschland bietet die Radon-Karte des BfS, die im Internet unter http://www.bfs.de/ion/radon/radonatlas.html zur Verfügung steht. Die Radonkonzentration in Gebäuden unterliegt allerdings starken zeitlichen Veränderungen. Entscheidende Einflussfaktoren sind dabei die jahreszeitlichen und täglichen Wetterveränderungen in Kombination mit den individuellen Gewohnheiten bei der Lüftung und Raumnutzung. In Abhängigkeit vor allem von den speziellen Baugrundbedingungen an den Hausstandorten und den Bauwerkseigenschaften können die Radonkonzentrationen auch bereits innerhalb einer Ortschaft stark variieren. Da sich die Radonkonzentrationen selbst zwischen benachbarten Häusern stark unterscheiden können, ist die Situation nur durch Messung zuverlässig zu ermitteln.


Radon kann man auf verschiedene Weise messen. Es gibt Methoden für Fachleute und auch ganz einfache, von jedermann handhabbare Messeinrichtungen (Exposimeter). Für die Bewertung der Radonsituation eines Hauses empfiehlt das BfS Messungen über einen längeren Zeitraum in einem Wohnraum und einem Schlafraum. Messungen im Kellergeschoss geben wichtige Informationen über die Bedeutung von Radon aus dem Boden für das betreffende Haus. Radonexposimeter können bei einer Reihe von Messstellen bezogen werden. Landesmessstellen und Stiftung Warentest erteilen Auskunft über kompetente Messinstitutionen.

Das Radon-Handbuch kann für 10 Euro unter folgender Adresse bestellt werden:
Wirtschaftsverlag NW
Verlag für neue Wissenschaft GmbH
Postfach 101110
27511 Bremerhaven
Fax: 0471/945 44-88
Email: NW-Verlag@t-online.de.

Hintergrund:

Radon:

Radon ist ein natürliches radioaktives Edelgas, das beim spontanen radioaktiven Zerfall von Uran entsteht und praktisch überall in unterschiedlichen Konzentrationen in der Umwelt vorkommt. Die Höhe der Radonkonzentration in Aufenthaltsräumen hängt neben den geologischen Bedingungen des Baugrundes von einer Vielzahl von Faktoren ab (Dichtigkeit der bodenberührenden Teile des Hauses, Nutzung der Räume, Lüftungsgewohnheiten etc.). Die Hauptursache für Radonkonzentrationen von über 100 Bq/m3 in Aufenthaltsräumen ist in Deutschland Radon aus dem Gebäudeuntergrund. Der bundesweite Durchschnittswert der Radonkonzentration in Wohnräumen liegt bei etwa 50 Bq/m3.

Studie:

Eine im Dezember 2004 im British Medical Journal vorgestellte europaweite Studie zeigt, dass etwa neun Prozent aller Lungenkrebsfälle auf Radon in Aufenthaltsräumen zurückzuführen sind. Radon ist damit die häufigste, umweltbedingte Lungenkrebsursache im Innenraumbereich. Insgesamt betrachtet verursacht nur das Rauchen mehr Lungenkrebsfälle.
Das BfS hat daher einen neuen Zielwert für die Radonkonzentration in der Raumluft von 100 Bq/m3 ermittelt. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt einen Zielwert in gleicher Höhe.

Florian Emrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfs.de
http://www.bfs.de/ion/radon/radonatlas.html

Weitere Berichte zu: BfS Radon Radonkonzentration

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verbesserte Heilungschancen durch individualisierte Therapie bei Hodgkin Lymphom
23.10.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie