Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Scheinbarer Widerspruch zwischen negativen Effekten von UV-Strahlung und positiven Effekten der Sonnenstrahlung

08.03.2005


Am 2. Februar 2005 hatte das Journal of the National Cancer Institute (JNCI) in den USA begleitet von einer Pressemitteilung zwei Originalarbeiten und ein zugehöriges Editorial veröffentlicht. Die überraschende Aussage der beiden Originalarbeiten fand binnen Tagen weltweite Beachtung sowohl in der Fachwelt wie auch in der Tagespresse: Sonnenstrahlung / UV-Strahlung bewirke - im Gegensatz zu bisherigen Vorstellungen über die Risiken von UV-Strahlung - ein vermindertes Krebsrisiko oder günstigere Krankheitsverläufe: Höhere Überlebensrate bei "schwarzem Hautkrebs" und vermindertes Risiko für Non-Hodgkin-Lymphome (Lymphknotenkrebs) bei Personen mit höherer Bestrahlung durch die Sonne oder und künstliches UV-Licht.



Zwei Wissenschaftler, Prof. Dr. med. Gerd Hoffmann von der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main und Prof. Dr. med. Hans Meffert von der Charité Berlin, haben nun in einem "Letter to the Editor", der in der internationalen interdisziplinären Ebene von German Medical Science am 4. März 2005 veröffentlicht wurde, den scheinbaren Widerspruch zwischen den bekannten negativen Effekten von UV-Strahlung auf den Menschen und den neu beschriebenen positiven Effekten von Sonnenstrahlung / UV-Strahlung erklärt:

... mehr zu:
»Infrarot »Infrarot A »UV-Strahlung


Die drei Veröffentlichungen im Journal of the National Cancer Institute betrachten Sonnenstrahlung nur unter dem Aspekt der UV-Strahlung. Sonnenlicht besteht aber nicht nur aus UV-Strahlung, sondern aus zumindest drei biologisch aktiven Teilen von Strahlung: ultravioletter Strahlung (UV), sichtbarem Licht (VIS) und Infrarot (IR). Insbesondere von Infrarot A (780 bis 1400 nm) mit angemessener Bestrahlungsstärke konnte bereits gezeigt werden, daß es nicht nur unschädlich für die menschliche Haut ist, sondern daß es auch schützende Eigenschaften gegen die durch UV-Strahlung ausgelösten Schäden hat. In gemäßigten Klimazonen wird die Sonnenstrahlung, bevor sie die Erdoberfläche erreicht, durch den Wasserdampfgehalt in der Atmosphäre gefiltert, wodurch Infrarot C, Infrarot B und die Absorptionsbanden innerhalb des Infrarot A vermindert werden. Es bleibt ein großer Anteil an wassergefiltertem Infrarot A (wIRA) mit guten Eindringeigenschaften in die Haut und ohne große Wärmebelastung für die Oberfläche der Haut. Infrarot A, insbesondere wassergefiltertes Infrarot A, vermag als Wärmeeffekte die Gewebetemperatur, die Gewebedurchblutung und den Gewebesauerstoffteildruck zu steigern: optimal hohe Ausprägungen dieser drei Größen sind Voraussetzungen für eine hohe Energiebereitstellung im Gewebe und können deshalb energieabhängige Reaktionen des Immunsystems verbessern. Außerdem wurde bereits gezeigt, daß Wellenlängen innerhalb des Infrarot A, insbesondere nahe dem sichtbaren Licht (780 bis ungefähr 1000 nm), Zellen in günstiger Weise selbst bei sehr geringen Bestrahlungsstärken (unterhalb von Bestrahlungsstärken mit Wärmeeffekten) anregen können.

Außerdem beinhaltet Sonnenlicht im sichtbaren Bereich auch hohe wirksame Bestrahlungsstärken für vom Körper gebildetem Protoporphyrin IX, die mit und ohne Sauerstoff in photooxydativen Reaktionen reagieren können und auf diese Weise eine milde Form einer Photodynamischen Therapie (PDT) bewirken, das Immunsystem beeinflussen oder geschädigte Zellen zu einem programmierten Zelltod bringen können.

Weiterhin ist bekannt, daß die Modalitäten einer UV-Bestrahlung (z.B. Dosis, Form, Qualität und Häufigkeit der Anwendung) von entscheidender Bedeutung sind, ob erwünschte oder unerwünschte Effekte auftreten. Bereits mit einer geringen Sonnenbestrahlung kann eine ausreichende Vitamin-D-Produktion bei Kleinkindern sichergestellt werden.

Im "Letter to the Editor" wird auch kritisch auf biomathematisch-methodische Aspekte der beiden US-Veröffentlichungen und eingegangen: auch wenn die Hauptaussagen wahrscheinlich unverändert blieben, so fehlt in beiden Veröffentlichungen eine Alpha-Fehler-Korrektur, die bei mehrfacher Testung erforderlich ist und die typischerweise zu einer deutlichen Abnahme der Zahl signifikanter Unterschiede oder Effekte führt, wenn eine große Anzahl an Tests durchgeführt wird.

Die sinnvolle Konsequenz für das Handeln im Umgang mit Sonnenstrahlung sollte auch weiterhin sein: Bei aller berechtigter Freude über Licht und Wärme der Sonne im Hinblick auf die weiterhin unbestreitbaren unerwünschten Wirkungen vor allem des UV-Anteils der Sonnenstrahlung sollten auch weiterhin alle bisher empfohlener Schutzmaßnahmen getroffen werden, wie z.B. Kleidung, Kopfbedeckung, Sonnenschutzmittel, Meiden der Mittagssonne, Begrenzen der in der Sonne verbrachten Zeit, Anpassen der Haut mit moderater Steigerung der täglichen in der Sonne verbrachten Zeit und Berücksichtigen spezieller Randbedingungen, wie Hochgebirge oder Wüste, reflektierender Wasser- oder Schneeflächen oder das Empfinden überdeckendem Wind.

Insofern sollte es aufgrund der Veröffentlichungen im Journal of the National Cancer Institute keine Abkehr von den bewährten hautärztlichen Empfehlungen im Sinne eines moderaten Umgangs mit der Sonnenbestrahlung geben, der das Positive nutzt und das Negative vermeidet.

Wolfgang Müller M.A. | idw
Weitere Informationen:
http://www.egms.de/de/gms/2005-3/000019.shtml

Weitere Berichte zu: Infrarot Infrarot A UV-Strahlung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

nachricht MRT-Kontrastmittel: Neue Studie spricht für Sicherheit
17.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie