Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Würzburger Forscher sehen Nerven beim Nachwachsen zu

03.03.2005


Bericht im US-Fachblatt "Annals of Neurology"

... mehr zu:
»MRT »Nerv »Nervenfaser

Wissenschaftlern von der Uni Würzburg ist es erstmals gelungen, im lebenden Organismus das Nachwachsen beschädigter Nerven sichtbar zu machen. Das schafften sie mit Hilfe eines neuartigen Kontrastmittels für die Magnetresonanz-Tomographie. Ihre Arbeiten können dazu beitragen, dass sich Verletzungen peripherer Nerven künftig besser behandeln lassen.

Wenn Nervenbahnen zum Beispiel durch Schnittverletzungen geschädigt werden, so führt das zu einem Ausfall der Impulsübertragung vom Gehirn zu den nachgeschalteten Muskel- und Hautarealen. Entsprechend leiden die Patienten an Lähmungen oder einem Verlust des Berührungsempfindens.


Im Bereich von Gehirn und Rückenmark sind solche Schäden irreparabel - man denke etwa an Querschnittslähmungen. Dagegen können die Nervenfasern im übrigen, so genannten peripheren Nervensystem nachwachsen. In diesem Fall gehen die Lähmungserscheinungen nach einiger Zeit zurück.

"Das geschieht aber sehr langsam, denn die Nervenfasern wachsen pro Tag nur etwa einen Millimeter", erklärt der Würzburger Wissenschaftler Martin Bendszus. Wird zum Beispiel im Bereich des Beckens ein Nerv verletzt, der den Unterschenkelmuskel versorgt, dann kann es Jahre dauern, bis eine Besserung eintritt. Hinzu kommt, dass die Ärzte in dieser Zeit mit anderen Methoden nicht ausreichend sicher beurteilen können, ob der Nerv wirklich nachwächst oder ob er durch ein Auseinanderklaffen seiner Enden im Wachstum behindert wird. "Im letzteren Fall wäre ein frühzeitiges neurochirurgisches Eingreifen erforderlich", sagt Bendszus.

Diese Unsicherheit wollen die Wissenschaftler von der Abteilung für Neuroradiologie und der Neurologischen Klinik der Uni Würzburg beseitigen. Erster Erfolg: Mit Hilfe der Magnetresonanz-Tomographie (MRT) konnten sie erstmal experimentell im lebenden Organismus dem Nachwachsen geschädigter Nerven zusehen. Durch die MRT lassen sich exakte Bilder aus dem Körper gewinnen.

Möglich wurde dieser Fortschritt durch das neuartige Kontrastmittel Gadofluorine M der Schering AG (Berlin). Wird das Mittel intravenös verabreicht, dann sammelt es sich ausschließlich in geschädigten Nervenabschnitten an und lässt diese in den MRT-Bildern weiß aufleuchten. Wenn die Nerven bei ihrer Regeneration auswachsen, verschwindet das Mittel. Verharren sie aber im Zustand der Schädigung, weil die Enden der Nervenfasern auseinanderklaffen und darum keine Orientierung mehr haben, so bleibt das Kontrastmittel über lange Zeit im Nerv erhalten. Bendszus: "Damit lässt sich erstmalig der aktuelle Stand des Nervenwachstums räumlich und zeitlich exakt bildlich darstellen."

Die Ergebnisse dieser experimentellen Studie wurden im US-Fachjournal "Annals of Neurology" veröffentlicht. Jetzt will die von Bendszus und Guido Stoll geleitete Würzburger Arbeitsgruppe "Molekulares Neuroimaging" die neue MR-Technik in Kooperation mit Schering weiter nutzbar machen: Für die Diagnostik von Nervenverletzungen und Polyneuropathien beim Menschen.

"Assessment of Nerve Degeneration by Gadofluorine M-Enhanced Magnetic Resonance Imaging", Martin Bendszus, Carsten Wessig, Ansgar Schütz, Tanja Horn, Christoph Kleinschnitz, Claudia Sommer, Bernd Misselwitz, und Guido Stoll, Annals of Neurology 2005; 57: Seiten 388-395. Online publiziert am 24. Februar 2005, DOI 10.1001/ana.20404

Weitere Informationen:

PD Dr. Martin Bendszus
T (0931) 201-34790
E-Mail: bendszus@neuroradiologie.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: MRT Nerv Nervenfaser

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften