Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stürze in Alten- und Pflegeheimen

19.07.2001


Gefährdete können bereits im voraus erkannt werden

Alten- und Pflegeheimbewohner mit einem hohen Sturzrisiko können bereits im voraus identifiziert werden. Dies ergab eine Studie, die von Dr. Carsten Meyerhoff vorgelegt worden ist, einem diesjährigen Absolventen des Ulmer Aufbaustudiengangs Gesundheitswissenschaften/Public Health. Die Studie knüpft an das Ulmer Modellvorhaben »Verminderung von sturzbedingten Verletzungen bei Alten- und Pflegeheimbewohnern« an. Sie wurde als Magisterarbeit im Fach Biostatistik angefertigt und vom Bundesgesundheitsministerium, dem Sozialministerium Baden-Württemberg, der Kässbohrer- Stiftung, der Universität Ulm, der Stadt Ulm und dem Ulmer Krankenhaus Bethesda gefördert.

Jeder dritte Bürger über 65 Jahre stürzt mindestens einmal im Jahr. Stürze und Sturzgefährdung können die Ursache von Pflegebedürftigkeit sein und stellen, wenn bereits Pflegebedürftigkeit besteht, ein schwerwiegendes Problem in Alten- und Pflegeheimen dar. Ziel der Arbeit von Meyerhoff war es, aus den Daten des Ulmer Modellvorhabens Risikofaktoren für Stürze zu ermitteln. Bei allen Bewohnern wurde zu Beginn des Modellvorhabens eine Erhebung der Pflegebedürftigkeit mit einem umfangreichen Fragebogen durchgeführt, der Lebensgewohnheiten, geistige Fähigkeiten, Fähigkeiten zur Bewältigung des Alltags, Stimmungslage und Verhalten, Aktivitäten, Krankheitsdiagnosen, Medikamente, Gesundheitszustand und pflegerische Maßnahmen erfasste. Mit statistischen Methoden hat Meyerhoff dann Zusammenhänge zwischen dem Grad der Pflegebedürftigkeit und dem Sturzrisiko erkennbar gemacht.

Von 472 untersuchten Alten- und Pflegeheimbewohnern stürzten 133 ein- oder zweimal im Beobachtungszeitraum von einem Jahr, 115 dreimal und mehr. Das Risiko, zu stürzen, war erhöht bei Bewohnern mit Problemen beim Kurzzeitgedächtnis und mit aggressiv-agitiertem Verhalten. Urininkontinente Probanden stürzten besonders oft. Wer bereits im letzten halben Jahr vor der Befragung gestürzt war, hatte auch ein hohes Risiko, im Verlauf des folgenden Jahres zu stürzen.

Durch eine Abfrage früherer Stürze und der Urininkontinenz sowie eine Beurteilung der Hilfestellung, die ein Bewohner bei der Fortbewegung benötigt, kann, stellt Meyerhoff fest, bereits das Pflegepersonal zu einer differenzierteren Risikoabschätzung für Stürze kommen und Maßnahmen zur Vermeidung ergreifen. Solche Maßnahmen sind z.B. das Training von Muskulatur, Aufmerksamkeit und Koordination; die Behandlung von Urininkontinenz; die Behandlung von motorischer Unruhe; Anleitung und Hilfe für Bewohner, die bei der Fortbewegung auf Hilfestellung angewiesen sind.

Das Training von Muskulatur, Aufmerksamkeit und Koordination erfolgt auch bei alltäglichen Verrichtungen. Neben gezielten Programmen sollten die Bewohner daher im Alltag zu möglichst großer Mithilfe bei den pflegerischen Tätigkeiten motiviert werden. Bewegungsprogramme müssen in den Tagesablauf integriert sein, so daß sie für die Heimbewohner zu dessen selbstverständlichen Bestandteilen werden. Ein vielfältiges Angebot ist anzustreben, das die unterschiedlichen Interessen und Fähigkeiten berücksichtigt. Bei besonders sturzgefährdeten Personen bietet sich der Einsatz von Hüftprotektoren (»Sturzhosen«, Hosen mit eingearbeiteten Polstern, die Stürze abfedern können) an. Nicht außer acht gelassen werden dürfen aber auch die umgebungsbedingten für Stürze. Ein Programm zur Vermeidung von Stürzen kann nicht vollständig sein ohne Berücksichtigung der architektonischen Gegebenheiten.

Weitere Studien müssen zeigen, ob die von Meyerhoff vorgeschlagene Risikoabschätzung und ein dementsprechendes Maßnahmenbündel geeignet sind, die Häufigkeit von Stürzen zu reduzieren. Eine begleitende Kosten/Nutzen-Untersuchung könnte Erkenntnisse darüber beisteuern, welche Ergebnisse sich mit begrenzten finanziellen Mitteln erzielen lassen.

Am 19. Juli 2001 wurde die Arbeit von Dr. Carsten Meyerhoff mit dem Ulmer Public-Health-Preis 2001 ausgezeichnet. Der neu gestiftete Preis wird gemeinsam von der Universität Ulm und Dr. Friederike Bischof vergeben, ehemaliger Absolventin des Ulmer Public-Health-Studienganges und Inhaberin der Firma Health Management Consulting in Langenau.

Weitere Informationen über die Studie bei: Dr. Martina Kron, Abteilung Biometrie und Medizinische Dokumentation der Universität Ulm, Schwabstraße 13, 89075 Ulm, Tel. 0731-50-26904

Peter Pietschmann | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz im Kampf gegen Prostatakrebs entdeckt
24.05.2018 | Universität Bern

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Was einen guten Katalysator ausmacht

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Superkondensatoren aus Holzbestandteilen

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Schaltschrank-Plattform für die Energiewelt

24.05.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics