Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bewegungsstörungen von Parkinson-Patienten auf der Spur

25.02.2005


Bei lange Zeit medikamentös behandelten Parkinson- und Psychosepatienten treten z.T. massive Bewegungsstörungen auf, die nicht ursächlich auf die Krankheit, sondern auf Medikamente zurückzuführen sind. Der Leipziger Neurowissenschaftler Prof. Johannes Schwarz hat eine neue Funktion des regulatorischen Gens (RGS 9) entdeckt, dessen Fehlen bei Mäusen diese sehr häufigen und belastenden Bewegungsstörungen simulieren hilft.



RGS 9 ist nicht nur in der Netzhaut des Auges angesiedelt, sondern auch im Striatum, einer Hirnregion, in der jene Botenstoffe oder Dopamine sitzen, die Befehle des Nervensystems u.a. an das motorische System weitergeben. Hier werden unsere Bewegungen koordiniert. Das regulatorische Gen RGS 9 schaltet dabei die Signalantwort der Dopaminrezeptoren ab, und dämpft daher diese Reizweiterleitung. Wenn das Gen fehlt, wird die Signalantwort vermehrt, und es kommt folgerichtig zu unwillkürlichen Bewegungen. Eine solche Überfunktion von Dopamin-Rezeptoren war häufig als Ursache dieser Störungen angesehen worden, konnte bisher aber nicht belegt werden.

... mehr zu:
»Bewegungsstörung »Gen »Parkinson »RGS


Nachgewiesen bei Knockout-Mäusen hat das jetzt Prof. Johannes Schwarz, Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universität Leipzig. Den Mäusen fehlte das Gen RGS 9. Diese Tiere entwickelten dieselben unwillkürlichen Bewegungen, wie sie Ärzte auch bei Parkinson-Patienten und bei Schizophrenie-Patienten beobachten können, die lange Zeit mit Antiparkinson-Medikamenten bzw. mit Antipsychotika behandelt wurden. "Es ist möglich, dass insbesondere jene Patienten solche Nebenwirkungen entwickeln, die eine entsprechende Veränderung des RGS 9 haben", mutmaßt Prof. Schwarz.

Da es bei Parkinson-Patienten zu einem zunehmenden Mangel des Botenstoffes Dopamin im Gehirn kommt, das u. a. zur typischen Bewegungsarmut und Muskelsteifheit führt, versucht man dem mit speziellen Medikamenten entgegenzuwirken, die den Dopaminmangel ausgleichen sollen. Nach etwa 5-10 Jahren der Therapie entwickeln diese Patienten allerdings Bewegungsstörungen, wie sie der Leipziger Mediziner jetzt bei den Knockout Mäusen nachgewiesen hat. Auch Neuroleptika, mit denen Schizophrenie-Patienten behandelt werden, können langfristig unwillkürliche Bewegungen auslösen. Dem zu begegnen, stellt bisher eine der größten therapeutischen Herausforderungen dar.

Die Entdeckung des Leipziger Wissenschaftlers könnte der Durchbruch für die Entwicklung von Medikamenten sein, mit denen die unerwünschten Nebenwirkungen von Antiparkinson- und antipsychotischen Mitteln erfolgreich eingedämmt werden können.

"Dass RGS 9 im Striatum angesiedelt ist, erfuhr ich von der kalifornischen Arbeitsgruppe um Melvin Simon, die mit Knockout Mäusen die Signalübermittlung von Fotorezeptoren in der Retina untersuchten.", erläutert Schwarz. "Sie teilten mir mit, dass dieses Protein auch im Striatum positioniert ist, in dem der Botenstoff Dopamin eine Rolle spielt, und fragten an, ob ich damit was anfangen könne." Der Leipziger Parkinson-Spezialist konnte und entdeckte die Bedeutung von RGS 9 für die Signalantwort der Dopaminrezeptoren.

Der Funktionsnachweis von RGS 9 wurde jetzt u.a. in "The Journal of Neuroscience" veröffentlicht.

Dr. Bärbel Adams | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de/

Weitere Berichte zu: Bewegungsstörung Gen Parkinson RGS

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften