Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut erschienen

13.07.2001


Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut, STIKO, hat ihre Impfempfehlungen neu gefasst und im Epidemiologischen Bulletin 28/2001 veröffentlicht. Wesentliche Veränderungen betreffen die Pneumokokken-Impfung, die jetzt auch für unter Zweijährige mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grundkrankheit empfohlen ist, außerdem die Impfung mit einem sogenannten Konjugat-Impfstoff gegen Meningokokken (Serogruppe C) und die Impfung gegen Windpocken, wo ebenfalls der Kreis der zu Impfenden erweitert wurde. Neu sind auch eine Reihe von arbeitsmedizinischen Impf-Indikationen, darunter zum Beispiel die Empfehlung, erwachsene Beschäftigte in Pädiatrie, Infektionsmedizin und Gemeinschaftseinrichtungen gegen Keuchhusten (Pertussis) zu impfen.

"Impfungen gehören zu den wirksamsten und wichtigsten krankheitsvorbeugenden Maßnahmen der Medizin", betont Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch-Instituts. Unmittelbares Ziel der Impfung ist es, den Geimpften vor einer ansteckenden Krankheit zu schützen und das Infektionsrisiko für die Gemeinschaft zu verringern. Bei Erreichen hoher Durchimpfungsraten können einzelne Krankheitserreger eliminiert werden, sofern der Mensch einziger Wirtsorganismus ist. Die Eliminierung von Masern und der Poliomyelitis ist nach der weltweiten Ausrottung der Pocken erklärtes Ziel in Deutschland.

Die STIKO gibt Empfehlungen zur Durchführung von Schutzimpfungen und zur Durchführung anderer Maßnahmen der spezifischen Vorbeugung übertragbarer Krankheiten (§ 20 Infektionsschutzgesetz). Ihre Mitglieder werden vom Bundesministerium für Gesundheit im Benehmen mit den obersten Landesbehörden berufen. Die Impfempfehlungen werden alle ein bis zwei Jahre aktualisiert, zuletzt im Januar 2000, und im Epidemiologischen Bulletin veröffentlicht. Ausführliche Bewertungen, Begründungen und Erläuterungen zu den einzelnen Neuerungen werden in den folgenden Ausgaben des Bulletins erscheinen.

Die Änderungen im einzelnen:

Pneumokokken
Da es gegen Pneumokokken erstmals einen Konjugat-Impfstoff gibt, der ein immunologisches Gedächtnis und damit Auffrischungsimpfungen (Boostern) ermöglicht, hat die STIKO die Impfempfehlung erweitert. Eine Pneumokokken-Impfung, mit einem Konjugat-Impfstoff, wird nun auch für Säuglinge ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grundkrankheit empfohlen (zum Beispiel Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krankheiten der Atmungsorgane oder Diabetes mellitus).

Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) sind Bakterien, die u.a. eine Lungenentzündung, Blutvergiftung (Sepsis) oder Hirnhautentzündung verursachen können. Um einen optimalen Schutz zu erreichen soll die Impfserie bei den gefährdeten Kindern möglichst unmittelbar nach Vollendung des zweiten Lebensmonats begonnen werden.

Meningokokken
Die STIKO empfiehlt, in Ergänzung zur bisherigen Empfehlung bei Reisen in bestimmte Länder, erstmalig auch eine Impfung von Risikogruppen mit individuell erhöhtem Erkrankungs- und Komplikationsrisiko (zum Beispiel Personen mit Immundefekten). Präzisiert ist außerdem das Vorgehen im Zusammenhang mit Erkankungshäufungen in Einrichtungen oder bei regional erhöhtem Vorkommen. Meningokokken (Neisseria meningitides) sind Bakterien, die Hirnhautentzündung (Meningitis) und Blutvergiftung (Sepsis) verursachen. Allerdings ist bislang kein Impfstoff gegen die in Deutschland vorherrschenden Meningokokken der Serogruppe B vorhanden.

Windpocken (Varizellen)
Ergänzend zu den bereits bisher bestehenden Gründen (Indikationen) für individuell besonders gefährdete Personen, zum Beispiel Kinder mit Tumorerkrankungen, empfiehlt die STIKO die Impfung jetzt auch für alle empfänglichen (nicht immunen) Kontaktpersonen dieser Gefährdeten, außerdem bei der Neueinstellungen von empfänglichen Beschäftigten in Gemeinschaftseinrichtungen für das Vorschulalter.

Geimpft werden sollen zukünftig auch alle zwölf bis fünfzehn Jahre alte Jugendliche, die bislang weder an Varizellen erkrankt noch durch eine Impfung geschützt sind. Eine Impfung von empfänglichen Jugendlichen verhindert die in dieser Altersgruppe drohenden schweren Erkrankungsfälle und vermindert außerdem die Immunitätslücke und damit auch das Risiko, dass das Virus auf Ungeborene nicht immuner Schwangerer übertragen wird, wo es schwere Schäden verursachen kann. Auch bisher war diese Impfung bereits für empfängliche Frauen mit Kinderwunsch, sowie für Kinder mit bestimmten schweren Grunderkrankungen und deren Geschwister und Eltern sowie für medizinisches Personal mit Kontakt zu individuellen Risikogruppen empfohlen worden.

Masern, Mumps, Röteln
Erstmalig enthalten die STIKO-Empfehlungen jetzt auch Handlungsanweisungen für Impfmaßnahmen nach Kontakt mit dem Erreger von Masern, Mumps und Röteln (postexpositionelle Impfung): ungeimpfte beziehungsweise nur einmal geimpfte Kinder mit Kontakt zu Personen, die an Masern, Mumps oder Röteln erkrankt sind, sollten möglichst innerhalb von drei Tagen geimpft werden. Diese Maßnahme dient der Sicherung eines langfristigen Impfschutzes, der Schließung von Immunitätslücken und der Verhinderung der Weiterverbreitung der Erkrankung und ist somit ein Schritt auf dem Weg zur Elimination der Masern.

Heidrun Wothe | idw
Weitere Informationen:
http://www.rki.de/GESUND/IMPFEN/STIKO/STIKO.HTM
http://www.rki.de/INFEKT/EPIBULL/EPI.HTM
http://www.rki.de

Weitere Berichte zu: Impfung Konjugat-Impfstoff Masern Meningokokken Mumps STIKO

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie