Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltweit erstes Dienstleistungszentrum für die medizinische Bildanalyse bei Lebertumoren eröffnet

11.02.2005


In Bremen geht das weltweit erste Dienstleistungszentrum für die radiologische Diagnostik von Lebertumoren an den Start: MeVis Distant Services (MDS). Die Einrichtung bietet ab sofort Krankenhäusern, Arztpraxen und radiologischen Zentren an, die Daten von Computertomographie- (CT) und Magnet-Resonanz Tomographie Aufnahmen (MRT) der Leber mit einer eigens hierfür entwickelten Software zu analysieren und als dreidimensionale Gebilde darzustellen. Der Operateur kann hierdurch bereits vor der Operation die verschiedenen Operationsmöglichkeiten bezüglich der damit verbundenen Risiken vergleichen und die für diesen Patienten optimale Strategie festlegen. Chirurgen erlaubt diese neue Methode, Eingriffe an dem hochsensibeln Organ exakter zu planen und später den Erfolg der Operation zu überprüfen. Dadurch kann das Risiko bei Tumoroperationen sowie bei Leberlebend-Transplantationen deutlich gesenkt werden. Da sich Dank der schnellen und genauen Datenanalysen Falsch- oder Überbehandlungen vermeiden lassen, sparen die Kunden von MDS außerdem erhebliche Kosten. Das Dienstleistungszentrum wurde vom Centrum für Medizinische Diagnosesysteme und Visualisierung (MeVis) unter der Leitung von Professor Heinz-Otto Peitgen initiiert und in Zusammenarbeit mit über 50 klinischen Partnern auf der ganzen Welt aufgebaut. Das von MDS angebotene Software-Verfahren wird derzeit bei der U.S. Food and Drug Administration (FDA) zur Zulassung eingereicht.



Die Leber erfüllt viele lebenswichtige Aufgaben wie die Verarbeitung chemischer Substanzen, deren Speicherung und Abgabe, den Abbau von Stoffwechselprodukten und Giften sowie die Herstellung und Abgabe von Gallenflüssigkeit und Proteinen. Das Organ wird von insgesamt vier Gefäßsystemen durchzogen, die jede Leberoperation zu einem Eingriff mit hohem Risiko machen: die zu- und abführenden Blutgefäße, das Pfortadersystem und die Gallenwege. Durch die individuelle, starke Verästelung jedes einzelnen Gefäßsystems war es bislang unmöglich, trotz technisch perfekter Aufnahmen die genaue Versorgung des Organs zu erkennen. Im Regelfall konnte der Chirurg erst während eines Eingriffs über die Schnittführung entscheiden. Viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl waren erforderlich, um nach einem solchen Radikaleingriff ein funktionstüchtiges Organ zu erhalten. Mit Hilfe der modernen Software, die von MeVis entwickelt wurde, kann der Chirurg nun in Zusammenarbeit mit den Radiologen durch die dreidimensionale Darstellung des gesamten Organs genau erkennen, wie die Leber versorgt wird - und dementsprechend seinen Eingriff planen. Neben den besseren Erfolgsaussichten für Tumorpatienten sind jetzt auch die Chancen und Risiken für Spender und Empfänger bei Leber-Lebend-Transplantationen planbarer.

... mehr zu:
»Lebertumor »MDS »Organ


Die Einrichtung des Dienstleistungszentrums schließt weltweit eine Versorgungslücke. Denn in Zeiten knapper Budgets kann sich kaum ein Krankenhaus eine solch kostspielige Anlage zur Datenanalyse leisten. Dank moderner Übertragungstechnik können jetzt alle medizinischen Einrichtungen von den qualitativ hochwertigen Analyse- und Visualisierungsverfahren der Bremer profitieren. Die Bilddaten werden über eine verschlüsselte Internetverbindung nach Bremen gesendet und von den MDS-Mitarbeitern aufbereitet, analysiert und umgehend an die Auftraggeber zurück geschickt. In Notfällen kann die Dienstleistung innerhalb weniger Stunden angeboten werden.

Schon heute senden über 50 medizinische Einrichtungen aus der ganzen Welt die Aufnahmen ihrer Patienten nach Bremen. Allein in Japan, wo aus ethisch-religiösen Gründen fast ausschließlich Leber-Lebendspenden durchgeführt werden, wurden schon über 200 Datensätze aufbereitet und für erfolgreiche Operationen verwendet. Potenzielle Kunden für die neue Dienstleistung der MDS gibt es auch in Deutschland. Jedes Jahr erkranken etwa 20.000 Menschen an einem bösartigen Lebertumor.

Obwohl die Kliniken die Zielgruppe dieser neuen Dienstleistung sind, profitieren in erster Linie die Patienten von dem modernen Verfahren: "Unsere wissenschaftliche Dienstleistung kommt direkt dem Patienten zugute. Bei einem optimal verlaufenden Eingriff wird das Gewebe der größten menschlichen Drüse so gering wie möglich geschädigt. Dadurch erhöht sich der Therapieerfolg und die Heilungschancen der meist schwerkranken Menschen deutlich", erläutert Dr. Holger Bourquain, Leiter des neuen Dienstleistungszentrums MeVis Distant Services.

Der Gründung des DienstIeistungszentrums gingen intensive Forschungsarbeiten bei MeVis voran. Das Forschungs- und Entwicklungszentrum unter der Leitung des international renommierten Mathematikers und Chaos-Forschers Professor Heinz-Otto Peitgen ist seit zehn Jahren weltweit führend in der Entwicklung von Software für die Diagnose und Visualisierung von Tumorerkrankungen speziell der Brust, Leber, Lunge und des Gehirns. Im Rahmen eines zweijährigen Forschungsprojekts, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und im Dezember 2004 mit großem Erfolg abgeschlossen wurde, konnten rund 800 Leber-Datensätze für klinische Partner in 14 Ländern in Europa, den USA und Asien ausgewertet werden. Renommierte internationale Spezialisten wie Professor Tanaka im japanischen Kyoto, der weltweit die meisten Leber-Lebendspenden durchgeführt hat, empfiehlt bereits heute die MeVis-Software als Standardlösung für Leber-Lebendspenden.

Anja Schattschneider | idw
Weitere Informationen:
http://www.mevis.de

Weitere Berichte zu: Lebertumor MDS Organ

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

ICTM Conference 2017: Production technology for turbomachine manufacturing of the future

16.11.2016 | Event News

Innovation Day Laser Technology – Laser Additive Manufacturing

01.11.2016 | Event News

#IC2S2: When Social Science meets Computer Science - GESIS will host the IC2S2 conference 2017

14.10.2016 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie