Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Multiple Sklerose: "Polizisten der Immunabwehr" im Gehirn wichtig für den Entzündungsverlauf

11.02.2005


Aktuelle Veröffentlichung in "Nature Medicine": Forscher weisen im Tiermodell erstmals die Bedeutung von hirneigenen Immunzellen für den Verlauf der Multiplen Sklerose nach.


Eine Gruppe von Forscherinnen und Forschern aus Göttingen, Zürich, Köln und Berlin konnte im Tiermodell erstmalig nachweisen, das auch die Immunzellen im Gehirn entscheidend für den Verlauf der Krankheit Multiple Sklerose (MS) sein könnten. Bisher galten vor allem die Immunzellen des im Körper zirkulierenden Blutes als wichtig für die Enststehung der Entzündung im Hirn während der MS.

Über die Ergebnisse berichtet die Forschergruppe, an der unter anderem eine Göttinger Gruppe unter der Leitung von Privatdozent Dr. Marco Prinz, Abt. Neuropathologie des Bereichs-Humanmedizin - Universität Göttingen, beteiligt ist, in der Februarausgabe von Nature Medicine (Nat Med. 2005 Feb;11(2):146-52. Epub 2005 Jan 23. ).


Bei den hirneigenen immunkompetenten Zellen handelt es sich um Fresszellen oder so genannte Makrophagen. Diese hochsensiblen "Polizisten der Immunabwehr" sind im ruhenden Zustand im Gehirn diffus verteilt und können dort jegliche Veränderungen bei verschiedensten Hirnerkrankungen erkennen. Wie diese Zellen reagieren und welche Funktion sie haben, konnte die Forschergruppe jetzt erstmalig am lebenden Organismus zeigen. Sie verwendeten dabei ein Tiermodell der MS. Bei der experimentellen autoimmunen Enzephalomyelitis (EAE) kann die Erkrankung durch die zusätzliche Gabe von Hirneiweißen hervorgerufen werden.

In Tierversuchen wurden die Fresszellen des Gehirns von den Forschern genetisch so verändert, dass es möglich wurde, sie gezielt "abzuschalten". Das Ergebnis war überraschend und eindeutig: Die Tiere erkrankten weitaus weniger und zeigten kaum Entzündungsherde. Die Forscherinnen und Forscher schließen daraus, dass die hirneigenen Immunzellen eine wesentlich größere Rolle für den Verlauf der MS haben könnten als bisher angenommen. "Damit ergeben sich neue Ansätze für die Behandlungsmöglichkeiten der Multiplen Sklerose", sagt der Göttinger Neuropathologe, Privatdozent Dr. Marco Prinz.
Da die Fresszellen auch bei anderen Hirnerkrankungen wie der Alzheimer- und der Parkinson-Erkrankung sowie allen entzündlichen ZNS-Erkrankungen vermehrt auftreten, wird es nun möglich sein, deren Rolle bei diesen Erkrankungen aufzuklären.

Die laufenden Kooperationen zwischen den Instituten in Zürich, Köln, Berlin und Göttingen werden diese Erkrankungen weiter untersuchen.

Weitere Informationen:

Privatdozent Dr. Marco Prinz
Abt. Neuropathologie
Bereich Humanmedizin - Universität Göttingen
Telefon 0551 39-14340
email: mprinz@med.uni-goettingen.de

Georg-August-Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit - Stefan Weller
Robert-Koch-Str. 42 - 37075 Göttingen
Tel.: 0551/39 - 99 55 - Fax: 0551/39 - 99 57
e-mail: presse.medizin@med.uni-goettingen.de

Stefan Weller | idw
Weitere Informationen:
http://www.nature.com/nm/index.html
http://www.med.uni-goettingen.de

Weitere Berichte zu: Fresszelle Immunabwehr Immunzelle Multiple Sklerose Tiermodell

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Signal-Shaping macht Bits und Bytes Beine

23.11.2017 | Förderungen Preise

Maximale Sonnenenergie aus der Hausfassade

23.11.2017 | Architektur Bauwesen

Licht ermöglicht „unmögliches“ n-Dotieren von organischen Halbleitern

23.11.2017 | Energie und Elektrotechnik