Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

AIDS ist nicht heilbar, Tuberkulose ist weltweit auf dem Vormarsch

10.02.2005


Die Bedrohung durch alte und neue Infektionskrankheiten steht im Mittelpunkt des ersten Leibniz-Forums - Leibniz-Gemeinschaft bringt Bürger und Experten zusammen


Die Bedrohung durch Infektionskrankheiten kennt keine Grenzen. Das hat die rasante Ausbreitung des SARS-Erregers im vergangenen Jahr dramatisch gezeigt: Vor wenigen Wochen hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre Warnung vor der gefürchteten Vogelgrippe erneuert. Wie groß ist die Gefahr? Wie sieht wirksamer Schutz vor Infektionskrankheiten aus? Vor welchen Herausforderungen stehen Weltgemeinschaft und nationale Gesundheitssysteme? Das erste Leibniz-Forum gibt am Montag, 14. Februar, um 19:00 Uhr in der Handelskammer Hamburg einige Antworten. Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, mit namhaften Experten zu diskutieren und von neuesten Forschungsergebnissen zu erfahren.

Nicht alle Erreger sind so harmlos wie die Verursacher eines Schnupfens, der viele in diesen Wochen heimsucht. In den letzten 40 Jahren wurde die Weltgemeinschaft immer wieder mit neuen Erregern und durch sie verursachten lebensbedrohlichen Krankheiten konfrontiert. Das reicht von AIDS über Ebola bis hin zu SARS. Bernhard Fleischer, Direktor des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg, erklärt: "Es gibt leider keinen Grund anzunehmen, dass sich dies in Zukunft ändern wird. Neue Erreger werden immer wieder auftauchen." Deshalb müsse die Welt auch weiterhin auf den Ausbruch neuer Seuchen vorbereitet sein. "Wir brauchen Isoliermöglichkeiten in speziellen Kliniken und eine ausreichende Zahl von Ärzten, die in der Infektiologie ausgebildet sind", so Fleischer. Dieses medizinische Fachgebiet sei jedoch lange vernachlässigt worden. Die Forschung müsse nach vielseitig einsetzbaren Diagnoseverfahren suchen, mit denen auch neuartige Erreger identifiziert werden könnten. "Wir wissen schon jetzt, dass es viele Viren gibt, die nur deshalb keinen Namen haben, weil sie noch nicht zu schwerwiegenden Erkrankungen geführt haben", gibt der BNI-Direktor zu bedenken.


Doch auch "alte Bekannte" bereiten den Medizinern Sorge. So feiert die auf allen Kontinenten verbreitete Tuberkulose derzeit ein "leises" Comeback. Jedes Jahr werden mehr als acht Millionen Neuinfektionen gezählt, weltweit sterben jährlich zwei Millionen Menschen an der Infektionskrankheit. Sabine Rüsch-Gerdes, Leiterin des Nationalen Referenzzentrums für Mykobakterien und Wissenschaftlerin am Forschungszentrum Borstel (FZB), ist als Fachfrau für Tuberkulose weltweit gefragt. Sie weiß, wie der Kampf gegen die Seuche gewonnen werden kann: "Das beste Mittel gegen die Ausbreitung der Tuberkulose ist die Unterbrechung von Infektionsketten, um das Entstehen neuer Stämme zu verhindern." Doch Armut, Korruption, Geldmangel und fehlende medizinische Infrastruktur behindern in vielen Regionen der Welt den Kampf gegen Tuberkulose. Dabei sind die Kosten für die Therapie tragbar. Rüsch-Gerdes: "Die Gesundheitssysteme in stark betroffenen Ländern müssen stabilisiert werden. Dort zu helfen, ist die beste Prävention für Deutschland."

Auch AIDS ist eine Infektionskrankheit, die weiter auf dem Vormarsch ist. Der HI-Virus hat nichts von seiner Bedrohung verloren. Die Zahl der Neuinfektionen steigt. Fatal ist die bei Jugendlichen verbreitete Meinung, es gebe wirksame Medikamente gegen die Krankheit. Joachim Hauber, Direktor des Heinrich-Pette-Instituts für Experimentelle Virologie und Immunologie (HPI) an der Universität Hamburg, räumt mit diesem Irrtum auf: "AIDS ist nicht heilbar. Therapien bei HIV-Infektionen müssen lebenslang durchgeführt werden. Und die derzeitig verfügbaren Medikamente zeigen teilweise starke giftige Nebenwirkungen." Eine besondere Gefahr gehe von der steigenden Zahl resistenter Viren aus. Bei ihnen versagen die bekannten Wirkstoffe. Joachim Hauber sieht Forschung, Politik und Pharmaindustrie in einer gemeinsamen Verantwortung: "Es werden dringend neue und verbesserte Wirkstoffe benötigt. Nur durch eine verstärkte HIV-Grundlagenforschung ist dies möglich."

Infektionskrankheiten, die vor geographischen und politischen Grenzen nicht Halt machen, erfordern zu ihrer Eindämmung Maßnahmen, die global ansetzen. Wolfgang Hein koordiniert am Deutschen Übersee-Institut (DÜI) in Hamburg die Forschungsgruppe "Globalisierung, soziale Entwicklung und der Gesundheitssektor". Er verweist auf den Zusammenhang von Ökonomie und Gesundheitsvorsorge: "Globalisierung hat zahlreiche positive Aspekte, doch wird auch die Kehrseite globaler Ungleichheit sichtbarer, wie zum Beispiel Armut und neue Gefahren durch Infektionskrankheiten. Da in einigen Regionen eine Art Teufelskreis zwischen Armut und Krankheit besteht, sieht sich die internationale Gemeinschaft herausgefordert, globale Anstrengungen zur Lösung dieses Problems zu unternehmen." Hein untersucht mit seinen Kolleginnen und Kollegen im Forschungsprojekt "Global Health Governance" Fragen der Kooperation und mögliche Konflikte zwischen internationalen Organisationen, Staaten sowie zivilgesellschaftlichen und privatwirtschaftlichen Akteuren im Kampf gegen AIDS. Denn wirksame Strategien können nur gemeinschaftlich entwickelt und umgesetzt werden.

Das Leibniz-Forum ist eine neue Veranstaltungsreihe der Leibniz-Gemeinschaft in Zusammenarbeit mit der Financial Times Deutschland. Zweimal im Jahr bietet es Bürgerinnen und Bürgern kostenlose Informationen zu aktuellen wissenschaftlichen Fragen. Hochrangige Experten aus den Instituten der Gemeinschaft stehen Rede und Antwort. Leibniz-Präsident Hans-Olaf Henkel ermutigt die Wissenschaftler, sich für den Dialog zwischen Experten und Laien einzusetzen. "Gegen globale Seuchen hilft nur globales Wissen. Die Experten müssen raus aus dem Elfenbeinturm", so Henkel.

Das erste Leibniz-Forum trägt den Titel "Tuberkulose, AIDS, SARS - die neuen Plagen".

Termin: Montag, 14. Februar, 19.00 Uhr
Ort: Handelskammer Hamburg, 20457 Hamburg, Adolphsplatz 1
Eintritt frei

Auf dem Podium:

  • Prof. Dr. Bernhard Fleischer, Direktor des Bernhard-Nocht-Instituts für

Tropenmedizin

  • Prof. Dr. Joachim Hauber, Direktor des Heinrich-Pette-Instituts für

Experimentelle Virologie und Immunologie

  • Dr. Sabine Rüsch-Gerdes, Leiterin des Nationalen Referenzzentrums für

Mykobakterien, Forschungszentrum Borstel

  • Prof. Dr. Wolfgang Hein, Koordinator der Forschungsgruppe "Globalisierung, soziale Entwicklung und der Gesundheitssektor", Deutsches Übersee-Institut

Grußworte:

  • Jörg Dräger, Präses der Behörde für Wissenschaft und Gesundheit, Hamburg
  • Hans-Olaf Henkel, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft

Moderation:

  • Christian Herbst, Financial Times Deutschland

Das Leibniz-Forum ist eine Diskussionsreihe der Leibniz-Gemeinschaft in Zusammenarbeit mit der Financial Times Deutschland.

Rückfragen:

Dr. Frank Stäudner
Tel.: 030/20 60 49 42
Fax: 030/20 60 49 55
E-Mail: staudner@leibniz-gemeinschaft.de

Dr. Frank Stäudner | idw
Weitere Informationen:
http://www.leibniz-gemeinschaft.de

Weitere Berichte zu: Aids Infektionskrankheit Seuche Tuberkulose

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aromatherapie bei COPD
12.05.2015 | Airnergy AG

nachricht Chronische Wunden können heilen
16.10.2017 | Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum - Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Im Focus: Kalte Moleküle auf Kollisionskurs

Mit einer neuen Kühlmethode gelingt Wissenschaftlern am MPQ die Beobachtung von Stößen in einem dichten Strahl aus kalten und langsamen dipolaren Molekülen.

Wie verlaufen chemische Reaktionen bei extrem tiefen Temperaturen? Um diese Frage zu beantworten, benötigt man molekulare Proben, die gleichzeitig kalt, dicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

17.10.2017 | Physik Astronomie

Partnervermittlung mit Konsequenzen

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungsnachrichten