Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Antidepressiva können Babys abhängig machen

04.02.2005


Entzugserscheinungen nach der Geburt



Nehmen Schwangere Antidepressiva zu sich, können ihre Babys nach der Geburt Entzugserscheinungen haben. Wissenschaftler der Universität von La Laguna haben herausgefunden, dass die Einnahme von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) schädlich für das Baby sein kann, berichtet das Wissenschaftsmagazin The Lancet.

... mehr zu:
»Antidepressivum »Paroxetin »SSRI


Ärzte sollten SSRI nicht mehr an schwangere Frauen verschreiben, oder zumindest vorsichtig damit umgehen, so die Wissenschaftler. In den vergangenen sieben Jahren wurden SSRI als Standardbehandlung für Depressionen eingesetzt. Es war aber bekannt, dass beim Absetzen des Medikaments Entzugserscheinungen auftreten können. Eine Studie der Universität La Laguna zeigt nun, dass ungeborene Babys demselben Risiko ausgesetzt sind wie die Mütter, die mit SSRI behandelt werden. Kommen diese Babys auf die Welt, sind Entzugserscheinungen keine Seltenheit - die Babys zucken, sind extrem reizbar, weinen abnormal viel und zittern.

Die spanischen Wissenschaftler überprüften die Datenbank der World Health Organization WHO auf nachteilige Medikamentenreaktionen im Zusammenhang mit dem Gebrauch von SSRI. Seit November 2003 traten 93 Fälle auf, in denen Babys Entzugserscheinungen hatten. In 64 Fällen waren die Mütter mit Seroxat (Paroxetin) behandelt worden, in 14 mit Prozac (Fluoxetin), in neun mit Setralin und in sieben mit Citalopram. Die Medikamentendosis war nur bei 13 Paroxetin-Fällen angegeben. Sie reichte von zehn bis 50 Milligramm pro Tag. Die Behandlungszeit war nur bei acht Fällen angegeben - sie erstreckte sich von vier Monaten bis hin zu fünf Jahren.

Emilio Sanz, Leiter der Studie: "Die Ergebnisse zeigen, dass Entzugserscheinungen bei der Behandlung mit Paroxetin ein größeres Problem darstellen als bei den anderen Medikamenten. Paroxetin sollte nicht in der Schwangerschaft angewendet werden. Wenn es unbedingt sein muss, dann nur in der kleinstmöglichen Dosis. Auch mit den anderen Antidepressiva sollte sehr vorsichtig umgegangen werden." Forscher der Yale Universität finden es hingegen falsch, Entzugserscheinungen nur mit Paroxetin in Verbindung zu bringen. Vladislav Ruchkin meint: "Diese neuen Erkenntnisse könnten das Ende der SSRI-Ära einläuten. Solange die Forschungsergebnisse nicht widerlegt werden können, sollte man auf eine Therapie ohne Medikamente zurückgreifen."

Sheila Moser | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ull.es
http://www.thelancet.com

Weitere Berichte zu: Antidepressivum Paroxetin SSRI

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften