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Neue Studie zeigt: Vermehrter Schilddrüsenhormonbedarf bei Frauen die mit Östrogenen behandelt werden

10.07.2001


Die Sektion Schilddrüse der Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie warnt vor den Folgen einer zu geringen Schilddrüsenhormonsubstitution

Mehr als 2% aller Frauen (ca. 500.000 bundesweit) müssen in Deutschland wegen Funktionsstörungen der Schilddrüse lebenslang Schilddrüsenhormon einnehmen. Eine aktuelle Untersuchung (1) zeigt, dass bei gleichzeitiger Anwendung von Östrogenen, z.B. zur Empfängnisverhütung oder als Hormonersatzbehandlung, sich eine Unterfunktion der Schilddrüse entwickeln kann. In der zitierten Studie waren es 40% aller Frauen, bei denen eine Unterfunktion auftrat.

Folgen einer Unterfunktion sind:

  • Zentralnervensystem: Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kraftlosigkeit, Konzentrationsschwäche
  • Haut: trockene, kühle Haut
  • Herzkreislauf: fehlende Belastbarkeit, langsamer Herzschlag,
  • Stoffwechsel: Gewichtszunahme, Verstopfung, ständiges Frieren, Anstieg des Cholesterins

Ursache der Unterfunktion unter Östrogenen ist eine Vermehrung von Bindungseiweißen im Blut. Bindungseiweiße sind für den Transport von Schilddrüsenhormon zu den Organen verantwortlich. Durch die Zunahme der Bindungseiweiße kommt es zu einer stärkeren Bindung von Schilddrüsenhormon. Dadurch wird weniger Schilddrüsenhormon in den Geweben freigesetzt.

Berücksichtigt man die Häufigkeit einer Östrogenverordnung (die "Pille" ist immerhin Verhütungsmittel Nr. 1 in Deutschland), lässt sich die erhebliche Bedeutung für die Frauengesundheit abschätzen. Deshalb sollte bei Frauen mit Schilddrüsenhormoneinnahme die Verordnung von Östrogenen zu einer sorgfältigen Überwachung der Schilddrüsenfunktion Anlass geben (2).

Besonderes Augenmerk muss auch auf die Schilddrüse von schwangeren Frauen gelegt werden. Liegt bereits vor der Schwangerschaft eine Unterfunktion vor, muss die Schilddrüsenhormondosis um bis zu 50% gesteigert werden, da es durch die von der Placenta gebildeten Östrogene zu gesteigerter Bildung der Bindungseiweiße kommt mit Abfall der Schilddrüsenhormonspiegel. Hierdurch ist die Versorgung des werdenden Kindes mit Schilddrüsenhormon gefährdet, was zu Entwicklungsverzögerung und Intelligenzminderung führen kann (3, 4). Deshalb wird in manchen Ländern eine generelle Überprüfung der Schilddrüsenfunktion in der Schwangerschaft empfohlen.

Literatur:

  1. Arafah BM. Increased need for thyroxine in women with hypothyroidism during estrogen therapy. N Engl J Med. 2001 Jun 7;344(23):1743-9.

  2. Utiger RD. Estrogen, thyroxine binding in serum, and thyroxine therapy. N Engl J Med. 2001 Jun 7;344(23):1784-5.

  3. Haddow JE, Palomaki GE, Allan WC, Williams JR, Knight GJ, Gagnon J, O’Heir CE, Mitchell ML, Hermos RJ, Waisbren SE, Faix JD, Klein RZ. Maternal thyroid deficiency during pregnancy and

    subsequent neuropsychological development of the child. N Engl

    J Med. 1999 Aug 19;341(8):549-55.

  4. Pop VJ, Kuijpens JL, van Baar AL, Verkerk G, van Son MM, de Vijlder JJ, Vulsma T, Wiersinga WM, Drexhage HA, Vader HL. Low maternal free thyroxine concentrations during early pregnancy are associated with impaired psychomotor development in infancy. Clin Endocrinol (Oxf). 1999 Feb;50(2):149-55.

Pressestelle | ots

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