Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Orakel des Unheils im Herzen

04.02.2005


Das direkt in den Adern hergestellte Protein CRP könnte eng mit der Arteriosklerose zusammen hängen, hat Dr Wolfram Jabs ermittelt

Das Kürzel CRP steht für heiße Diskussionen in der Medizin - vor allem, weil die Experten innig die Frage diskutieren, ob die Blutwerte des Moleküls das Herzinfarktrisiko eines Menschen vorhersagen. Ungeachtet dessen weiß bislang niemand, welche Rolle das "C-reaktive Protein" bei der Entstehung der Arteriosklerose ("Arterienverkalkung") eigentlich spielt. Eher die eines Schurken? Oder eher die eines Wohltäters? Oder gar keine? Auf der Suche nach Antworten beleuchtet Dr. Wolfram Jabs, Juniorprofessor für Transplantationsimmunologie an der Medizinischen Hochschule Lübeck, nicht die Blutwerte des Proteins, sondern seine Funktion in der Gefäßinnenwand. Der Forscher hat erste Hinweise, wonach das dort produzierte CRP mit Ausmaß und Entwicklung der Arteriosklerose zusammen hängen könnte. Für seine Leistungen wird er jetzt mit einem Graduierten-Stipendium der Nürnberger Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung ausgezeichnet.

Jahrelang dachten Mediziner, dass ausschließlich die Leber bei diversen krankhaften Prozessen CRP bildet und ins Blut ausschüttet. "Das haben wir erstmals widerlegt" sagt Jabs. Demnach wird das Protein vor allem bei Entzündungen, aber auch bei bestimmten Tumoren in den betroffenen Geweben und Organen selbst produziert - etwa in den Nieren, aber auch in den Muskelzellen der Gefäßinnenwand. Genau dort entsteht die Arteriosklerose. Offenbar sind die verhängnisvollen "Verkalkungen" in den Adern Folge einer stetig fortschreitenden Entzündung: In die Gefäßinnenwand wandern spezielle Immunzellen ein, die sich zusammen rotten und haufenweise schädliches Fett einlagern. So wächst eine entzündliche Ablagerung heran. Wenn sie zerreißt, kann sie im Herzen eine der hauchdünnen Arterien verstopfen. Ergebnis: der Infarkt.

Offenbar stellen stark geschädigte Gefäße besonders viel CRP her, wie Jabs entdeckt hat - die reine Massenproduktion. Aber auch "die Muskelzellen vermeintlich gesunder Venen produzieren das Molekül", staunt der Preisträger nach einer seiner jüngsten Untersuchungen. Dabei werden gerade diese Venen für eine "Bypass-Operation" verwendet: Um ein verstopftes Herzkranzgefäß zu umgehen, entfernen die Ärzte eine offenkundig gesunde Beinvene und nähen sie unterhalb des Engpasses in die Herzkranzarterie ein. Wenn aber die Venen nur scheinbar gesund sind, steigt womöglich das Risiko, dass sie auch im Herzen schneller wieder verstopfen. Deutet die gesteigerte CRP-Produktion in den Venen die drohende Arteriosklerose an - sozusagen als Orakel des Verhängnisses im Herzen? Oder versuchen sich umgekehrt die Gefäße mit Hilfe des CRP vor weiterer Entzündung zu schützen? Bislang sind die Daten über die Funktion des Proteins widersprüchlich.

Um Klarheit zu schaffen, wollen Wolfram Jabs und seine Kollegen jetzt systematisch beleuchten, ob und wie die CRP-Produktion in den Venen vor der Transplantation Hinweise auf eine zukünftige Arteriosklerose erlaubt. Sollte CRP tatsächlich die Erkränkung begünstigen, "könnten entzündungshemmende Konzepte in die Vorbeugung der Bypass-Arteriosklerose einbezogen werden, sagt Jabs. Denkbar ist eine Behandlung mit den vor allem als Fettsenkern bekannten "Statinen", die nach jüngsten Erkenntnissen wahrscheinlich die CRP-Herstellung regulieren. Eine andere Möglichkeit wäre ein Schnelltest, der vor der Operation die CRP-Produktion in den Wänden der Venen ermittelt, um wirklich das beste Transplantat zu finden - damit der Bypass länger hält.

Die Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung in Nürnberg gehört zu den ältesten und größten Unternehmensstiftungen in Deutschland. Ihr Stiftungsvolumen umfasst jährlich etwa 650.000 Euro.

Dr. Michaela Paudler-Debus | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.pharma.novartis.com

Weitere Berichte zu: Arteriosklerose CRP Protein Vene

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie