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Frühere Erkennung und bessere Therapie

04.02.2005


Klinische Forschergruppe für Gastrointestinale Tumorforschung

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»Krebszelle »Verdauungsorgan

In Deutschland erkranken jährlich mehr als 100.000 Menschen an einem bösartigen Krebsleiden der Verdauungsorgane. Hierzu zählen Tumoren der Speiseröhre, des Magens, des Dünn- und Dickdarms, der Leber, der Bauchspeicheldrüse sowie der Gallenblase und Gallenwege - fast ein Drittel aller neu festgestellten Krebsleiden. Immer noch ist die Diagnose einer Tumorerkrankung in vielen Fällen mit einer schlechten Prognose verbunden, da vor allem in fortgeschritteneren Erkrankungsstadien wirkungsvolle Therapieverfahren meist fehlen. Insgesamt versterben daher fast zwei Drittel aller Betroffenen an dem Krebsleiden. Um die Häufigkeit und die Sterblichkeit an bösartigen Tumoren der Verdauungsorgane zu senken, müssen die Erkrankungen zum einen früher erkannt, zum anderen müssen die Behandlungsmöglichkeiten verbessert werden. Grundlagen für neue kausale Therapieansätze können geschaffen werden, wenn die molekularen Ursachen der Tumorerkrankungen identifiziert und erforscht werden. In Tumorzellen findet sich ein komplexes Nebeneinander von verschiedenen Veränderungen, die sich zum Teil gegenseitig bedingen. Hierzu zählen unter anderem die Aktivierung von Krebsgenen, sogenannten Onkogenen, die Ausschaltung von Tumorsuppressorgenen, die Unterdrückung des programmierten Zelltodes, überschiessendes und organüberschreitendes Wachstum sowie die Aktivierung der Tumorgefässneubildung.
In der Betreuung von Patienten mit Tumoren des Gastrointestinaltraktes ist die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachdisziplinen wie Innerer Medizin, Chirurgie und Radiologie heute meist fest etabliert. Nur durch diese Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinweg lässt sich eine optimale Behandlung der Patienten erreichen. So wie in der klinischen Betreuung müssen auch in der Erforschung dieser Tumoren verschiedene Spezialisten zusammenarbeiten. Jeder für sich ist nur in der Lage, einen kleinen Ausschnitt des Ganzen zu untersuchen. Aus diesem Grunde haben sich unter der Leitung der Medizinischen Klinik II Ärzte und Wisenschaftler des Klinikums der Universität München zusammengefunden, um gemeinsam zentrale Aspekte der Entstehung von bösartigen Tumoren der Verdauungsorgane zu erforschen. Nach einem deutschlandweiten und sehr kompetitiven Auswahlverfahren wird diese Initiative nun durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft durch die Einrichtung einer Klinischen Forschergruppe für Gastrointestinale Tumorforschung am Klinikum der Universität München unterstützt.

Sechs Arbeitsgruppen des Klinikums und des Genzentrums der Universität München bilden die Klinische Forschergruppe für Gastrointestinale Tumorforschung. Jede der Arbeitsgruppen der Klinischen Forschergruppe ist auf ihrem Forschungsgebiet international ausgewiesen.

Dickdarm

Die Arbeitsgruppe um Dr. Kolligs (Medizinische Klinik II) beschäftigt sich mit Veränderungen der Expression von Genen und Proteinen im Dickdarmkrebs. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Untersuchung des ersten Schrittes der Entartung von normalem zu bösartigem Darmgewebe. Die Arbeitsgruppe um Privatdozent Dr. Höflich (Institut für Molekulare Tierzucht und Biotechnologie) beschäftigt sich ebenfalls mit der Entstehung von Dickdarmkrebs, sein besonderes Interesse gilt Faktoren, die das Tumorwachstum anregen.

Leber

Die Arbeitsgruppe um Dr. Eichhorst und Dr. De Toni (Medizinische Klinik II) arbeitet an der Untersuchung der Mechanismen, mittels derer sich Leberkrebszellen der normalen Regulation entziehen und unsterblich werden. Dies ist ein wichtiger Schritt in der Entstehung von Leberkrebs.

Bauchspeicheldrüse

Die Forschung von Privatdozentin Christiane Dr. Bruns (Chirurgische Klinik) konzentriert sich auf die Fähigkeit von Krebszellen, die Neubildung von Blutgefässen anzuregen. Diese Eigenschaft von Tumoren ist eine zentrale Voraussetzung zur Versorgung mit Nährstoffen und zum weiteren Tumorwachstum. Der Schwerpunkt ihrer Forschung liegt dabei auf dem Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Genexpression und Eiweiße

Dr. Blum (Leiter der Abteilung Genomics) hat mit seiner Arbeitsgruppe spezielle Verfahren zur differenziellen Untersuchung von Veränderungen der Genexpression entwickelt. Mit hoher Empfindlichkeit lassen sich so Unterschiede zwischen normalen und Krebszellen detektieren. Dr. Arnold (Leiter der Abteilung Proteomics) und seine Gruppe verfügen über spezielle Erfahrungen und Expertisen in der Untersuchung von Eiweißen. Darüber hinaus haben sie ein einzigartiges Verfahren zur Generierung von Antikörpern gegen neu entdeckte Eiweiße entwickelt.

Ziel der Klinischen Forschergruppe ist es, zentrale Mechanismen der Entstehung von Dickdarm-, Leberzell- und Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erforschen. Durch moderne Methoden der Genom- und Proteomforschung sollen wichtige Charakteristika von Krebszellen im Vergleich zu ihren gesunden Vorläuferzellen identifiziert werden. Molekular- und zellbiologische Forschung soll dann die Bedeutung dieser tumorspezifischen Veränderungen für die Krebszelle erarbeiten. Durch die intensive Zusammenarbeit und enge Vernetzung der unterschiedlich spezialisierten wissenschaftlichen Arbeitsgruppen lassen sich Fragestellungen bearbeiten, die keine der Gruppen hätte alleine bearbeiten können. Diese gemeinsame Bearbeitung verschiedener Aspekte der Entstehung und Ausbreitung von bösartigen Tumoren des Verdauungstraktes wird so nicht nur die Erforschung komplexerer Zusammenhänge ermöglichen. Durch die enge Verknüpfung von wissenschaftlich tätigen Ärzten und Grundlagenforschern in der Forschergruppe können die gewonnenen Ergebnisse auch rascher in klinischen Forschungsprojekten und klinischen Studien umgesetzt werden. In dieser neu eingerichteten Klinischen Forschergruppe am Klinikum der Universität München werden so klinische Fragestellungen in interdisziplinären Projekten bearbeitet. Die Früchte dieser Arbeit werden später hoffentlich zu neuen therapeutischen Ansätzen führen.

Bei Rückfragen steht Ihnen zur Verfügung:

Dr. Frank Kolligs, Telefon 089-7095- 3130

S. Nicole Bongard | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

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