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Verpflanzter Muskel kann Menschen mit Armlähmung helfen

02.02.2005


Optimiertes Operationsverfahren jetzt im "Journal of Bone and Joint Surgery"


Eine verbesserte Operationstechnik beim so genannten Trapezius-Transfer sorgt dafür, dass das Schultergelenk stabilisiert wird und Patienten mit einer Armlähmung Hand und Ellenbogen besser koordinieren können. Dieses Ergebnis eines Teams um Privatdozent Dr. Oliver Rühmann, Abteilung Orthopädie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) im Annastift, wird jetzt im angesehenen Fachmagazin "Journal of Bone and Joint Surgery" veröffentlicht. "Muskelverlagerungen an der Schulter, aber auch an Ellbogen und Hand, führen wir in Hannover seit 1994 durch und sind in Deutschland eines der wenigen Zentren für diese Eingriffe", sagt Dr. Rühmann.

Bei den zumeist jungen Patienten handelt es sich häufig um Motorradfahrer: Durch einen Unfall kann bei ihnen das Nervengeflecht für Arm und Schulter (Armplexus) zerreißen. Die Folge: Die Muskeln verkümmern, es kommt zur Teilverrenkung im Schultergelenk, der Arm hängt schlaff herunter und kann nicht mehr kontrolliert werden.


Hier hilft eine spezielle Operation: der Trapezius-Transfer. Dabei lösen Ärzte zunächst den Muskel der Schulterkappe ab, den Deltamuskel (M. deltoideus), anschließend den Kapuzenmuskel (M. trapezius) am körperfernen Ende. Der Kapuzenmuskel, der zwischen Hals und Schulter liegt, wird danach auf den Oberarmknochen verpflanzt und schließlich mit dem Deltamuskel vernäht. Spannen die Patienten nach dem Eingriff den Kapuzenmuskel an, wird auch der Arm bewegt.

Der Deltamuskel wurde bisher mehr oder weniger locker auf den Kapuzenmuskel genäht. Die neue OP-Technik erleichtert später den Alltag der Patienten: Der Deltamuskel wird zur Übertragung von Kraft benutzt und deshalb unter besonders starkem Zug soweit wie möglich halswärts wieder angenäht. Das führt dazu, dass der intakte Kapuzenmuskel zusätzlich Kraft über den Deltamuskel auf den Oberarmknochen überträgt.

"Patienten können so den Arm besser bewegen und das Schultergelenk wird stabiler als bei der herkömmlichen OP-Technik", sagt Dr. Rühmann. "Vor allem ist es den Betroffenen wieder möglich, den Arm zu kontrollieren und im Raum zu positionieren. Das hohe Maß an Zufriedenheit bei den Patienten lässt sich unter anderem dadurch erklären, dass selbst kleinste Verbesserungen bei diesen schwerwiegenden Behinderungen das alltägliche Leben verbessern." Zwischen März 1994 und Juni 2003 erhielten insgesamt 80 Patienten in Hannover einen Trapezius-Transfer. Dabei handelt es sich um die weltweit höchste veröffentlichte Anzahl. Das Durchschnittsalter der elf Frauen und 69 Männer lag bei 31.

Weitere Informationen gibt gern Privatdozent Dr. Oliver Rühmann, Abteilung Orthopädie der MHH im Annastift, Telefon: (0511) 5354-340, E-Mail: ruehmann@annastift.de.

Dr. Arnd Schweitzer | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de/

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