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Strahlenquelle im Herzkranzgefäß

09.07.2001


Die Operation war erfolgreich: Engstellen in den Herzkranzgefäßen sind beseitigt, die akute Gefahr eines Infarkts ist gebannt. Doch einige Monate oder auch ein Jahr später wird die Blutzufuhr an genau denselben Stellen wieder abgeschnürt. Neue Risikofaktoren entstehen zugleich mit dem Eingriff, der Abhilfe schafft. Bis zur Hälfte der Patienten haben deshalb mit einem Rückfall zu rechnen, wenn Koronararterien geweitet werden müssen. Eine Strahlenquelle, die in die Blutgefäße eingeführt werden kann und intensive, auf geringe Distanz wirksame Strahlung abgibt, könnte diesen Prozentsatz erheblich verringern. Am Klinikum der Universität Erlangen-Nürnberg wird der Einsatz eines solchen Systems erprobt - bisher durchgängig mit ermutigenden Ergebnissen.

Aus USA wurden bereits Erfolge der Therapie gemeldet, die eine Gefäßerweiterung (Koronarangioplastie) mit einer Bestrahlung kombiniert. Dagegen gibt es in Deutschland nicht viele Erfahrungen mit dieser neuen Behandlungsmethode. In Erlangen begann die Kooperation der Medizinischen Klinik II und der Klinik für Strahlentherapie mit einer Verlaufsbeobachtung. "Unter 15 Patienten, die wir auf diese Weise behandelt haben, gab es zwölf Monate später keinen einzigen Fall, bei dem die Herzarterien wieder verengt waren", berichtet Priv.-Doz. Dr. Vratislav Strnad, der zusammen mit Priv.-Doz. Dr. Josef Ludwig eine Studiengruppe zu der neuen Therapie leitet. Nun beginnt eine weitere, umfassendere Untersuchung, die zufallsbedingte Verfälschungen der Ergebnisse ausschließen soll.

Als Strahlentherapeut ist Dr. Strnad in der Forschungskooperation für den Teil der Behandlung zuständig, der den Namen "Brachytherapie" erhalten hat, abgeleitet vom griechischen Wort für "kurz", da die eingesetzte Strahlung nur sehr begrenzte Reichweite hat. Am Universitätsklinikum wird dazu ein neues technisches System der Firma Novoste verwendet, eine Strahlenquelle, die hydraulisch in einem Katheter an den Zielort in der Arterie gebracht und ebenso wieder entfernt wird. Sie enthält Strontium-90 oder Yttrium-90, Substanzen, die Beta-Strahlung abgeben.

Nur wenige Minuten lang wirkt die Strahlung von der Innenseite auf das eben erweiterte Gefäß ein. Diese kurze Zeit genügt, um einen Prozess zu unterbinden oder zumindest zu bremsen, der zur Rezidiv-Stenose, der neuerlichen Verengung, wesentlich beiträgt. Beim Erweitern der Arterien kann die innerste Schicht der Gefäßwand leicht verletzt werden. Winzige Risse entstehen, und der Organismus versucht gegenzusteuern - zunächst durch Blutgerinnung, dann durch neugebildete Zellen, die aus den äußeren Schichten einwandern. Der Selbstheilungsmechanismus baut damit erneut eine Engstelle auf. Die Strahlendosis soll deshalb den umliegenden Zellen die Fähigkeit zu übermäßigem Wachstum nehmen.

Ballons und stützende Röhren

Das Ziel der Koronarangioplastie, die dauerhafte Versorgung des Herzmuskels mit sauerstoffhaltigem Blut zu sichern, kann auch durch andere Vorgänge vereitelt werden. Nach der Ballondilatation, bei der ein kleiner, zylindisch geformter Ballon an den rechten Ort gebracht und aufgeblasen wird, fällt das Gefäß manchmal an der behandelten Stelle spontan in sich zusammen. In anderen Fällen vernarbt das Gewebe, die Arterie verhärtet sich und schrumpft.

Um dem vorzubeugen, sichern Kardiologen die Aufweitung immer häufiger durch röhrenförmige Gefäßstützen ab, sogenannte Stents. Sie verhindern, dass die Arterie kollabiert, und halten die Gefäßschrumpfung auf. Die Quote der Rückfälle kann damit auf 25 bis 30 Prozent gesenkt werden, wenn auch nur bei ausreichend großen Gefäßen und deutlich abgegrenzten Engstellen. Gegen unerwünschtes Zellwachstum helfen Stents allerdings nicht; im Gegenteil verstärken sie sogar die Neubildung von Gewebe, wachsen ein und komplizieren dadurch möglicherweise notwendige Nachfolge-Eingriffe.

Beta-Strahlung bevorzugt

Stents werden in den Studien am Erlanger Universitätsklinikum ebenfalls eingesetzt, doch nun durch die Bestrahlungstherapie ergänzt, die das "Zuwachsen" der Herzarterien abblocken soll. Hochenergetische Beta-Strahler mit niedriger Eindringtiefe wurden wegen mehrerer Vorteile anderen Möglichkeiten vorgezogen. Die Strahlen wirken örtlich begrenzt, dort, wo sie wirksam sein sollen, und die Behandlungsprozedur wird nur um eine kurze Frist verlängert. Das medizinische Personal muss nicht entweder riskieren, eine Dosis der Strahlung aufzufangen, oder größtenteils vorsichtshalber den Raum verlassen.

Schätzungsweise 350.000 Patienten mit schweren Durchblutungsstörungen könnte die Koronarangioplastie mit Brachytherapie in Deutschland jährlich vor dem Herzinfarkt bewahren. Wenn die Wirksamkeit der Brachytherapie sich bestätigt, steigt für viele von ihnen die Chance, dass das Herz noch jahrelang zuverlässig weiterarbeiten wird. Für Dr. Strnad ist auch die Behandlung von Dialysepatienten oder von verengten Blutgefäßen in den Beinen mit diesem Verfahren denkbar: "Das Indikationsspektrum ließe sich noch erweitern." Solcher Zuversicht stehen allerdings hohe Kosten entgegen. Jede Kurzzeit-Beta-Bestrahlung verbraucht Material im Wert von mehr als 2.000 Euro.

* Kontakt: Priv.-Doz. Dr. Vratislav Strnad,

Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie


Universitätsstraße 27,

91054 Erlangen
Tel.: 09131/85 -33419,
Fax: 09131/85 -39335


E-Mail: vratislav.strnad@strahlen.med.uni-erlangen.de

Heidi Kurth | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de/docs/FAUWWW/Aktuelles/2001/Forschung_2001/Herzkranz.html

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