Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Cholesterinsenker gegen Alzheimer

31.01.2005


Der Cholesterinstoffwechsel im Gehirn beeinflusst das Risiko für Alzheimer. Darauf machen Wissenschaftler der Universität Bonn aufmerksam. Sie wollen diesen Zusammenhang für eine zuverlässigere Diagnose der Hirnerkrankung und für eine Behandlung mit Hilfe cholesterinsenkender Arzneien nutzen. Die Bonner Forschungsarbeiten werden durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.



Cholesterinsenkende Medikamente - so genannte Statine - reduzieren das Risiko für Alzheimer. Diese Entdeckung sorgte vor einigen Jahren für großes Aufsehen. Wissenschaftler der Abteilung für Klinische Pharmakologie der Universität Bonn um den Privatdozenten Dr. Dr. Dieter Lütjohann sind der Erklärung für dieses Phänomen einen Schritt näher gekommen. Sie konnten beobachten, dass Cholesterinsenker die Konzentration von Beta-Amyloid in der Hirnflüssigkeit verringern. Dieses Protein hat für die Entstehung von Alzheimer entscheidende Bedeutung; bei betroffenen Patienten finden sich massenhaft krankhafte Ablagerungen von Beta-Amyloid im Gehirn.



Nach Statingabe geht zudem die Konzentration des so genannten 24-Hydroxycholesterins in der Hirnflüssigkeit zurück. Die Substanz entsteht beim Abbau von Cholesterin und ist eine Transportform durch die ansonsten undurchlässige Bluthirnschranke. "Wir vermuten, dass unter der Therapie mit Statinen im Gehirn weniger Cholesterin gebildet und dadurch auch weniger Cholesterin abgebaut wird", erklärt Lütjohann. Diese Wirkung der Medikamente war bislang unbekannt - zurzeit werden Statine in erster Linie eingesetzt, um die Cholesterinbildung in der Leber zu hemmen und so der Arteriosklerose vorzubeugen.

"Im gleichen Maße, in dem sich die Konzentration des Hydroxycholesterins verringert, nimmt auch der Beta-Amyloidgehalt in der Hirnflüssigkeit ab", erklärt Lütjohann. "Es spricht daher vieles dafür, dass der Cholesterinstoffwechsel und die Bildung von Beta-Amyloid eng zusammenhängen." Auf welche Weise die Arzneien auch im zentralen Nervensystem wirken können, sollen jetzt weitere Studien klären. "Schon jetzt gibt es aber viel versprechende Ergebnisse aus Untersuchungen der letzten Jahre", so der Biochemiker. "So kommt es bei Personen, die über längere Zeit cholesterinsenkende Mittel eingenommen haben, seltener zum Ausbruch der Alzheimer-Erkrankung."

Diagnose-Möglichkeiten verbessern

Auch für die Diagnose der Hirnerkrankung bieten sich neue Möglichkeiten. Bislang kann man erst nach dem Tod durch die Untersuchung von Hirngewebe zweifelsfrei feststellen, ob der Verstorbene unter Alzheimer litt. Man findet aber in der Hirnflüssigkeit von Alzheimer-Patienten schon im Anfangsstadium einen deutlich erhöhten Hydroxycholesterin-Spiegel. Die Entnahme von Hirnflüssigkeitsproben ist für Patienten vergleichsweise ungefährlich und gehört heute zum Routineprogramm einer Klinik. Lütjohann: "Die Untersuchung der Hirnflüssigkeit kann daher in Kombination mit anderen diagnostischen Verfahren helfen, Alzheimer frühzeitig zu erkennen und den Verlauf der Krankheit zu beurteilen."

Ansprechpartner:
Privatdozent Dr. Dr. Dieter Lütjohann
Abteilung für Klinische Pharmakologie der Universität Bonn
Telefon: 0228/287-4027
E-Mail: dieter.luetjohann@ukb.uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Berichte zu: Alzheimer Beta-Amyloid Cholesterin Statin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neues Hydrogel verbessert die Wundheilung
25.04.2017 | Universität Leipzig

nachricht Konfetti im Gehirn: Steuerung wichtiger Immunzellen bei Hirnkrankheiten geklärt
24.04.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette

25.04.2017 | Verkehr Logistik

Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen