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Spirale aus der Hirnmedizin rettet erstmals Baby-Herz

19.01.2005


Das Herz des Babys rast und ist im Dauerstress. Ein gutartiger Gefäßtumor beansprucht übermäßig viel Blut aus dem kleinen Herzen. Die Gefahr eines Herzversagens droht. Kinderärzte des Universitätsklinikums Bonn stoppen den gefährlichen Blutfluss mit Hilfe einer modernen Metallspirale, deren Beschichtung im Blut aufquillt und so ein Gefäß viel besser als herkömmliche Spiralen verschließt. Erstmalig in Deutschland wird diese Art von Metallspirale, die bisher ausschließlich von Neuroärzten im Gehirn eingesetzt wird, für herznahe Gefäße eines Neugeborenen verwendet.



Kurz vor dem Entbindungstermin trifft Doris N. (Name geändert) ein Schock. Laut Ultraschall ist das Herz ihres Babys vergrößert. Ärzte an der Universitäts-Kinderklinik Bonn erkennen die Ursache. Das Ungeborene hat einen gutartigen, blutgefäßreichen Tumor im Oberarm - selten, doch sehr gefährlich. "Durch den permanenten sehr starken Blutfluss kann das Kinderherz aufgrund der enormen Belastung - vergleichbar mit der eines Radsportlers bei der Tour de France - jederzeit versagen", sagt Dr. Johannes Breuer, Direktor der Abteilung für Kinderkardiologie am Zentrum für Kinderheilkunde des Universitätsklinikums Bonn. So stabilisieren die Bonner Frauenärzte und Kinderkardiologen zunächst das Herz von Cora (Name geändert) mit herzstärkenden Medikamenten im Mutterleib und nach dem Kaiserschnitt. Zwei Tage nach der Geburt verschließen sie im Herzkatheterlabor, bei einer so genannten Coil-Embolisation, mittels Metallspiralen die Gefäße des Tumors.

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Eine Metallspirale stoppt den übermäßigen Blutfluss und das Herz kann sich ohne Medikamente stabilisieren. Von dem Einsatz neuer mit einem Gel beschichtete Metallspiralen profitiert Cora zusätzlich. Denn das Gel quillt im Blut auf und die Spiralen verstopfen so viel besser die Gefäße als gängige Metallspiralen. So setzen die Bonner Ärzte über einen Katheter insgesamt weniger Spiralen ein. Damit ist auch die Implantationszeit und die Röntgendurchleuchtungszeit für die kleine Patientin kürzer. "Deutschlandweit haben wir diese Spiralen erstmalig in herznahe Gefäße bei einem Neugeborenen eingesetzt. Unter dem Motto "Vom Hirn zum Herzen" arbeiten wir eng mit den Neuroradiologie unseres Klinikums zusammen und profitieren durch den engen Erfahrungsaustausch", sagt Kinderkardiologe Breuer.

Jetzt im Januar wird noch Coras Tumor samt Implantaten komplett entfernt. "Bis vor acht Jahren bestand die Gefahr, dass bei der Operation noch der ganze Arm entfernt werden musste. Dank der Spiralen ist das Risiko starker Blutungen heute sehr gering", sagt der Bonner Privatdozent Breuer. Die Prognose für Cora sei absolut gut und nach der jetzt erfolgten chirurgischen Entfernung des Tumors könne sie wie jedes andere Kind leben.

Kontakt:

Privatdozent Dr. Johannes Breuer
Direktor der Abteilung Kinderkardiologie
Zentrum für Kinderheilkunde des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-3350
E-Mail: johannes.breuer@ukb.uni-bonn.de

Dr. Inka Väth | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

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