Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erfolg der psychoanalytisch orientierten Psychotherapie belegt

17.01.2005


Dass die psychoanalytisch orientierte Therapie bei der Behandlung einer Vielzahl psychischer Krankheiten wirkt, ist jetzt wissenschaftlich belegt. Dies haben Göttinger Forscher um Prof. Dr. Falk Leichsenring und PD Dr. Eric Leibing in einer hochwertigen Meta-Analyse ermittelt. Darüber hinaus haben sie nachgewiesen, dass die psychoanalytisch orientierte Therapie ebenso wirksam ist wie Verhaltenstherapie. Die Wissenschaftler leiten die Arbeitsgruppe Psychotherapie-Forschung der Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie des Bereichs Humanmedizin der Universität Göttingen und des Niedersächsischen Landenskrankenhauses Tiefenbrunn. In ihrer neuen Meta-Analyse werteten die Forscher methodisch hochwertige Studien über die Wirksamkeit psychoanalytisch orientierter Therapien zusammenfassend aus. Die Ergebnisse wurden jetzt in der Dezember-Ausgabe der international renommierten Zeitschrift "Archives of General Psychiatry" veröffentlicht (www.archpsyc.ama-assn.org).


Eine Publikation in den "Archives of General Psychiatry" ist ein besonderer Qualitätsausweis, denn die Zeitschrift besitzt den höchsten "Impact-Faktor" in den Fachgebieten Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Psychologie. Das bedeutet, dass Beiträge dieser Zeitschrift weltweit am häufigsten in der Fachwelt zitiert werden. Nur wenigen Forschern aus dem deutschsprachigen Raum ist es in den letzten Jahren gelungen, ihre Studien in dieser Zeitschrift zu publizieren.

Das Ergebnis einer Meta-Analyse hängt erheblich von der Qualität der einbezogenen Studien ab. Prof. Leichsenring und seine Kollegen haben deshalb in ihre Meta-Analyse nur solche Studien aufgenommen, die hohen methodischen Anforderungen genügen. Dies sind insbesondere randomisierte und kontrollierte Studien, bei denen die Patienten per Zufall den verschiedenen Behandlungen oder Kontrollgruppen zugewiesen werden. Außerdem durfte in den Studien nur jeweils ein spezifisches Krankheitsbild behandelt werden.


Nach den Ergebnissen von Leichsenring und Leibing hilft die psychoanalytisch orientierte Therapie unter anderem bei Patienten mit Angststörungen, depressiven Störungen, post-traumatischen Belastungsstörungen, Essstörungen (Anorexie und Bulimie), Suchterkrankungen (wie Opiat-Abhängigkeiten), Persönlichkeitsstörungen (wie der Borderline-Persönlichkeitsstörung) sowie bei somatoformen Störungen (das sind körperliche Beschwerden ohne ausreichende organische Erklärung). Die Therapie verringert die Symptome dieser Krankheiten sowie mögliche Begleitsymptome stark. Dies gilt auch für die mit den psychischen Erkrankungen verbundenen sozialen Beeinträchtigungen im Berufs- und Privatleben. Die Therapieerfolge nehmen sogar nach Ende der Therapie weiter zu. Patienten, die gar nicht behandelt werden oder eine psychiatrische Standardbehandlung erhalten haben, zeigen dagegen einen deutlich geringeren Therapieerfolg. Psychoanalytisch orientierte Therapie erwies sich nach den Ergebnissen der Metaanalyse außerdem als ebenso gut wirksam wie beispielsweise Verhaltenstherapie.

Frühere Meta-Analysen der Autoren belegten bereits, dass die psychoanalytisch orientierte Therapie und die Verhaltenstherapie bei der Behandlung depressiver Störungen gleichermaßen wirksam sind. Darüber hinaus hat sich die psychoanalytisch orientierte Therapie als besonders wirksam bei der Behandlung von Patienten mit Persönlichkeitsstörungen erwiesen.

Derzeit untersucht die Göttinger Forschergruppe die Behandlung von Patienten mit Generalisierter Angststörung. Die Betroffenen machen sich über alles und jedes Sorgen und sehen überall Katastrophen auf sich zukommen. Die Studie vergleicht den Erfolg der psychoanalytisch orientierten Therapie mit dem der kognitiven Verhaltenstherapie. Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Die bisher vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass auch bei der Generalisierten Angststörung beide Therapieformen gleich gut wirksam sind.

Weitere Informationen:

Georg-August-Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin
Abt. Psychosomatik und Psychotherapie
Prof. Dr. Falk Leichsenring
von-Siebold-Str. 5
37075 Göttingen
Tel.: 0551/39 - 6707
Fax: 0551/39 - 4592
fleichs@gwdg.de

Stefan Weller | idw
Weitere Informationen:
http://www.humanmedizin-goettingen.de
http://www.archpsyc.ama-assn.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise