Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neueste Forschungen zum Plötzlichen Kindstod

14.01.2005


Im Jahr 2003 ist durchschnittlich jeden Tag ein Säugling am Plötzlichen Kindstod gestorben. Unter dieser Todesursache versteht man den plötzlichen und unvorhersehbaren Tod eines Kindes unter 1 Jahr während des Schlafs. Dabei gibt es in der Regel keinerlei Vorwarnungen, da die Kinder aus völliger Gesundheit heraus versterben. Mittlerweile sind aber eine Reihe von Risikofaktoren, wie das Schlafen in Bauchlage und das Rauchen der Schwangeren / Stillenden, bekannt, bei deren Vermeidung das Risiko für das Kind verringert werden kann. Aufgrund einer verbesserten Vorsorge hat sich die Anzahl der am plötzlichen Kindstod verstorbenen Kleinkinder seit etwa 1990 bis zum Jahr 2003 etwa auf ein Drittel verringert.

... mehr zu:
»Kindstod »Todesfall

Bei der heutzutage im allgemeinen niedrigen Säuglingssterblichkeit in den Industrienationen ist der plötzliche Kindstod die häufigste Todesursache im 1. Lebensjahr nach der Neonatalperiode (ersten 4 Lebenswochen) und macht etwa 40% der Todesfälle aus, obgleich die absolute Häufigkeit bezogen auf alle Lebendgeborenen gering ist. Bis in die 90er Jahre ging man in der Bundesrepublik Deutschland von etwa 1,8 pro Tausend am plötzlichen Kindstod verstorbenen Kleinkindern aus, im Jahr 2003 war die Rate bereits auf etwa 0,5 pro Tausend gesunken. Das bedeutet, dass von 2.000 Säuglingen bzw. Kleinkindern nur noch eines am plötzlichen Kindstod verstirbt.

In den ersten 2 Lebenswochen verstirbt ein Kind nur sehr selten am plötzlichen Kindstod, und in den folgenden 2 Wochen extrem selten. In den anschließenden 6 Lebensmonaten ereignen sich mehr als die Hälfte aller Todesfälle mit einem deutlichen Häufigkeitsgipfel zwischen dem 2. und 4. Lebensmonat. Etwa 60% der verstorbenen Kinder sind Jungen. Der Tod tritt immer im Schlaf ein, wobei man vermutet, dass die meisten Todesfälle in den frühen Morgenstunden auftreten. Die meisten Säuglinge versterben in den Wintermonaten.


Die aktuelle Statistik weist 367 Plötzliche Kindstode als häufigste Todesart im Säuglingsalter für das Jahr 2003 aus. Dies sind 800 Todesfälle pro Jahr weniger als noch vor 13 Jahren. Im November 1991 wurde im Deutschen Ärzteblatt aufgrund von Ergebnissen der Westfälischen Kindstodstudie der NRW-Landesregierung auf das Risiko der Bauchlage hingewiesen. Dieser Hinweis wurde von den Medien und Eltern rasch aufgenommen und führte bereits im Jahr 1992 zu einem Rückgang dieser Todesfälle um 400.

Danach verlief der Rückgang langsamer aber stetig. Nach 10 Jahren konnten weitere 400 Säuglinge pro Jahr vor dem plötzlichen Kindstod bewahrt werden. Dazu trugen weitere wissenschaftliche Untersuchungen wie die vom BMBF finanzierte deutschlandweite Studie (unter Leitung von Dr. med. Gerhard Jorch, Direktor der Klinik für Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg) bei, die die Ergebnisse der westfälischen Kindstodstudie untermauerte und weitere Risikofaktoren belegte. Somit bestehen nun eine gesicherte wissenschaftliche Grundlage und ein von einer breiten Mehrheit gesundheitsberatender Berufe getragener Konsens hinsichtlich der Inhalte der Prävention des Plötzlichen Kindstodes. Die Studiendaten zeigen, dass weitere 200 Säugligen jährlich gerettet werden können, wenn die bisher bekannten vorbeugenden Maßnahmen noch konsequenter umgesetzt werden.

Die mit Abstand wichtigste Maßnahme ist das Schlafen in Rückenlage. Auch die Seitenlage ist risikoreich, wenn ein Drehen in Bauchlage nicht zuverlässig verhindert wird. Zusätzlich tragen zur Risikosenkung die Verwendung eines Schlafsackes statt eines Überbettes und das Schlafen im Elternschlafzimmer - aber nicht im Elternbett - bei. Verzicht auf Zigarettenrauchen oder zumindest Verminderung der Anzahl gerauchter Zigaretten im Haushalt des Kindes sowie Stillen mindestens bis zum 4. Lebensmonat fördern nicht nur die Gesundheit des Säuglings, sondern tragen auch zum Schutz vor dem Plötzlichen Kindstod bei.

Durch einfache und kostenlose vorbeugende Maßnahmen wurden seit 1992 schätzungsweise 7000 Säuglinge in Deutschland vor dem Plötzlichen Kindstod bewahrt. Es handelt sich somit um den wirksamsten Beitrag zur Kindergesundheit des vergangenen Jahrzehnts.

Diese Erfolgsgeschichte hat aber auch eine bittere Seite: Die Bauchlage als Hauptrisikofaktor wurde nämlich erst 1971 in die Säuglingspflege eingeführt. Der daraufhin folgende Anstieg plötzlicher Säuglingstodesfälle wurde in Westdeutschland nicht zur Kenntnis genommen. In Ostdeutschland wurde die Bauchlage nach Auftreten einzelnen Todesfällen in Kinderkrippen zwar auf dem Verordnungswege untersagt, drang aber nicht in das Wissen der medizinischen Fachwelt ein. Risiken und Nebenwirkungen von Gesundheitsempfehlungen gebührt die gleiche Aufmerksamkeit wie der von Medikamenten.

Auszeichnung für neueste Forschung

Im November 2004 fand das Wissenschaftliche Symposium "Prävention von Anfang an - Wunsch und Wirklichkeit" der Stiftung Kindergesundheit in München statt. Erstmalig wurde eine bundesweite Standortbestimmung geschaffen, die die bisherigen Erfolge, aber auch eklatante Missstände in der Vorbeugung von Kinderkrankheiten aufzeigte. Im Rahmen des Symposiums wurde erstmals der Meinhard von Pfaundler Präventionspreis der Stiftung Kindergesundheit vergeben. Professor Dr. med. Gerhard Jorch, Direktor der Klinik für Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg erhielt die Auszeichnung in Anerkennung seiner wissenschaftlichen und präventivmedizinischen Verdienste bei der Bekämpfung des plötzlichen Kindstodes.

Bei Rückfragen steht Ihnen zur Verfügung:
Professor Dr. Berthold Koletzko
Dr. von Haunersches Kinderspital am Klinikum der Universität München
Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit
Telefon 089-5160-2825

S. Nicole Bongard | idw
Weitere Informationen:
http://www.kindergesundheit.de

Weitere Berichte zu: Kindstod Todesfall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften