Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ozon - der Gesundheitsfeind im Sommer?

02.07.2001


Von Jahr zu Jahr hat in den Sommermonaten die Ozon-Diskussion Konjunktur. Berichtet wird über das Erreichen und Überschreiten von Grenzwerten, über die Gefährdung von Kindern und Erwachsenen, vor allem aber über die Gefährdung von Patienten mit Atemwegserkrankungen durch Ozon.

Ozon ist in den Mittelpunkt einer ökologischen und gesundheitspolitischen Diskussion gerückt. Über die Frage, wie gefährlich dieser unsichtbare Feind wirklich ist, woran man ihn erkennt und wie man sich schützen kann, bestehen erhebliche Unklarheiten. Die spürbare Verunsicherung insbesondere auch bei Patienten mit Atemwegserkrankungen gibt uns Veranlassung zu der nachfolgenden Stellungnahme.

Hintergrund:
Ozon kommt in der Stratosphäre vor und hat dort eine wichtige Schutzfunktion. Es verhindert das Eindringen kurzwelliger UV-Strahlen, die beim Menschen u.a. Hautkrebs erzeugen können. Dieses schützende Ozon wird durch halogenierte Kohlenwasserstoffverbindungen (FCKW) zerstört. Der Zerstörung soll durch ein FCKW-Verbot Einhalt geboten werden.

Das schädliche bodennahe Ozon entsteht durch die Einwirkung von UV-Strahlen aus Stickstoffdioxyd, das aus Autoabgasen stammt. Hohe Ozonkonzentrationen werden also vor allem bei Sonneneinstrahlung und starkem Autoverkehr beobachtet. Dabei finden sich hohe Ozonkonzentrationen nicht immer in städtischen Ballungsräumen, sondern auch in sogenannten Reinluftgebieten.

Das gasförmige Ozon reizt die Schleimhäute. Konzentrationen über 200 mcg/m3 Luft können Augentränen, Wundgefühl im Hals und in der Brust, Reizhusten, Schwindel und Kopfschmerzen hervorrufen. Der Anteil der Personen, die in dieser Weise reagieren, steigt bei Ozonkonzentrationen über 400 mcg/m3 auf mehr als 50%.

Die individuelle Reaktion auf Ozon ist jedoch sehr unterschiedlich und wird auch durch Gewöhnung modifiziert. Mit unerwünschten Effekten ist besonders bei gesteigerter Atmung zu rechnen. Kinder haben im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht ein größeres Atemminutenvolumen als Erwachsene. Sie sind deshalb stärker Ozon-exponiert und bei intensiver Bewegung im Freien auch potentiell mehr gefährdet.

Macht Ozon krank?
Informationen über Gesundheitsschäden durch Ozon stammen aus epidemiologischen Studien und aus Expositionsversuchen. In epidemiologischen Untersuchungen wurde geprüft, ob bei hohen Ozonkonzentrationen die Zahl der Krankenhauseinweisungen wegen akuten Atembeschwerden zunimmt. Ein Zusammenhang wurde für verschiedene Komponenten der Luftverschmutzung wie saure Aerosole, Schwefeldioxid und Stickoxyde gefunden. Eine spezifische Bedeutung von Ozon ließ sich jedoch nicht nachweisen. Auch Untersuchungen an Kindern mit Asthma in einem Sommercamp ergaben ähnliche Resultate:
Der Bedarf an Asthmamitteln stieg mit der Konzentration von Luftschadstoffen, aber nicht eindeutig mit der Ozonkonzentration.

Expositionsstudien haben den Vorteil, daß unter standardisierten Bedingungen spezifische Ozonwirkungen nachweisbar sind: Sie sind die Folge einer durch Ozon induzierten Entzündung. In Spülflüssigkeit der Nase und der Bronchien sind vermehrt Entzündungszellen nachweisbar. Diese Entzündungsreaktion erklärt, daß bei Gesunden und Patienten mit Atemwegserkrankungen in Abhängigkeit von der Ozonkonzentration eine leichte Einschränkung der Lungenfunktion nachweisbar sein kann (Abnahme von FEV1, FVC und PEF in der Größenordnung von 5 - 10 %).

Neuere Untersuchungen sprechen dafür, daß die Einwirkung von Ozon auf die Schleimhäute der Atemwege die Empfindlichkeit gegenüber Allergenen steigert. Unter natürlichen Bedingungen ist stets mit Kombinationseffekten -starker Pollenflug plus hohe Ozonkonzentration bei sommerlicher Witterung- zu rechnen.

Offene Fragen
Folgende wichtige Fragen sind bisher nicht ausreichend geklärt:

  • Führt die Einwirkung von Ozon in Konzentrationen, die in unserer Umgebung vorkommen, zu einer Hyperreaktivität der Atemwege?
  • Wird durch Ozon die Sensibilisierung gegenüber Umweltantigenen begünstigt und damit die Häufigkeit allergischer Erkrankungen?
  • Kann die zeitweilige Einwirkung erhöhter Ozonkonzentrationen zu langfristigen Schäden führen und den Krankheitsverlauf bei Atemwegserkrankungen ungünstig beeinflussen?

Bisher existieren nur Beobachtungen über kurzdauernde Einwirkungen; Längsschnittuntersuchungen fehlen.

Fazit und Ausblick

  • Es gibt keine Ozonkrankheit.
  • Ozon ist ein Indikator für die Schadstoffbelastung, der wir ausgesetzt sind.
  • Ozon ist ein Risikofaktor. Insbesondere werden Kinder und Patienten mit allergischem Asthma als potentiell gefährdet angesehen.
  • Ein zuverlässiger individueller Schutz existiert nicht.
  • Der Hinweis, in Smog-Situationen intensive körperliche Belastung im Freien zu vermeiden, erscheint vernünftig.

Ozon ist zu einem Reizwort in der politischen Diskussion geworden. Zur Klärung des tatsächlichen Gesundheitsrisikos durch Ozon besteht noch ein erheblicher Forschungsbedarf.

Dr. Ulrich Kümmel | idw
Weitere Informationen:
http://www.atemwegsliga.de/

Weitere Berichte zu: Atemwegserkrankung Ozon Ozonkonzentration

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Zöliakie bei Typ 1 Diabetes schädigt Blutgefäße schneller
21.05.2015 | Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München

nachricht Nierenerkrankungen: Neues Therapiekonzept entdeckt
18.05.2015 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Basler Physiker entwickeln Methode zur effizienten Signalübertragung aus Nanobauteilen

Physiker haben eine innovative Methode entwickelt, die den effizienten Einsatz von Nanobauteilen in elektronische Schaltkreisen ermöglichen könnte. Sie entwickelten dazu eine Anordnung, bei der ein Nanobauteil mit zwei elektrischen Leitern verbunden ist. Diese bewirken eine hocheffiziente Auskopplung des elektrischen Signals. Die Wissenschaftler vom Departement Physik und dem Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel haben ihre Ergebnisse zusammen mit Kollegen der ETH Zürich in der Fachzeitschrift «Nature Communications» publiziert.

Elektronische Bauteile werden immer kleiner. In Forschungslabors werden bereits Bauelemente von wenigen Nanometern hergestellt, was ungefähr der Grösse von...

Im Focus: Basel Physicists Develop Efficient Method of Signal Transmission from Nanocomponents

Physicists have developed an innovative method that could enable the efficient use of nanocomponents in electronic circuits. To achieve this, they have developed a layout in which a nanocomponent is connected to two electrical conductors, which uncouple the electrical signal in a highly efficient manner. The scientists at the Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel have published their results in the scientific journal “Nature Communications” together with their colleagues from ETH Zurich.

Electronic components are becoming smaller and smaller. Components measuring just a few nanometers – the size of around ten atoms – are already being produced...

Im Focus: Phagen übertragen Antibiotikaresistenzen auf Bakterien – Nachweis auf Geflügelfleisch

Bakterien entwickeln immer häufiger Resistenzen gegenüber Antibiotika. Es gibt unterschiedliche Erklärungen dafür, wie diese Resistenzen in die Bakterien gelangen. Forschende der Vetmeduni Vienna fanden sogenannte Phagen auf Geflügelfleisch, die Antibiotikaresistenzen auf Bakterien übertragen können. Phagen sind Viren, die ausschließlich Bakterien infizieren können. Für Menschen sind sie unschädlich. Phagen könnten laut Studie jedoch zur Verbreitung von Antibiotikaresistenzen beitragen. Die Erkenntnisse sind nicht nur für die Lebensmittelproduktion sondern auch für die Medizin von Bedeutung. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Applied and Environmental Microbiology veröffentlicht.

Antibiotikaresistente Bakterien stellen weltweit ein bedeutendes Gesundheitsrisiko dar. Gängige Antibiotika sind bei der Behandlung von Infektionskrankheiten...

Im Focus: Die schreckliche Schönheit der Medusa

Astronomen haben mit dem Very Large Telescope der ESO in Chile das bisher detailgetreueste Bild vom Medusa-Nebel eingefangen, das je aufgenommen wurde. Als der Stern im Herzen dieses Nebels altersschwach wurde, hat er seine äußeren Schichten abgestoßen, aus denen sich diese farbenfrohe Wolke bildete. Das Bild lässt erahnen, welches endgültige Schicksal die Sonne einmal ereilen wird: Irgendwann wird aus ihr ebenfalls ein Objekt dieser Art werden.

Dieser wunderschöne Planetarische Nebel ist nach einer schrecklichen Kreatur aus der griechischen Mythologie benannt – der Gorgone Medusa. Er trägt auch die...

Im Focus: IoT-based Advanced Automobile Parking Navigation System

Development and implementation of an advanced automobile parking navigation platform for parking services

To fulfill the requirements of the industry, PolyU researchers developed the Advanced Automobile Parking Navigation Platform, which includes smart devices,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

TU Darmstadt: Gipfel der Verschlüsselung - CROSSING-Konferenz am 1. und 2. Juni in Darmstadt

22.05.2015 | Veranstaltungen

Internationale neurowissenschaftliche Tagung

22.05.2015 | Veranstaltungen

Biokohle-Forscher tagen in Potsdam

21.05.2015 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochleistungsmikroskopie für Membranrezeptoren

22.05.2015 | Physik Astronomie

Ausbreitung von Wellen verstehen und steuern

22.05.2015 | Energie und Elektrotechnik

TU Darmstadt: Gipfel der Verschlüsselung - CROSSING-Konferenz am 1. und 2. Juni in Darmstadt

22.05.2015 | Veranstaltungsnachrichten