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Flutkatastrophe in Südasien: Gesundheitswissenschaftler warnt vor dem Aufbau von Parallelstrukturen

10.01.2005


Die Flutkatastrbesonders viele Kinder. Zudem erregen massive Zerstörungen von Wohnungen, von Verkehrs- und von Versorgungseinrichtungen die öffentliche Aufmerksamkeit. Die Katastrophe legt aber auch schwere, seit langem bestehende strukturelle Defizite in der Gesundheitsversorgung der betroffenen Regionen bloß, die bislang wenig beachtet wurden. Darauf weist Professor ophe in Südasien hat nach Angaben der UN 165 000 Menschen das Leben gekostet, darunter sind Oliver Razum, Leiter der Arbeitsgruppe "Epidemiologie und International Public Health" an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld, hin.



Bereits vor der Flutkatastrophe habe ein Großteil der Bevölkerung in den betroffenen Ländern unter einem schlechten Zugang zu Gesundheitsdiensten gelitten. Seit jeher gebe es dort nicht genügend gut ausgestattete Gesundheitszentren, sie würden aufgrund schlechter Transportbedingungen zu spät erreicht, die Behandlung sei nicht von ausreichender Qualität oder für die Betroffenen zu teuer. Das führe zu einer "Katastrophe im Stillen", sagt Oliver Razum: "Jedes Jahr sterben in den ärmeren Ländern der Welt zehn Millionen Kinder, die meisten an Durchfall und Lungenentzündung. Solche Todesfälle sind durch einfache, preisgünstige Maßnahmen nahezu vollständig vermeidbar. Damit die lebensrettenden Maßnahmen auch für die ärmere Bevölkerung zugänglich und wirksam werden, bedarf es langfristiger Investitionen in die Gesundheitssysteme ärmerer Länder, Maßnahmen zur Qualitätssicherung in den Gesundheitsdiensten sowie tragbarer Finanzierungsmodelle für die Behandlung."

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Not- und Akuthilfe allein sei für die Bevölkerung in den Katastrophengebieten Südasiens nicht ausreichend, so Oliver Razum, "denn sie trägt nur wenig zur Überwindung der ’stillen’, chronischen Katastrophe bei. Weniger erfahrene Hilfsorganisationen neigen oftmals dazu, Parallelstrukturen zu staatlichen Gesundheitsdiensten zu schaffen. So werden Versorgungsstrukturen gedoppelt, was bestehende Gesundheitsdienste nicht etwa stärkt, sondern sie sogar noch zusätzlich schwächen kann - beispielsweise, indem Personal abgeworben wird. Solche wohlgemeinten Hilfsangebote sind langfristig nicht aufrecht zu erhalten und kommen dem vom Akutereignis verschonten Teil der Bevölkerung nicht zugute. Gesundheitswissenschaftler können dazu beitragen, Hilfsmaßnahmen möglichst frühzeitig in die staatlichen Gesundheitsdienste zu integrieren oder diese Dienste zu stärken".

Eine entsprechende Forderung haben die Professoren Oliver Razum und Joachim Gardemann vom Kompetenzzentrum Humanitäre Hilfe an der Fachhochschule Münster bereits vor der Katastrophe gestellt. Details finden sich in einem Positionspapier, das sie stellvertretend für die "Kommission für Internationale Zusammenarbeit" der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH) verfasst haben. Das Positionspapier kann bei Oliver Razum angefordert werden.

Kontakt und Informationen: Prof. Dr. med. Oliver Razum, MSc, Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld, Epidemiologie und International Public Health, Telefon: 0521/106 3837 / 3838. E-Mail: oliver.razum@uni-bielefeld.de.

Dr. Gerhard Trott | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bielefeld.de

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