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Teufelskreis aus Schmerz und Pillen: Nur der Entzug hilft bei Dauerkopfschmerz

10.01.2005


Chronischer Kopfschmerz kann die Folge eines übermäßigen Konsums von Schmerz- und Migränemittel sein. "Neuere Studien belegen eindrucksvoll, wie wichtig ein konsequenter Medikamentenentzug bei dieser Art von Kopfschmerzen ist", kommentieren Experten in den "Kopfschmerz-News", dem Mitgliederorgan der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).



Häufige Kopfschmerzen können dazu verleiten, aus Angst vor einer bevorstehenden Schmerzattacke "vorsichtshalber" ein Schmerz- oder Migränemittel zu schlucken. Kopfschmerzpatienten sollten dies jedoch nicht häufiger als an 10 Tagen pro Monat und nur an höchstens drei aufeinanderfolgenden Tagen tun. Denn bei unvorsichtigem Gebrauch dieser Arzneimittel droht ein Teufelskreis aus Schmerz und Pillen: der so genannte medikamenteninduzierte Kopfschmerz.

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"Nur" zehn Tage.

Die Spezialisten der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft IHS haben unlängst die diagnostischen Kriterien für den medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz verschärft. Wenn Patientinnen oder Patienten pro Monat an mehr als 15 Tagen unter Kopfschmerzen leiden und an mehr als zehn Tagen (bislang 15 Tagen) regelmäßig während drei Monaten Mutterkornalkaloide, Triptane oder Schmerzmittelmischpräparate einnehmen und sich der Kopfschmerz während dieser Zeit entwickelt oder verschlechtert ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz handelt. Bei Schmerzmitteln, die nur eine Substanz enthalten, gehen die Warnlampen an, wenn Patienten an mehr als 15 Tagen pro Monat Tabletten gegen ihre Kopfschmerzen schlucken. Gesichert ist die Diagnose allerdings erst dann, wenn der Kopfschmerz binnen zwei Monaten nach Absetzen der Medikamente entweder ganz verschwindet oder zu seinem früheren Muster zurück geht, beispielsweise eine Migräne-Attacke pro Monat.

Grund für diese Änderungen sind neuere Studien über den durch Arzneimittelübergebrauch verursachte Kopfschmerzen. Darüber hinaus wissen die Experten schon lange, dass die häufige Einnahme von Analgetika der wichtigste Risikofaktor für die Chronifizierung einer Migräne, aber auch nichtmigränöser Kopfschmerzen ist. Während in der Durchschnittsbevölkerung etwa einer von hundert Menschen an chronischem Migränekopfschmerz leidet, stellten Wissenschaftler bei einer norwegischen Studie fest, dass diese Zahl bei Menschen mit regelmäßigem Schmerzmittelgebrauch bei 13 Prozent lag. Bei nichtmigränösen Kopfschmerzen ist das Risiko einer Chronifizierung nicht so deutlich erhöht.

Klassischer Frauenschmerz.

In den Studien zum Schmerzmittelkopfschmerz stellen die Experten stets unisono fest: Am stärksten betroffen sind Frauen, die an Migräne ohne Aura leiden. In einer aktuellen Studie untersuchten italienische Forscher 96 Patientinnen und 18 Patienten mit medikamenteninduziertem Dauerkopfschmerz. Über 70 Prozent der Patienten litten ursprünglich unter einer Migräne ohne Aura. Nach den alten Kriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft wären indes nur 28 Prozent der Betroffenen korrekt diagnostiziert worden. "Die Korrektur der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft war daher sehr wichtig", betonen die DMKG-Experten.

Schmerzmittel entziehen.

"Nur der Entzug der eingenommenen Präparate kann den Dauerschmerz wieder nehmen", erklären die DMKG-Experten. Dies verdeutlicht eine große, retrospektive amerikanische Studie. Die Forscher analysierten rückblickend die Daten von 756 Patienten mit medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerzen, die im Mittel fünf Tabletten pro Tag geschluckt hatten und meistens mehr als eine Substanz einnahmen. Die Wissenschaftler verglichen diejenigen, die einen erfolgreichen Schmerzmittelentzug durchgestanden hatten mit dem Befinden einer Gruppe von Patienten, die dies nicht geschafft oder nicht versucht hatte. Wer den übermäßigen Medikamentenkonsum aufgegeben hatte, litt deutlich seltener und weniger lang an Kopfschmerzen. Bei den meisten dieser Patienten beschränkte sich der Schmerz nach einem Jahr auf die ursprünglich episodisch auftretenden Migräneattacken. In der anderen Gruppe konnten die Forscher nur bei 15 Prozent der Patienten eine Besserung der Dauerkopfschmerzen feststellen.

Dipl. Biol. Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.dmkg.de

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